NR-Kommission will Frauen in der Digi­talisierung stärker berücksichtigt sehen

5. Juli 2022, 10:09
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Der Frauenanteil im MINT-Bereich liegt in der Schweiz deutlich unter dem Schnitt. Foto: UZH

Frauen sind in MINT-Bereichen unterrepräsentiert – mit Folgen für Arbeitsmarkt und Gesellschaft. Die Kommission für Wissenschaft und Bildung geht das Thema mit 2 Vorstössen an.

Schweizer Firmen haben Mühe, ausreichend Fachkräfte im MINT-Bereich zu rekrutieren, schreibt die Kommissionen für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats (WBK-N). Gleichzeitig sind Frauen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik unterrepräsentiert.
Die fehlende Repräsentation von Frauen in technischen Bereichen könnte zu neuen Ungleichheiten führen, schreibt die Kommission. Ausserdem bleibe ein grosser Talentpool ungenutzt. ICT-Berufsbildung Schweiz geht davon aus, dass in der Informatik im Jahr 2028 rund 35'800 Fachleute fehlen werden.
Mit zwei Vorstössen will sich die WBK-N diesen Problemen annehmen und den Frauenanteil im MINT-Bereich vergrössern.
In einem Postulat verlangt die Kommission, dass der Bundesrat einen Bericht erarbeitet. Dieser soll insbesondere die bisherigen Massnahmen analysieren und darlegen, ob diese wirken. Gleichzeitig soll eine Strategie präsentiert werden, um den Anteil von Frauen in MINT-Berufen zu stärken.

Schweiz ist weit abgeschlagen

Obwohl der Bundesrat bereits im Jahr 2010 die Bedeutung von Massnahmen an den Universitäten betonte, sind wenig Veränderungen zu sehen. Laut einer Analyse der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) stieg der Frauenanteil bei den Eintritten in ein MINT-Studium lediglich von 28% im Jahr 2010 auf 31% im Jahr 2019. Mit dieser Wachstumsrate, so das KOF, werde es bis ins Jahr 2074 dauern, um das Geschlechterverhältnis bei den Abschlüssen auszugleichen.
Im internationalen Vergleich weist die Schweiz bei MINT-Studienabschlüssen einen der tiefsten Frauenanteile auf, nur Chile liegt gemäss OECD-Zahlen noch weiter hinten. Im Jahr 2017 betrug der Anteil der Frauen bei MINT-Studienabschlüssen laut den KOF-Zahlen bei 22%. Bei unseren Nachbarn Deutschland (26%) und Österreich (28%) liegt er leicht höher, Polen erreicht fast 50%.

Geschlechterperspektive bei der Digitalisierung

Im Informatikbereich beträgt der Frauenanteil in der Schweiz gerade einmal 15%. Digitale Produkte, so die WBK-N, würden somit in erster Linie von und für Männer entworfen. Laut dem Internationalen Währungsfonds (IMF) und dem World Economic Forum (WEF) wird dies dazu führen, dass Frauen stärker als Männer von dem aufgrund der Digitalisierung der Wirtschaft zu erwartenden Stellenabbau betroffen sein werden.
Mit einem zweiten Vorstoss will die WBK-N den Bundesrat deshalb beauftragen, die Geschlechterperspektive in seine nächste Digitalisierungsstrategie zu integrieren.
Die Strategie "Digitale Schweiz" wird Ende 2022 aktualisiert. Mit 18 zu 7 Stimmen hat die Kommission beschlossen, den Bundesrat in einem Schreiben aufzufordern, rasch ein spezifisches Schwerpunktthema aufzunehmen, das darauf abzielt, das Potenzial der Beteiligung von Frauen am digitalen Wandel zu nutzen.
Fehlende Richtlinien könnten dazu führen, dass neue Ungleichheiten nicht ausgeglichen werden oder in unserer Gesellschaft neue entstehen, begründet die Kommission ihre Motion. Indem die Geschlechterperspektive in der Digitalisierungsstrategie berücksichtigt werde, solle das Problem der Benachteiligungen im digitalen Bereich, von der die Frauen derzeit betroffen sind, an der Wurzel angepackt werden.

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