Microsoft setzt seine Cloud-Hardware viel länger ein

2. August 2022, 14:27
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Foto: Swico

Der Softwareriese will seine Cloud-Server und Netzwerkkomponenten 6 statt nur 4 Jahre lang verwenden. Damit spart Microsoft Milliarden.

Microsofts Finanzchefin Amy Hood hat in Gesprächen mit Investoren in der vergangenen Woche erklärt, dass Microsoft seine Cloud-Hardware in Zukunft deutlich länger verwenden will, bevor sie beim alten Eisen landen. Sowohl für Server als auch für Netzwerkkomponenten wurde die vorgesehene Lebenszeit von 4 auf 6 Jahre verlängert. Damit spart das Unternehmen gemäss Hood 3,7 Milliarden Dollar im laufenden Finanzjahr. Die wegfallenden Investitionen für Hardwareerneuerungen sollen stattdessen in die laufende Erweiterung der Cloud-Infrastruktur gesetzt werden. Laut dem Marktforschungsunternehmen Canalys plant Microsoft die Eröffnung von 10 neuen Cloud-Regionen in den nächsten 12 Monaten.
Die Idee, Investitionen für Erneuerungen einzusparen, indem man Hardware länger benützt, dürfte auch andere grosse Abnehmer von Rechenzentrums-Hardware interessieren. Laut Hood kann sich Microsoft die längere Verwendung leisten aufgrund von Verbesserungen der Software und auch einer gesteigerten Effizienz beim Betrieb der Hardware. Auch die Hyperscaler Google und AWS verwenden ihre Hardware länger als früher, auch wenn sie noch nicht so weit gehen wie Microsoft. Google hat im Februar 2022 angekündigt, dass die Einsatzzeit von 3 auf 4 Jahren verlängert wird. AWS benützt Server ebenfalls seit Anfang Jahr 5 Jahre und Netzwerk-Komponenten 6 Jahre lang –beides ist ein Jahr länger als zuvor.

Kommen Preisreduktionen bei Kunden an?

Interessant könnte es sein, wie Cloud-Kunden auf diese Tendenz reagieren, insbesondere Grosskunden, die auch Druck auf ihre Cloud-Dienstleister ausüben könnten. Schliesslich laufen ihre Anwendungen damit potenziell auf nicht mehr wirklich taufrischer Hardware. Hardware-Hersteller bringen typischerweise in 6 Jahren rund 3 neue CPU- und Servergenerationen auf den Markt. Canalys findet, dass Kunden bei ihren nächsten Verhandlungen von Cloud-Verträgen verlangen sollten, dass ein Teil der Einsparungen durch Preisreduktionen an sie weitergegeben werden sollten.

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