10?! Harald "Hary" Rotter, CIO

24. Januar 2022, 14:16
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Der CIO der Universität St. Gallen (HSG) über den "CIO der Zukunft", Avatare in Meetings und Hypes, für die die Zeit noch nicht reif war.

1. Welcher war Ihr erster Computer und woran erinnern Sie sich speziell?Ich meine, es war ein Pentium 286 mit MS-DOS/Windows 3.11, zweistelliger MHz-Taktfrequenz und einer Festplatte mit sagenhaften 40 MB Speicherplatz. Zudem hatte ich einen megalauten A3-Nadeldrucker mit Endloseinzug. Auf dem C64 eines Freundes zockten wir Sommer- und Wintergames. Ich erinnere mich noch an die damit verbundenen kaputten Joysticks.
2. Gibt es einen Informatikberuf, den Sie nicht mehr ausüben möchten und warum?Nein, den gibt es nicht. Alle meine Tätigkeiten in den Bereichen Servicedesk, Netzwerk oder Infrastruktur haben mir zum jeweiligen Zeitpunkt sehr viel Freude bereitet. Ich gebe jedoch zu, dass ich heute in der glücklichen Lage bin, nicht mehr alle technischen Modifikationen neu erlernen zu müssen, sondern weiss, dass sich unsere Technikerinnen und Techniker dieser Herausforderung täglich aufs Neue stellen.
3. Wie wird sich das Jobprofil eines CIO in den nächsten Jahren verändern?Es gibt heute immer noch zu viele Unternehmen, die IT als Kostenblock, statt als kritische Unternehmensinfrastruktur sehen. In diesem Umfeld wird sich die Rolle erst weiterentwickeln, wenn sich das vorherrschende Mindset verändert. Andererseits werden sich viele CIOs aber auch aus ihrer oftmals zu technischen Sichtweise herausbewegen müssen. Zudem ist Kunden- und Businesszentrierung oftmals noch ausbaufähig. Ich für meinen Teil bin überzeugt, dass sich das Jobprofil in Zukunft viel mehr mit Themen wie Cybersecurity, Datenschutz und "Post Covid Themen" wird befassen müssen. Ebenfalls glaube ich, dass künftig die Rollen des CIOs und CDOs von ein und derselben Person ausgefüllt werden – mit Zugriff auf die jeweiligen Teams. Ansonsten wird es immer eine "Zweiklasseninformatik" geben: Den coolen Digitalbereich und die klassische IT, die "nur" den Betrieb sicherstellt.
4. Was raten Sie jungen Informatikerinnen und Informatikern, die Karriere machen wollen?Neugierig bleiben, gewillt sein, kontinuierlich zu lernen und verstehen, dass der Informatikberuf nur sehr wenig mit dem Gaming zu Hause zu tun hat. Aber klar ist auch: Nicht alle wollen Karriere machen, und nicht alle können Karriere machen.
5. Was lernten Sie erst in Ihrer jetzigen Rolle über Technologie und nicht vorher?Der Zugang zu Herstellerinformationen ist bei grossen Unternehmen auf Stufe CIO viel einfacher. Sogenannte "C-Level"-Formate, speziell auf die Führungsebene zugeschnittene Events oder Roundtables, machen es einem sehr viel einfacher, den benötigten Ressourcenzugang zielgruppengerecht aufbereitet zu bekommen.
6. Welche IT-Produkte oder -Dienstleistungen von früher vermissen Sie heute?Ich bin nicht allzu nostalgisch und deshalb fällt mir nichts ein, dass ich vermisse.
7. Wird es im Laufe der Karriere einfacher oder schwieriger, sich für Technologie-Versprechen zu begeistern?Es ist im Laufe der Jahre zwar schwieriger geworden, mit der Entwicklungsgeschwindigkeit mitzuhalten. Aber wenn ich mich als CIO nicht mehr für die Technologie, oder in einem früheren Stadium, für die Technologie-Versprechen begeistern kann, dann wäre ich am falschen Platz. Die Technikbegeisterung ist zwingend für den Job.
8. Welche Technologie wird in den nächsten 5 Jahren Ihrer Meinung nach den grössten Einfluss auf das Bildungswesen und die Pädagogik haben? Und warum?Möglicherweise werden wir uns mit virtuellen Realitäten und Avataren für Online- bzw. Hybridsitzungen beschäftigen. Aber ich erwarte eher eine kontinuierliche technologische Weiterentwicklung, denn eine grosse Revolution. 10 Jahre und mehr in die Zukunft geblickt, könnte das Thema Quantencomputing der nächste grosse Meilenstein sein. Ich spreche dabei nicht von vorhandenen Ansätzen, sondern von der kommerziellen Massennutzung.
9. Gibt es eine Entwicklung in der IT, die Sie für total überschätzt halten?Ich dachte oft, dass es sich bei bestimmten Entwicklungen nur um einen überschätzten Hype handle, aber rückblickend gesehen war damals die Zeit einfach noch nicht reif. Deshalb halte ich mich hier mit einer Aussage zurück.
10. Was haben Sie persönlich aus der Corona-Krise gelernt? Demut und Dankbarkeit. Und wir haben gelernt, zwar "von überall" arbeiten zu können, dies klappt aber ohne zwischenmenschliche Kontakte nicht immer und vor allem nicht dauerhaft. Themen, die früher nebenbei beim Kaffee besprochen worden sind, bedürfen in dieser Zeit einen enormen Aufwand, und oftmals mit schlechterem Ergebnis. Aus technologischer Sicht hat mich die Krise in meiner Strategie als Befürworter einer "Cloud first"-Strategie bestätigt

Zur Person

Harald "Hary" Rotter ist gebürtiger Österreicher. Der gelernte Schreiner zog im Jahr 2000 in die Schweiz, worauf erste Schritte in der Informatik folgten. Tätigkeiten im Service-Desk- und Netzwerk-Bereich als Infrastrukturadministrator sowie verschiedene Führungspositionen führten ihn zur aktuellen Stelle als CIO der Universität St. Gallen (HSG). Der Manager verfügt über einen MAS in Business Information Management und absolviert aktuell ein eMBA-Programm am IIMT der Universität Fribourg.

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