5G-Befürworter gehen in die Offensive

10. Juli 2020, 11:59
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Rund um Asut hat sich eine breite Koalition formiert, die 5G in der Schweiz voranbringen will. Nun hat sie eine Plattform lanciert.

Die Einführung von 5G hatte hierzulande einen Blitzstart hingelegt. Die Schweiz war einer der ersten Staaten der Welt, in dem ein 5G-Netz in Betrieb ging. Seither ist die Technologie aber durch den Widerstand von Teilen der Bevölkerung und der Behörden stark ausgebremst worden. Die Situation ist verfahren.
Nun gehen Befürworter und Interessensvertreter der Stakeholder in die Offensive. Mit der neuen Plattform Chance5G wollen sie nach eigenen Angaben der Bevölkerung Wissen zur Verfügung stellen, um ihnen die Ängste zu nehmen.
Die Gegner von 5G schürten diese mit Falschaussagen und Fakenews, sagte Asut-Präsident Peter Grütter an einer Video-Medienkonferenz zum Start der Plattform. Asut lanciert und finanziert zusammen mit seinen Mitgliedern Chance5G. Für eine entsprechende Kampagne wurde die Kommunikations- und Lobby-Agentur Furrerhugi beauftragt, die sogenannte Botschafter für die Technologie suchen sollte. 
Hinter Chance5G stehen nun 45 Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Abgesehen von der Grünen-Fraktion finden sich aus allen Bundeshausfraktionen Politikerinnen und Politiker, die als Botschafter oder Botschafterinnen der Plattform aufgeführt werden. Zudem gehören diverse Verbände wie Swico, ICTswitzerland aber auch das Konsumentenforum, Economiesuisse und Hotelleriesuisse zur Trägerschaft.
Mit der Taktik der Gegner werde die Weiterentwicklung der Schweizer Infrastruktur ausgebremst. Diese sei aber für die Attraktivität und den wirtschaftlichen Aufschwung der Schweiz wichtig, weil sie die Basis für neue Anwendungen und Geschäftsmodelle schaffe, so Grütter. Stattdessen müsse nun auf Faktenbasis diskutiert werden.
Für die wissenschaftlichen Fakten war dann an der Pressekonferenz Rolf Vogt, Professor und Dozent für Elektrotechnik und Informationstechnologie an der Berner Fachhochschule, zuständig. Ängste entstünden oft durch Unwissen, sagte dieser. Vielen sei unbekannt, dass in zahlreichen Studien aus den vergangenen 25 Jahren keine wissenschaftlichen Belege für eine Gesundheitsgefährdung gefunden worden seien, wenn die internationalen Schutzempfehlungen berücksichtigt würden.
In der Zwischenzeit habe sich der 4G-Standard etabliert, nun stehe der nächste Schritt mit 5G an. "Die Eigenschaften von 5G, wie es in den nächsten Jahren in der Schweiz zum Einsatz kommen soll, unterscheidet sich in der Wirkung kaum von 4G", sagte Vogt. Deshalb sei der Widerstand aus seiner Sicht "etwas unverständlich".
Ganz unumstritten ist dies aber auch in Expertenkreisen nicht. So legte etwa eine Arbeitsgruppe im Auftrag des eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) im November 2019 einen Bericht vor. Darin schreibt sie, es fehle an aktuellen Studien und Forschungen an Menschen. Darum sei eine einheitliche Risikoeinschätzung derzeit kaum möglich.
Falsches Wissen müsse richtiggestellt und fehlendes bereitgestellt werden, heisst es nun von der neu formierten Koalition. Dafür soll die Plattform Chance5G dienen. Die neue Technologie helfe schliesslich nicht nur der Wirtschaft, sondern allen Menschen in der Schweiz, wirbt das Bündnis.

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