62 Milliarden für Time Warner Cable

14. Januar 2014, 08:05
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US-Kabelanbieter Charter bietet über 62 Milliarden für den Mitbewerber.

US-Kabelanbieter Charter bietet über 62 Milliarden für den Mitbewerber.
In den USA ist ein offener Kampf um den zweitgrössten Kabelanbieter Time Warner Cable entbrannt. Die Nummer vier der Branche, Charter Communications, bot am Montag in einem formellen Übernahmeangebot insgesamt 62,35 Milliarden für Time Warner Cable.
Charter bietet 132,50 Dollar pro Aktie und damit kaum mehr als den gegenwärtigen Aktienkurs, der allerdings bereits von den Übernahmespekulationen profitiert hat. 83 Dollar davon sollen in bar gezahlt werden. Für die restliche Summe sollen die Investoren Anteilsscheine von Charter erhalten.
Damit bietet Charter 37,3 Milliarden für Time Warner Cable und will zusätzlich dessen Schuldenberg übernehmen. Charter hat dagegen nur einen Börsenwert von gut 14 Milliarden Dollar. Branchenführer ist Comcast, dem ebenfalls Interesse an Time Warner Cable nachgesagt wird.
Time Warner Cable erteilte dem Angebot umgehend eine Abfuhr. Das Management sei für ein Angebot in Höhe von 160 Dollar je Aktie offen. Stattdessen wolle Charter das Unternehmen zu einem völlig unangemessenen Preis haben.
"Im Grunde genommen wollen diese Typen bloss eine Premium-Firma zu einem Schleuderpreis ergattern", sagte Time-Warner-Cable-Chef Rob Marcus. "Das macht uns die Aufgabe leicht, das Angebot abzuwehren. Unsere Aktionäre werden den Vorstoss als das erkennen, was er ist: Ein Versuch, die Firma zu klauen."
Analysten erwarten Aufbesserung
Charter erklärte, den Konkurrenten im vergangenen halben Jahr mehrfach umworben zu haben. Die Antworten darauf liessen jedoch den Schluss zu, dass Time Warner Cable nicht an einer Fusion interessiert sei und zudem unrealistische Preisvorstellungen habe.
Analysten zufolge ist das Charter-Angebot das bislang deutlichste Zeichen dafür, dass Kabel-Milliardär John Malone von Liberty Media bei Time Warner Cable ungenutzte Geschäftsmöglichkeiten sieht. Liberty Media besitzt 27 Prozent von Charter. Zum Liberty-Konzern gehört auch der Schweizer Kabelnetzbetreiber UPC Cablecom. Der aktuelle Cablecom-Chef Eric Tveter hatte in der Vergangenheit verschiedene Funktionen im leitenden Management von Time Warner Cable.
Branchenexpertin Amy Yong von Macquarie geht davon aus, dass Charter sein Angebot erhöhen muss. "Das ist nur die erste Runde der Verhandlungen. Charter signalisiert damit lediglich, dass sie nicht zu viel zahlen werden." (sda/mim)

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