Lawinenwarner holen sich Tipps von einer KI

15. Juni 2022, 14:26
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Foto: Krzysztof Kowalik / Unsplash

Das System hole eine faktenbasierte Zweitmeinung für die Beurteilung der Lawinengefahr ein. Menschen sollen dadurch nicht ersetzt werden.

Forschende des Lawinen­for­schungs­instituts SLF haben einer Maschine beigebracht, wie sie selbstständig die Lawinengefahr beurteilen kann. Bei einem Versuch zur automatischen Vorhersage der regionalen Lawinen­gefahr, habe der Computer in etwa gleich gut abgeschnitten wie ein erfahrener Lawinenprognostiker, so das Institut.
Der vollständig datengetriebene Ansatz, bei dem ein Computer mithilfe von künstlicher Intelligenz die Lawinengefahr einschätzt, komme seit dem vergangenen Winter zum Einsatz. Das teilte das Institut für Schnee- und Lawinen-Forschung (SLF) in Davos mit. Allerdings würden menschliche Lawinenprognostiker durch das System nicht automatisch überflüssig. Vielmehr würden die Resultate, die der Computer errechne, als Zweitmeinung angesehen werden, so das SLF.
Normalerweise schätzen 3 Lawinenwarnerinnen oder -warner unabhängig voneinander und beruhend auf den aktuellen Daten, die Gefahrensituation ein. Statt nun direkt aus diesen Einschätzungen das Lawinenbulletin für den nächsten Tag zu erstellen, wird neu auch die Meinung der Maschine zum Entscheid hinzugezogen.
"Der Computer wertet die Daten anders aus als wir Menschen. Daher kommt er manchmal auch zu einem etwas anderen Ergebnis", liess sich Lawinenwarner Frank Techel in der Mitteilung zitieren. Dann werde die konsolidierte Einschätzung der Expertinnen und Experten nochmals kritisch überprüft – und bei Bedarf angepasst.

Noch nicht für Schneelawinen

Techel ist Mitautor der Studie im Fachblatt 'Natural Hazards and Earth System Sciences', in der das Team rund um SLF-Forscherin Cristina Pérez-Guillén den datengetriebenen Ansatz vorstellte. Demnach trainierten die Forschenden das Modell mit einem grossen meteorologischen Datensatz von mehr als 20 Jahren. Der Computer brachte sich dabei selbst bei, Zusammenhänge zwischen den Wetterdaten und den dazugehörigen – von Menschen prognostizierten – Warnstufen zu erkennen.
Die Genauigkeit der Modelle lag gemäss den Forschenden bei rund 75%. Das entspreche inetwa der Treffsicherheit von professionellen Lawinen­pro­gnos­tikern. Dem SLF zufolge eignet sich das Modell derzeit aber nur für trockene Lawinen. Modelle für Nassschneelawinen und für die Stabilität der Schnee­decke lägen aber bereits vor und sollen im kommenden Winter getestet werden.

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