Pendel schlägt zurück – jetzt drohen Chip-Überkapazitäten

13. Mai 2022, 15:14
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Brian Kostiuk / Unsplash

Noch herrschen Lieferschwierigkeiten. Die Auguren der IT-Industrie melden aber, dass sich die aktuelle Chip-Knappheit schon 2023 in Überkapazitäten verwandeln könnte.

Ein Analyst vom IT-Marktforscher Gartner prognostiziert bereits fürs nächste Jahr Überkapazitäten in der Chipbranche. Alan Priestley sagte der 'DPA', es gebe Anzeichen dafür, dass der Umschlag in Überkapazitäten schneller als gedacht passiere. Ausgelöst worden sei dieser Wandel durch den Produktionsausbau in der Corona-Krise. "Deshalb werden wir wahrscheinlich 2023 oder 2024 Überkapazitäten haben", so Priestley.
Man reibt sich angesichts dieser Prognose etwas verwundert die Augen. Gerade noch hat man bei Intel von anhaltendem Mangel gesprochen. Und über viele Monate haben wir immer wieder berichtet von der "schlimmste Chip-Versorgungskrise aller Zeiten", von "kriegsähnliche Anstrengungen im Chip-Rennen" war die Rede, von Milliarden-schweren Konjunkturprogrammen und Unterstützungs-Fonds und anhaltend hohen Preisen. Dass der Chip-Mangel in der Gesamtwirtschaft zu Lieferproblemen nicht nur bei Computern, sondern auch bei Autos, Hausgeräten und anderer Elektronik geführt hat, ist längst Thema in der Tagespresse geworden.
Doch nun soll aus dem Alarmismus des Mangels in schon gut einem Jahr die drohende Überkapazität entstehen? Das jedenfalls meint der Gartner-Mann und erklärt das mit den zuletzt erfolgten Investitionen in den gross angelegten Ausbau der Produktion. Die würden 2023 oder 2024 Überkapazitäten verursachen. Allerdings werde auch dieses Überangebot mit der Zeit wieder von der steigenden Nachfrage aufgezehrt. Dieses Wechselspiel sei typisch für die Chipindustrie, betonte der Analyst: "Sobald Nachfrage und Angebot im Gleichgewicht sind, wird investiert, um Kapazitäten für den nächsten Nachfrageschub zu haben."
Dass die aktuelle Chip-Krise so heftig ausgefallen ist, sei den zu geringen früheren Investitionen geschuldet gewesen. Wobei gleichzeitig die Nachfrage mit dem Umbau der Arbeitswelten in der Corona-Zeit sprunghaft angestiegen sei. Ausserdem bedürfe es beim Auf- und Ausbau der Chip-Produktion einer besonders vorausschauenden Planung. Sei doch der Kapazitätsausbau unter anderem deswegen riskant, weil die Produktionslinien nicht flexibel seien. "Wenn ich eine Fabrik für Chips mit sieben Nanometern Strukturbreite baue, kann sie nicht ohne grossen Aufwand auf fünf Nanometer umstellen", heisst es bei Gartner.

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