5G-Gegner starten Volksinitiative

15. Oktober 2019, 09:17
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Die Initianten wollen Handynutzung in der Wohnung verbieten und handyfreie ÖV-Abteile.

Die Initianten wollen Handynutzung in der Wohnung verbieten und handyfreie ÖV-Abteile.
Die Gegner von 5G wollen den neuen Mobilfunkstandard mit einer Volksinitiative stoppen. Die Bundeskanzlei hat den Initiativtext vorgeprüft und im Bundesblatt veröffentlicht. Damit ist der Startschuss für die Unterschriftensammlung gefallen.
Die Initiative "Für einen gesundheitsverträglichen und stromsparenden Mobilfunk" will die Erhöhung der Anlagegrenzwerte für nichtionisierende Strahlung verbieten. Dieses Verbot soll auch nicht durch neue Messverfahren umgangen werden können.
Zudem soll die Versorgung mit Mobilfunk und Internet in "draussen" und "drinnen" aufgeteilt werden. Die Leistung von Mobilfunksendern und drahtlosen lokalen Netzwerken müsste bei einer Annahme so herabgesetzt werden, dass die Strahlung die Gebäudehülle nicht durchdringen kann. Im Gebäudeinnern sollen Daten funkfrei durch Glasfaser- oder Koaxialkabel übertragen werden.
Zuhause aufs Festnetz zurückgreifen
"Diese Trennung ist der Kern unserer Initiative", sagte Ursula Niggli vom Initiativkomitee dem 'Blick'. "Das Handy würde man – mit einer massiv reduzierten Funkstrahlung – in der Regel nur noch draussen benutzen. Drinnen hingegen müsste man auf das Handy verzichten und auf das Festnetz zurückgreifen oder über den Computer telefonieren."
Private hochfrequente Strahlungsquellen sollen so reglementiert werden, dass keine Funkstrahlung in benachbarte Räume dringen kann. Nicht sichtbare Sendestationen müssten markiert und deren Daten veröffentlicht werden. Wenn Fernmeldefirmen neue Anlagen aufstellen oder die Leistung bestehender Anlagen erhöhen wollen, müssten sie die schriftliche Einwilligung der Anwohner in einem Umkreis von 400 Metern einholen.
Weiter verlangt die Initiative Sitzplätze in öffentlichen Verkehrsmitteln, an welchen die Verwendung elektronischer Geräte untersagt ist. In öffentlichen Gebäuden müssten Räume eingerichtet werden, die frei von elektromagnetischer Strahlung sind.
Schutz bei Elektronsensibilität
Den Initianten geht es unter anderem um den Schutz von Personen, die unter Elektrosensibilität leiden. Gemäss Initiative müssen diese unentgeltlich Zugang zu unabhängigen Beratungsstellen haben. Der Bund soll die Bevölkerung über die Gesundheitsgefährdung durch nichtionisierende Strahlung, mögliche Schutzvorkehrungen und die Symptome einer Elektrosensibilität aufklären müssen.
Die Sammelfrist läuft bis am 15. April 2021. Hinter der Initiative steht das Bürgerkomitee "Mobilfunk-Initiative". Der neue Mobilfunkstandard erregt die Gemüter seit Jahren. Am 21. September hatten mehrere tausend Menschen in Bern gegen dessen Einführung protestiert. 5G sei "ein Verbrechen gegen Menschenrechte", hiess es. (paz/Keystone-sda)

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