Nach 157 Jahren und wegen einer Cyberattacke: US-College muss schliessen

11. Mai 2022, 14:12
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Foto: Mark Gordon / Lincoln College

Im Dezember war das Lincoln College gehackt worden. Das hat dem traditionsreichen Institut das Genick gebrochen.

1865 wurde das Lincoln College im US-Bundesstaat Illinois gegründet. 50 Dozenten unterrichten am privaten Institut rund 800 Studierende. Damit ist jetzt Schluss. Man habe das Department of Higher Education informiert, dass per 13. Mai und mit Ende des Frühlingssemesters die Türen endgültig geschlossen würden. Nach 157 Jahren.
"Das Lincoln College hat viele schwierige und herausfordernde Zeiten überstanden – die Wirtschaftskrise von 1887, einen grossen Campusbrand im Jahr 1912, die Spanische Grippe von 1918, die Weltwirtschaftskrise, den Zweiten Weltkrieg, die globale Finanzkrise von 2008 und mehr", heisst es auf der Website. Und noch im Herbst 2019 habe man einen Rekord an Einschreibungen von Studierenden verzeichnet. Dann habe sich die Pandemie "dramatisch" auf Rekrutierungs- und Fundraising-Bemühungen ausgewirkt.
Die Folgen der Pandemie hätte das College wohl noch überstanden. Doch im Dezember 2021 wurde die Bildungsinstitution mit Ransomware attackiert. Daten sind laut Lincoln College nicht entwendet worden, aber man habe drei Monate lang mit den Auswirkungen zu kämpfen gehabt. "Alle Systeme, die für die Rekrutierung und Mittelbeschaffung erforderlich waren, funktionierten nicht."
Schliesslich wurde ein Lösegeld bezahlt, "weniger als 100'000 Dollar", sagte College-Präsident David Gerlach der 'Chicago Tribune'. Aber als im März die Zugänge zu den Diensten und Daten wiederhergestellt waren, habe man erhebliche Mängel beim Einschreibeprozess festgestellt. Eine genaue Prognose zu Studentenzahlen sei deshalb unmöglich gewesen, doch eine solche benötige man, um Spenden zu sammeln.
50 Millionen Dollar hätte das College gebraucht, um zu überleben. Diese Summe kam nicht zustande. "Das Lincoln College diente seit mehr als 157 Jahren Studenten aus der ganzen Welt", sagte David Gerlach in einer Erklärung. "Der Verlust an Geschichte, Karrieren und einer Gemeinschaft von Studenten und Alumni ist immens."

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