50 Weine verzögern ein Walliser E-Gov-Projekt

19. Juli 2017, 12:35
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Liebhaber von Petite-Arvigne- und Heida-Weinen können beruhigt sein.

Liebhaber von Petite-Arvigne- und Heida-Weinen können beruhigt sein. Die Walliser Winzer werden auch 2017 Trauben ernten und Wein produzieren. Allerdings ohne, dass die Software E-Vendange eingesetzt würde.
Laut 'Walliser Bote' verzögert sich die Einführung der Lösung, welche die Rückverfolgbarkeit der Walliser AOC-Weine von der Rebe bis ins Glas sicherstellen soll. Und dies trotz erfolgreichen Tests mit ausgewählten Kellereien im letzten Jahr
Die verantwortliche Dienststelle für Informatik des Kantons "arbeitet derzeit daran, die Module für die flächendeckende Einführung des neuen Systems zu entwickeln", so der 'Walliser Bote'. 2018 soll es dann aber definitiv so weit sein.
Und schuld an der Einführung? Die Winzer? Die IT-Projektleiter? Fachkräftemangel? Nein, ein Change Request der Walliser Behörden.
Zum Verständnis muss man wissen, dass im Wallis die Verordnung über den Rebbau und den Wein vorschreibt, dass man nur Trauben einkellern darf, für die im Voraus eine Bescheinigung von Amtes wegen vorliegt. Diesen "Acquit" gibt es für jede Walliser Rebparzelle. Darauf soll ab 2017 die Traubensorte wie zum Beispiel "Savagnin" beim Heida, die Parzellengrösse und die Gemeinde aufgeführt werden. Alles Informationen, welche für eine kontrollierte Herkunfts-Bescheinigung – AOC – natürlich zentral sind.
Bis anhin allerdings standen nur für die Traubensorten Pinot Noir und Chasselas die Sortennamen auf dem Acquit. Für alle anderen Sorten hiess es bloss "weisse Rebsorten" und "rote Rebsorten". Und mit diesen Infos wurde E-Vendange 2016 auch getestet.
Aber ab diesem Jahr will die Regierung, dass es präzise "Johannisberg" oder "Savagnin" heissen muss, nicht "Weisse Sorten". Und von diesen Sorten gedeihen im Wallis 50 an der Zahl. Zudem gilt es offenbar den Use Case "Winzer hat zwei, drei oder mehr Sorten auf einer Parzelle gepflanzt" nun noch in Code zu giessen.
Und diese Change Requests wiederum wollen entwickelt und getestet werden, was den Release von E-Vendange um ein Jahr zurückwirft.
Hintergrund des IT-Projektauftrags: 2014 hatte die "Rundschau" über täuschende Bezeichnungen und überklebte Etiketten bei Walliser Weinen berichtet, dann kam der Vorwurf auf, renommierte Walliser Weinbetriebe hätten falsch deklarierte Sorten verschnitten. Dank E-Vendange soll dies unmöglich sein. Ab dem Jahrgang 2018. (mag)

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