25 Jahre Nokia Communicator: Der klobige Auftakt der Smartphone-Ära

16. August 2021, 10:14
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400 Gramm schwer, über 2000 Franken teuer und damals trotzdem ein Objekt der Begierde.

Bei frühen Smartphones vor der Touchscreen-Ära denkt man meist an die populären Blackberry-Telefone oder die Treos von Palm. Doch schon Jahre zuvor war Nokia mit einem Aufklapp-Handy mit Tastatur erfolgreich. Der Communicator war damals das Ding, das ein Manager unbedingt haben musste, um seine Wichtigkeit zu zeigen. Das erste Modell 9000 Communicator feiert in diesen Tagen seinen 25. Geburtstag.
"Das Büro in der Westentasche" versprach Nokia vor 25 Jahren zum Marktstart eines Handys, das als Urahn heutiger Smartphones durchgehen kann. Es sollte besser eine voluminöse Westentasche sein: Das Modell Nokia 9000 Communicator war fast vier Zentimeter dick und wog knapp 400 Gramm.
Das Telefon war allerdings auch etwas besonderes: Wie einen Mini-Laptop konnte man es aufklappen, so dass eine Tastatur und ein Schwarz-Weiss-Display mit einer Diagonale von 4,5 Zoll (11,5 cm) zum Vorschein kamen.
Das Nokia 9000 wurde auf der Computermesse CeBIT 1996 in Hannover vorgestellt und kam am 15. August 1996 auf den Markt. Das Gerät gab für ein Jahrzehnt die Vorstellung vor, wie ein Smartphone auszusehen hat: Es hat Knöpfe. Viele Knöpfe. Es sind eben kleine Computer für unterwegs.

iPhone lässt Tastenhandys alt aussehen

Nach dem Communicator verbesserten die Blackberry-Telefone mit ihren Tastaturen in einem wesentlich kleineren und leichteren Format die Idee zur Perfektion ‒ bis Apples iPhone mit seinem Multitouch-Bildschirm 2007 dieses Konzept über den Haufen warf und den Grundstein für heutige Smartphones legte. Die übrigens tatsächlich als Büros in der Westentasche fungieren können ‒ was sich besonders in der Corona-Pandemie zeigte.
In den 1990er-Jahren konnte man von den Fähigkeiten heutiger Smartphones nur träumen ‒ wie etwa Microsoft 1994 in dem visionären Video "Information at your fingertips", in dem Taschen-Geräte mit grossem Display gezeigt wurden, die mit dem Internet verbunden waren.
In dem Video, das Bill Gates in seiner Keynote auf der inzwischen längst eingegangenen Computermesse Comdex in Las Vegas vorführte, wurde das Smartphone auch schon benutzt, um einen Kaffee kontaktlos ohne Bargeld zu bezahlen.

Ideen mit damaliger Technik nicht umsetzbar

Es war zugleich eine Zeit des Aufbruchs, in der viele versuchten, zumindest einen Teil der Ideen mit der damaligen Technologie zu verwirklichen. Je kühner die Visionen, desto schmerzhafter waren zum Teil die Rückschläge.
Der Apple-Konzern landete einen Flop mit dem "Handheld" Newton. Das Besondere an dem Gerät war, dass es mit Eingabestift und grossem Display die Handschrift erkennen sollte ‒ die Software scheiterte jedoch gerade daran.
Das Start-up General Magic versuchte jahrelang, ein Touchscreen-Gerät auf die Beine zu bekommen, das konzeptuell viele Funktionen späterer Smartphones voraus ahnte, am Ende aber zu ambitioniert für den Stand der Technik war.

Bodenständigkeit als Stärke

Die Stärke von Nokias Ansatz mit dem Communicator war die Bodenständigkeit. Das Gerät versprach keine revolutionären Innovationen, bot aber tatsächlich die Möglichkeit, einige Büroaufgaben unterwegs zu erledigen. So konnte man Faxe und E-Mails senden und empfangen. Auch bot das Gerät Zugang zu Adressbuch und Terminkalender. Das grosse Hindernis allerdings für eine weitere Verbreitung war der nicht gerade bodenständige Preis: Der Preis lag damals bei über 2000 Franken ohne Abo.
Zusammengeklappt sah der 9000 Communicator wie ein herkömmliches einfaches Handy mit Wähltasten und kleinem Bildschirm aus ‒ nur eben noch etwas klobiger. Das innere Display hatte eine Auflösung von 640 mal 200 Pixeln. Das klingt nach heutigen Massstäben wie ein Witz, aber damals waren auch bei grossen Computermonitoren 640 mal 480 Pixel Standard.
Wer noch einen Nokia Communicator 9000 in der Schublade liegen hat, sollte das Gerät bei der nächsten Aufräumaktion nicht im Sondermüll entsorgen. Auf eBay und anderen Plattformen sind die ersten Smartphones noch immer gefragt und erzielen Verkaufspreise von über 500 Franken.

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