Klarna streicht jede zehnte Stelle

24. Mai 2022, 10:04
letzte Aktualisierung: 1. Juni 2022, 09:19
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Das schwedische Startup ist Europas wertvollstes Fintech. Nun aber sollen rund 700 Angestellte ihren Job verlieren. Update: Auch Schweiz soll betroffen sein.

Beim Payment-Startup Klarna wird offenbar der Rotstift angesetzt. Gemäss Medienberichten kündigte Sebastian Siemiatkowski, CEO und Mitbegründer von Klarna, gegenüber seinen Mitarbeitenden einen Stellenabbau an. Etwa 10% der Angestellten in allen Bereichen des Unternehmens werden davon betroffen sein werden, so Siemiatkowski gemäss 'Techcrunch' in einer Videobotschaft an die Belegschaft.
Klarna wurde 2005 in Schweden gegründet und ist eine lizenzierte Bank. Das Unternehmen ermöglicht es den Kunden, auf Kredit einzukaufen, und hat vom Online-Shopping-Boom während der Covid-Pandemie profitiert. Weltweit beschäftigt Klarna gemäss 'Techcrunch' knapp 7000 Mitarbeitende. Seit Anfang Jahr ist das Fintech mit einem Büro in Zürich auch in der Schweiz vertreten.
Dort werde es zu keinen Entlassungen kommen. "Für das Schweizer Team ergeben sich keine Änderungen", sagte Schweiz-Chef Christian Kehr am 25. Mai zu 'Finews'. Rund eine Woche später schreibt das Online-Magazin, dass die Zürcher Büros wohl doch nicht vor Veränderungen verschont bleibe. "Zumindest eine Stelle" in der Schweiz sei vom globalen Abbau betroffen, hat 'Finews' aus mehreren, voneinander unabhängigen Quellen erfahren. Klarna erklärt gegenüber dem Onlinemagazin, dass man in der Schweiz in den vergangenen drei Monaten sechs neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt habe. "Zu weiteren personellen Änderungen geben wir derzeit keine Auskunft."

Stellen weltweit betroffen

Bei der Klarna-Belegschaft herrsche Unsicherheit, wer vom Abbau betroffen sein wird, berichtet 'CNBC'. Klarna werde die Mitarbeitenden "sehr bald" über die Veränderungen informieren.
In den kommenden Tagen werden einige Mitarbeiter in Europa aufgefordert werden, das Unternehmen gegen eine Abfindung zu verlassen, schreibt 'Techcrunch' mit Berufung auf die Videobotschaft des CEOs. Die Abfindung werde je nach Arbeitsort unterschiedlich aussehen. Es seien nicht nur Angestellte in Europa, sondern weltweit betroffen, heisst es im Bericht weiter.

Bewertung könnte nach unten korrigiert werden

Klarna ist Europas wertvollstes Fintech. In den vergangenen Jahren sammelte das Unternehmen über 600 Millionen Dollar an Kapital ein. Zu den Investoren gehören Sequoia Capital, Permira und Softbank. Nach der letzten Finanzierungsrunde lag die Bewertung bei über 45 Milliarden Dollar.
In einer neuen Finanzierungsrunde versuche Klarna aktuell bis zu 1 Milliarde Dollar aufzubringen, berichtete kürzlich das 'Wall Street Journal'. Gemäss dem Bericht verlangen Investoren aber einen deutlichen Bewertungsabschlag. Es sei von einer Bewertung im "Bereich von 30 Milliarden Dollar" die Rede. Die Investoren seien nervös, dass das Wachstum des Jungunternehmens nicht nachhaltig sei, schreibt das US-Wirtschaftsmagazin weiter.
Klarna selbst begründet den Abbau mit der geopolitischen Lage. "Als wir im Herbst letzten Jahres unsere Geschäftspläne für 2022 aufstellten, war das eine ganz andere Welt als die, in der wir uns heute befinden", sagte Siemiatkowski gemäss 'CNBC'. "Seitdem haben wir einen tragischen und unnötigen Krieg in der Ukraine erlebt, einen Stimmungsumschwung bei den Konsumentinnen und Konsumenten, einen starken Anstieg der Inflation, einen sehr volatilen Aktienmarkt und eine wahrscheinliche Rezession."
Update (25. Mai): Der Artikel wurde mit der Aussage von Länderchef Christian Kehr ergänzt. Update (1. Juni): Im Artikel wurden weitere Informationen zur Situation in der Schweiz ergänzt.

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