270 Millionen Franken für die Digitalisierung der Bundesverwaltung

24. Januar 2008, 13:58
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Durchgehend digitale Archivierung im Bundesarchiv ab Ende 2008. Bis Ende 2010 sollen Bundesrat und Parlament elektronisch arbeiten, bis Ende 2011 auch Bundesämter und Departemente.

Durchgehend digitale Archivierung im Bundesarchiv ab Ende 2008. Bis Ende 2010 sollen Bundesrat und Parlament elektronisch arbeiten, bis Ende 2011 auch Bundesämter und Departemente.
Der Bundesrat stellt sich und die gesamte Bundesverwaltung vor eine wahrhaft herkulische Aufgabe. Bis 2011 soll die gesamte Bundesverwaltung durchgehend die elektronische Geschäftsverwaltung (GEVER) einführen. Dies geht aus einem umfangreichen Aktionsplan hervor, den der Bundesrat gestern verabschiedete.
Dazu braucht es natürlich auch eine durchgehende digitale Archivierung aller Akten und Geschäftsvorgänge. Bis Ende Jahr soll deshalb das Bundesarchiv "die technischen und betrieblichen Voraussetzungen für die digitale Archivierung" schaffen. Ab 2009 sollen Bundesämter und Departemente ihre Dossiers beim Bundesarchiv digital ablegen (und wieder finden) können. Ab 2012 dann, wird sich das Bundesarchiv fast vollständig vom Papier verabschieden. Es werden nur noch jene Papierdokumente aufbewahrt, bei denen die digitale Signatur aus rechtlichen Gründen nicht ausreicht. "Auf eine papierbasierte Archivierung von Unterlagen mit Entstehungsdatum nach dem 31. Dezember 2011 soll aus Kosten- und Konsistenzgründen verzichtet werden," heisst es klipp und klar im Aktionsplan.
Die Kosten: 270 Millionen Franken
Die Digitalisierung der Bundesverwaltung und der Archive und die durchgehende Einführung von elektronischen Geschäftsprozessen (GEVER) ist ein riesiges, komplexes Unterfangen. Entsprechend hoch sind die Kosten, vor allem wenn interne Kosten für Weiterbildung und Prozessdefinitionen mitgerechnet werden. Im Aktionsplan des Bundesrat werden die Kosten für die Neueinführung von GEVER auf 6000 bis 9000 Franken pro Mitarbeitenden geschätzt.
Wir erlauben uns eine Milchmädchenrechnung: Der Bund hat gemäss eidgenössischem Personalamt ungefähr 36'000 Angestellte. Bei Kosten von 7'500 Franken pro Angestellten ergeben sich alleine für die Einführung von GEVER 270 Millionen Franken. Natürlich ist diese Zahl falsch, denn einige Bundesämter haben ja bereits die elektronische Geschäftsverwaltung eingeführt, bei anderen Arbeitsplätzen vor allem im VBS dürften die Kosten tiefer sein. Andererseits wissen wir nichts über die Kosten, die beim Bau der digitalen Archive im Bundesarchiv anfallen.
Alles auf dem Web
Während die Bundesverwaltung, zumindest jene Teile, die bis jetzt ohne GEVER arbeiten, vor einer riesigen Aufgabe stehen, kommen auf wissensdurstige BürgerInnen goldene Zeiten zu. Alle elektronischen Dokumente, die nicht geheim sind oder einzelne Personen betreffen, werden nämlich gemäss BGÖ (Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip) auf dem Internet frei zugänglich. Doch wird man auch finden, was man sucht? Längerfristig möchte der Bundesrat zwar ein "zentrales Register der amtlichen Dokumente", doch eben nur "längerfristig". Vorläufig will man "eine dezentrale Lösung, welche es den Dienststellen überlässt, eine Liste ihrer zugänglichen Dokumente mittels Internet öffentlich zu machen."
Zwei GEVER-Standards
Die durchgehende "Digitalisierung" der Bundesverwaltung wirft aber auch einige Fragen auf. Denn im Bund existieren ganz unterschiedliche Systeme, die miteinander nicht kompatibel sind. Das Bundesamt für Informatik (BIT), beispielsweise, setzt ganz auf Microsoft, während andere auf Produkte des österreichischen Herstellers Fabasoft vertrauen oder sich gar nicht mit GEVER auseinandersetzen. So heisst es im Aktionsplan: "... wird dies an anderen Stellen als rein technische Problematik behandelt ... und kommt dort nur zögerlich oder gar nicht vom Fleck."
Somit stellt sich die Frage, ob mit dem Aktionsplan die Durchsetzung eines einzigen Systems und die entsprechenden Synergieeffekte angepeilt wird. Doch dies ist nicht der Fall. Wie Manuela Höfler, die Sprecherin des Bundesarchivs, auf Anfrage sagte, hat der Bundesrat beschlossen, neben Fabasoft "ein zweites Produkt als GEVER Standard zu bestimmen." Die Spekulation, dass es sich dabei um die vom BIT bevorzugte Microsoft-Lösung handeln wird, dürfte nicht allzu gewagt sein. (Christoph Hugenschmidt)

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