Kritik an Schweizer Startup wegen angeblicher Gesichtserkennung

27. Februar 2024 um 10:35
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Foto: Lianhao Qu / Unsplash

Invenda aus Obwalden entwickelt smarte Snackautomaten und verkauft diese weltweit. In Kanada wurden Vorwürfe laut, das Startup verletze die Privatsphäre von Kunden.

Das Schweizer Startup Invenda muss sich in Kanada einem Shitstorm stellen. Das Unternehmen mit Sitz in Obwalden stellt Snackautomaten her, die unter anderem auch von Valora in der Schweiz eingesetzt werden. Einem Studenten in Kanada, der für die Uni-Zeitschrift 'Mathnews' schreibt, sei eine Fehlermeldung eines Automaten aufgefallen, berichtet die 'Luzerner Zeitung' (Paywall). "Invenda.­Vending.­Facial­RecognitionApp.exe" hiess es auf dem Bildschirm des Automaten.
In den Verkaufsbroschüren habe der Student gelesen, dass die "Automaten in der Lage sind, das geschätzte Alter und Geschlecht jeder Person zu übermitteln", berichtet 'Ars Technica'. Damit habe sich sein Verdacht erhärtet, dass die Automaten Gesichtserkennung einsetzen.
Über Social Media verbreitete sich der Vorwurf, dass der Automat die Gesichter seiner Kundinnen und Kunden ausspioniert, rasant . Auf dem Uni-Campus wurden gar Forderungen laut, dass die Snackautomaten, die von Mars betrieben werden, entfernt werden sollen. Offenbar mit Erfolg, wie auf der Plattform Reddit zu lesen ist.

"Es handelt sich nicht um Gesichtserkennung"

Invenda-Gründer und -CEO Jon Brezinski weist die Vorwürfe gegenüber der 'Luzerner Zeitung' klar von sich. Die Fehlermeldung sei fehlerhaft. Es handle sich nicht um Gesichtserkennung. Der Automat könne nur schätzungsweise überprüfen, wie viele Personen davor stehen, sagt Brezinski der Zeitung.
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Diese Fehlermeldung machte den kanadischen Studenten stutzig. Foto: Squidkid47 / Reddit
Sensoren würden erkennen, wenn Personen vor dem Automaten stehen. "Die Technologie fungiert als Bewegungssensor, der Gesichter erkennt, sodass die Maschine weiss, wann sie die Benutzeroberfläche aktivieren muss", so die Stellungnahme des Anbieters gegenüber 'Ars Technica'. Darüber hinaus könne das Gerät grundlegende demografische Attribute wie Alter und Geschlecht unidentifizierbar erkennen. Diese Informationen könnten wiederum für Werbezwecke verwendet werden.
Das System halte sich strikt an die Vorgaben der DSGVO und verzichte "ausdrücklich auf die Verwaltung, Speicherung oder Verarbeitung personenbezogener Daten", heisst es gegenüber 'Ars Technica' weiter. Die Invenda-Software verfüge nicht über die Fähigkeit, "die Identität einer Person oder irgendeine andere Form von persönlichen Informationen zu erkennen", betont das Unternehmen.

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