Luzern fehlt noch viel Personal für die Umsetzung seiner Digitalstrategie

8. Juli 2022, 15:28
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Foto: Simon Infanger / Unsplash

In der Stadt gab es Kritik an der Digitalstrategie und an einem Serviceportal. Interims-CDO Urs Truttmann gewährt Einblicke und sagt, wo es hakt.

Luzern hat grosse Ambitionen: In Sachen Digitalisierung und Smart City will die Stadt am Vierwaldstättersee wegweisend werden. Dies hatte die Regierung bereits 2019 in einer Gemeindestrategie beschlossen. Der Grosse Stadtrat bewilligte dafür Kredite von insgesamt 28 Millionen Franken. Vorgesehen ist nun unter anderem, dass die 2020 aufgebaute Dienstabteilung Digital stark erweitert wird.
Noch fehlt dort aber über ein Drittel des Personals. Die Abteilung soll auf 1260 Stellenprozent kommen, davon sind 430 Prozent offen. Bis Ende Jahr hofft er, die Stellen besetzen zu können, sagte der städtische Chief Digital Officer (CDO), Urs Truttmann, in einem Interview mit der 'Luzerner Zeitung'.
Auf Anfrage von inside-it.ch erklärt er, dass man den Fachkräftemangel auch in Luzern spüre. Für die attraktive Stelle "Digital Business Manager/in" habe man aber viele spannende Bewerbungen erhalten. Daneben sucht man in Luzern einen Business-Projektleiter und demnächst eine Fachperson für den Bereich Gever, die elektronische Aktenführung. Zudem soll eine Expertin für digitale Privatsphäre, die bislang 2-köpfige Fachstelle für Digitale Sicherheit und Privatsphäre stärken.

Das Thema Smart City nach dem Abgang von Stefan Metzger

Angesiedelt ist die Fachstelle in der Dienstabteilung Digital, die seit April 2022 interimistisch von Truttmann geleitet wird. Sein Vorgänger Stefan Metzger hatte nach 2 Jahren sein Amt als CDO niedergelegt. Metzger war in Sachen Smart City bewandert, hatte er doch bei Swisscom als Head Smart City gearbeitete und zuvor das entsprechende Programm bei der Post geleitet. Der Abgang habe aber keine grösseren Verzögerungen gebracht, das Know-how habe man grossteils im Unternehmen halten können, so Truttmann im Interview mit der 'Luzerner Zeitung'.
Allerdings läuft nicht alles rund: Stadtparlamentarier kritisierten die Digitalstrategie, vor allem sei zu wenig ersichtlich, wie Luzern zur Smart City werden solle. "Anpassungen sind wahrscheinlich", sagte Truttmann zur 'Luzerner Zeitung', blieb aber vage: Man müsse den Weg zu Smart City immer wieder hinterfragen und auf veränderte Bedingungen reagieren. "Es ist gut und wichtig, dass sich der Grosse Stadtrat zu Smart-City-Themen einbringt und diese auch kritisch und konstruktiv hinterfragt", erklärte er auch gegenüber inside-it.ch lediglich.

Kritik am Serviceportal von Kanton und Gemeinden

Auch ein kantonales Serviceportal, an dem die Stadt beteiligt ist, gab zu reden. Man arbeite mit dem Kanton dafür technisch gut zusammen, sagte Truttmann. Ein gemeinsames Serviceportal von diesem und den Gemeinden soll Ende 2023 erste Services anbieten, zeigte er sich gegenüber der 'Luzerner Zeitung' (Paywall) zuversichtlich. Das Projekt war in die Kritik geraten. Die Vorwürfe seitens mehrerer Gemeinden: Ein Interessenskonflikt eines kommunalen Beauftragten und schlechte Projektführung. Die Roadmap sei ambitioniert, sagt auch Truttmann, aber man setze sich in der Stadt dafür ein, dass das Serviceportal Ende 2023 aufgeschaltet werde.
Derzeit arbeitet das Team auch an einem "digitalen Briefkasten", über den ab Ende Jahr Einwohner von Luzern Schäden an öffentlicher Infrastruktur melden können. Verwaltungsintern wurde laut Truttmann zudem ein Projekt für eine digitale Unterschrift lanciert. Zwar seien die meisten Dokumente digital vorhanden und in den Fachanwendungen hinterlege, aber sie müssten noch ausgedruckt und müssen in verschiedenen Abteilungen von Hand unterschrieben und wieder weitergeleitet werden.

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