Konkurse von IT-Firmen dramatisch gestiegen

25. April 2023 um 09:49
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Foto: Craig Whitehead / Unsplash

Im 1. Quartal mussten 50% mehr Informatik-Firmen Insolvenz anmelden als im Vorjahr. Sind das Nachholeffekte nach den staatlichen Stützungsmassnahmen?

Als die Pandemie 2020 das gesellschaftliche Leben in der Schweiz weitgehend lahmlegte, fürchteten viele eine Welle an Firmenkonkursen. Doch trotz Corona-Massnahmen und Umsatz-Einbrüchen lag die Zahl der Insolvenzen in den Jahren 2020 und 2021 aussergewöhnlich tief. Die staatlichen Stützungsmassnahmen taten ihren Dienst, so dass ein "Konkurs-Tsunami" ausblieb. Nun ziehen die Firmenpleiten aber stark an.
Auch von einem Vor-Corona-Niveau aus gesehen, seien die Unternehmenskonkurse deutlich gestiegen, schreibt die Wirtschaftsanalyse-Firma Dun & Bradstreet. Der gesamte DACH-Raum ist von der Entwicklung betroffen, die Schweiz führt die zweifelhafte Rangliste aber an. Hierzulande gab es im ersten Quartal 2023 über ein Drittel mehr Firmeninsolvenzen als im gleichen Zeitraum 2022. Die Zahl der Konkurse sprang von 1190 auf 1624 hoch, wie den Zahlen der Analysten zu entnehmen ist.
Dun & Bradstreet bezieht Insolvenzen von im Handelsregister eingetragenen Unternehmen in ihre Analyse ein. Demnach verzeichnete die IT-Branche mit einer Zunahme von 52% einen besonders starken Trend. Es ist Platz fünf hinter Einzelhandel (+107%), Güterherstellung (+86%), Baugewerbe (+76%) und Autogewerbe (+62%).

Firmenkonkurse im "Winterschlaf"

Ob es sich um einen Ausreisser handelt oder um eine Tendenz, lässt sich nur schwer beantworten. Zum einen ist die Entwicklung hochvolatil, zum anderen sind die Vergleichsgrössen gering: Im 1. Quartal 2023 wurde gegen 50 IT-Firmen ein Insolvenzverfahren eröffnet, im Vorjahresquartal waren es noch 33.
Warum die ersten Ängste vor einer Konkurswelle verfrüht waren, erklärte ETH-Forscher Florian Eckert letztes Jahr gegenüber inside-it.ch. Laut dem Ökonomen ging der Rückgang der Konkurse vor allem auf einen "Winterschlaf" zurück, in dem der Staat die anfallenden Kosten für den Geschäftseinbruch übernommen hatte. Da diese Summen nicht in den Firmenbilanzen stecken würden, sondern im Staatshaushalt, sei ein Nachholeffekt weniger wahrscheinlich.
Aufgrund der vielen Unsicherheiten sei die Prognose aber schwierig, erklärte Eckert. Dies hat sich in der Zwischenzeit nicht geändert. Anfang April publizierte die Konjunkturforschungsstelle KOF zuletzt einen Indikator für die Geschäftslage: Zu Jahresbeginn 2023 stabilisiert sich die Konjunktur tendenziell wieder, tritt nun aber auf der Stelle, heisst es dort.

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