Noch fliesst viel Geld in Schweizer IT-Startups

14. Juli 2022, 15:05
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1,38 Milliarden Franken wurden in Zürich in Startups investiert. Foto: Andreas Fischinger / Unsplash

In der ersten Jahreshälfte wurden 2,59 Milliarden in Jungunternehmen investiert, darunter viele aus dem ICT- und Fintech-Bereich. Die Party könnte aber schon bald vorbei sein.

Finanzkräftige Anleger haben im ersten Halbjahr 2022 Rekord­summen in Schweizer Startups investiert. Insgesamt sind hier­zu­lande 2,59 Milliarden Franken als Risikokapital in Jungunternehmen geflossen, wie 'Startupticker.ch' und die Investorenvereinigung SECA mitteilen. Der Rekord sei, verglichen mit dem bereits guten Vorjahr, noch einmal um fast 50% gesteigert worden.
Die gute Entwicklung in der Gründerfinanzierung sei auch anhand der Anzahl der durchgeführten Finanzierungsrunden abzulesen: Sie kletterte im ersten Halbjahr um 30% auf 163. Dabei habe es bislang in diesem Jahr besonders viele grosse Finanzierungsrunden gegeben, erklärte Stefan Kyora von 'Startupticker.ch' an einer Präsentation.

Grosser Climeworks-Deal

Mit Abstand am meisten Geld floss mit 600 Millionen Franken an das Clean­tech-Unternehmen Climeworks. Die Firma mit Wurzeln an der ETH Zürich bietet Dienstleistungen zur Filterung von CO2 aus der Umgebungsluft an. Auf grosses Interesse stiessen auch das Genfer Software-Unternehmen Sonar­source (395 Mio) und die Zürcher IT-Firma Scandit (139 Mio).
Total haben 13 Startups jeweils mehr als 50 Millionen Franken eingesammelt. Die meisten der 163 Deals sind in den Bereichen ICT und Fintech anzusiedeln, während Biotech an Boden verlor.

Trend lässt nach

Die Startup-Finanzierungen sind über die Jahre stark gewachsen. Zum Ver­gleich: Im ersten Halbjahr 2018 war in 82 Finanzierungsrunden insgesamt Risikokapital im Umfang von 456 Millionen Franken in Jungfirmen investiert worden. Doch nun seien Anzeichen einer Abschwächung am Startup-Markt auszumachen, sagte Thomas Heimann von SECA.
Gründe dafür seien das schwächer werdende Finanzmarktumfeld. Dabei drücken nebst Zins- und Rezessionsängsten sowie sinkenden Aktien­be­wer­tungen insbesondere auch das schlechtere Umfeld für Börsengänge auf die Finanzierungen von Startups.
Die meisten Startups gehen jedoch nicht an die Börse, sondern werden übernommen. Im laufenden Jahr gingen 29 Firmenverkäufe über die Bühne nach 24 im ersten Halbjahr 2021. 23 Käufer kamen den Angaben nach aus dem Ausland, fast die Hälfte davon aus den USA.
Geldgeber werden zurückhaltender
Die gedämpfte Stimmung in der Startup-Szene zeigt sich auch in einer vom SECA durchgeführten Umfrage unter 80 Schweizer Risikokapitalinvestoren. Die Mehrheit erwartet einen Rückgang beim gesamten investierten Kapital von bis zu 25% und mit einer Abnahme bei Übernahmen und Börsengängen.
Schweizer Investoren verfügten aber nach wie vor über genügend Mittel für weitere Investitionen, so SECA-Mann Heimann. Zwei Drittel der befragten Investoren wollen in den kommenden 3 Jahren mindestens 20 Millionen Franken in Startups investieren, ein Drittel sogar mehr als 50 Millionen.
Im europäischen Vergleich könnte die Schweiz verlorenes Terrain zurück­gewinnen, glaubt Kyora vom 'Startupticker.ch'. Während Grossbritannien unangefochten an der Spitze und Deutschland sowie Frankreich auf dem Podest stehen, habe die Schweiz die Niederlande und Spanien wieder überholt und werde bis zum Jahresende den Rückstand auf das viertplatzierte Schweden verkleinern.

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