Neuenburger Parlament stellt Laptops an Schulen in Frage

8. September 2022, 10:57
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Foto: Dean Pugh / Unsplash

Eigentlich war vor zwei Jahren ein Millionenkredit für die Schuldigitalisierung bewilligt worden. Doch jetzt soll die Regierung Hardware-Beschaffungen "auch energiepolitisch" überdenken.

Im Sommer 2020 stimmte der Grosse Rat des Kantons Neuenburg einem 25-Millionen-Kredit für die Digitalisierung an den Schulen zu. Der Kanton müsse diesbezüglich seinen Rückstand aufholen, hiess es damals. Mit dem Kredit sollte unter anderem der Stundenplan mit Informatik-Themen angepasst und Lehrpersonen digital ausgebildet werden.
10 Millionen waren für Hardware vorgesehen: Computer, Wi-Fi-Hotspots und Netzwerkinfrastrukturen. Nicht jede Schülerin und jeder Schüler sollte mit einem persönlichen Gerät ausgerüstet werden, aber Lehrpersonen sollten eigene Laptops erhalten.

"Eine umwelt- und energiepolitische Absurdität"

Dieser Punkt gab jetzt, zwei Jahre später, im Parlament erneut zu reden. Die Fraktion der VertPOP hatte eine Empfehlung an den Staatsrat eingereicht. Darin wird dieser aufgefordert, seine Strategie zur digitalen Bildung zu überdenken. Er solle "in der Sekundarstufe 2 den Lehrkräften die Wahl lassen, ob sie die Schülerinnen und Schüler mit einem Laptop ausstatten wollen oder nicht". Ausserdem sollten Lehrpersonen wählen können, ob sie einen eigenen Laptop erhalten wollten oder nicht. Weiter sollten die festen PC-Arbeitsplätze in den Klassen bestehen bleiben.
Der Staatsrat und seine Dienststellen hätten kürzlich angekündigt, dass alle Lehrkräfte der Sekundarstufe 2 über kurz oder lang einen Laptop erhalten werden. "Auch wenn dies von den Dienststellen leider nicht berechnet wurde, können wir uns nur allzu gut vorstellen, wie viel mehr Energie diese Massnahme kosten wird", schreibt die Fraktion. Das sei "eine umwelt- und energiepolitische Absurdität", hiess es in der Ratsdebatte. Auch das "Verteilen von Computern an Personen, die keinen Computer wollen", sei eine Verschwendung von Ressourcen.

Per Stichentscheid wird die Empfehlung überwiesen

Wie 'Arcinfo' (Paywall) aus der Parlamentssitzung berichtet, betonte die zuständige Staatsrätin Crystel Graf vom Departement für Bildung, Digitalisierung und Sport, dass Laptops nur halb so viel Energie verbrauchen würden wie stationäre PCs, und versicherte, dass keine funktionstüchtigen Computer entsorgt würden. Lehrpersonen könnten auch in Zukunft ihren privaten Laptop benutzen falls gewünscht, würden aus Sicherheitsgründen dann aber keinen Zugriff auf interne Dateien haben.
"Ich hätte nicht gedacht, dass ich eines Tages vor der Linken eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen und Lehrer verteidigen müsste", sagte die FDP-Staatsrätin laut 'Arcinfo'. Doch ihre Argumente nützten nichts. "Computer haben nichts mit den Arbeitsbedingungen zu tun", hiess es von Seiten VertPOP. Nach einem Patt von 49 gegen 49 Stimmen überwies der Grosse Rat per Stichentscheid der Ratspräsidentin die Empfehlung an die Regierung.

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