Aargauer Betreibungsämter wehren sich erfolglos gegen neue Software

7. Juli 2014, 03:18
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Trotz bewährtem System wurde ein Softwarewechsel vom Kanton angeordnet. Zusatzkosten von bis zu 53'000 Franken werden erwartet.

Trotz bewährtem System wurde ein Softwarewechsel vom Kanton angeordnet. Zusatzkosten von bis zu 53'000 Franken werden erwartet.
In den Aargauer Gemeinden sollen die Betreibungsämter auf die neue Software "Expert" des Unternehmens Bk-Solution wechseln. Die zwei Gemeinden Niederrohrdorf und Spreitenbach wehren sich gegen den Entscheid der Schuldenbetreibungs- und Konkurskommission des Obergerichts (SchKK), schreibt die 'Aargauer Zeitung'.
"Wir stören uns daran, dass wir eine Software kaufen sollen, die deutlich teurer ist als ein Update des aktuellen Systems", sagt Hugo Kreyenbühl, Gemeindeschreiber in Niederrohrdorf. Er rechnet mit Zusatzkosten von rund 43'000 Franken.
Spreitenbachs Gemeindeschreiber Jürg Müller ist mit der alten Software zufrieden: "Sie erfüllt alle Vorgaben des Bundes und ist deutlich günstiger als die neue." Er rechnet mit Mehrkosten von 53'000 Franken
Risiko und Monopol
Die Gemeindeschreiber befürchten eine Monopolstellung für Bk-Solution. Da die Konkurrenz aus dem Markt gedrängt werde, könne nun ein Unternehmen alle Preise setzen.
Der Entscheid des SchKK wird weiter kritisiert. Das Produkt sei zu neu, flächendeckende Praxistests seien nicht durchgeführt worden, so Müller. Er befürchtet, dass die Gemeinden die Kosten von allfälligen Patch-Arbeiten tragen müssen.
FDP-Parlamentarier Josef Bütler unterstützt das Anliegen der zwei Gemeinden. Er hat eine Interpellation eingereicht und möchte wissen warum die Gemeinden beim Entscheid nicht involviert waren: "Es kann nicht sein, dass zwei einen Vertrag aushandeln, für den Dritte dann zahlen müssen."
Der Kanton nehme zurzeit keine Stellung, man müsse die regierungsrätliche Antwort auf die Interpellation abwarten, schreibt die 'Aargauer Zeitung'. Für die Gemeinden ist es aber zu spät. Die SchKK hat ein Gesuch, die Software nicht zwingend einführen zu müssen, bereits abgelehnt. Die Gemeinden ziehen den Fall trotzdem vor das Bundesgericht. Die Frage sei wichtig für künftige Fälle, sagt Bütler. (csi)

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