Aargauer und Luzerner Bürger erhalten mehr Online-Möglichkeiten

20. November 2020, 13:51
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Umzug, Steuerrechnung oder Passerneuerung: die Gemeinden der Kantone planen ein digitales Einwohnerportal. Der E-Gov-Beauftragte erklärt das Projekt.

Sowohl im Aargau wie auch im Kanton Luzern plant ein Zusammenschluss von Gemeinden ein digitales Einwohnerportal (EWP). Über das neue Portal sollen Nutzer verschiedene Amtsgeschäfte erledigen können: einen Wohnortswechsel melden, den Reisepass erneuern, den Fahrausweis ersetzen oder Steuerrechnungen kontrollieren. Verwaltungsleistungen sollen zentral bestellt und behördliche Informationen eingesehen werden können.
"Der Nutzer muss sich nicht mehr darum kümmern, welche Abteilung oder welches Amt für eine Verwaltungsleistung zuständig sein könnte", erklärt Gérald Strub gegenüber inside-it.ch. Strub ist als Kommunaler Beauftragter E-Government in beiden Kantonen in das Projekt involviert. Ziel seien mehr Kundenfreundlichkeit, schnellere Prozesse, Transparenz und eine Entlastung der Verwaltung. "Im Zentrum des Einwohnerportals stehen also einerseits die Kundenzentrierung und andererseits die Vernetzung der Verwaltung."
Das EWP werde jedoch nicht mit einem "Big Bang" von heute auf morgen alle Verwaltungsleistungen anbieten können, diese sollen schrittweise implementiert werden. Darum werde es zwischen den beiden Kantonen auch Unterschiede geben, welche Verwaltungsleistungen zu welchem Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Im Kanton Aargau ist der Go-Live des neuen EWPs mit ersten Services im Verlaufe des Jahres 2021 geplant. In Luzern soll dieser 2022 erfolgen.

Unterschiedliche Technologien in den beiden Kantonen

Die Portallösungen im Kanton Aargau und im Kanton Luzern würden auch nicht identisch sein. "Im Kanton Aargau setzt man auf die Weiterentwicklung der bestehenden Technologie, und im Kanton Luzern prüft aktuell eine Arbeitsgruppe, welche Technologie zum Einsatz kommen soll", so Strub. Auch die Frage, wer das jeweilige EWP betreiben werde, sei noch nicht abschliessend geklärt. Aktuell liege in beiden Kantonen der Lead bezüglich Aufbaus der Infrastruktur und bei der Wahl der Technologie bei der kantonalen Verwaltung.
Auf die Frage, wie die bestehenden, unterschiedlichen Lösungen der einzelnen Gemeinden für Dienstleistungen zusammengeführt werden sollen, antwortet Strub: "Es ist richtig, dass die Gemeinden unterschiedliche Fachapplikationen einsetzen. Der Anschluss dieser Applikationen an das Einwohnerportal soll in beiden Kantonen mittels einer BPMN-Prozessplattform erfolgen."
Datenschutz und Datensicherheit hätten dabei eine hohe Priorität: "Bei der technischen Umsetzung ist vorgesehen, dass die Daten, welche für Verwaltungsleistungen oder für die Anzeige im Portal benötigt werden, jeweils in ihrer ursprünglichen Datenbank geladen und nicht zentral gespeichert werden."

Nicht alle Gemeinden machen mit

Auch zu den Kosten sind bereits Details bekannt: Für das EWP soll eine Gemeinde im Jahr 2.50 Franken pro Einwohner veranschlagen. Aber nicht alle Gemeinden machen bis jetzt mit: Im Aargau beteiligen sich 147 von 210 Gemeinden, im Kanton Luzern sind es 61 von 83. So erklärte Emmen laut 'Luzerner Zeitung', aus finanziellen Gründen vorerst abseits zu stehen.
Ziel sei es, dass alle Gemeinden mitmachen, betonen die Verantwortlichen. Doch wer nicht zahlt, kann auch die Leistungen des EWPs nicht beanspruchen, wie Gérald Strub am Beispiel Aargau ausführt: "Die 147 Gemeinden, welche sich für die Mitfinanzierung des Einwohnerportals entschlossen haben, werden die kommunalen Verwaltungsleistungen in das Portal einbinden können. Den anderen Gemeinden wird dies nicht möglich sein." Eine Gemeinde, die später dazu stosse, müsse sich rückwirkend an den Kosten beteiligen.
Im Aargau wurde für die Realisierung des EWPs seitens der Gemeinden am 5. November 2020 mit der Fit4Digital GmbH eine eigene Trägerschaft gegründet. "Dass sich die Fit4Digital GmbH zu einem späteren Zeitpunkt auch anderen Digitalisierungsvorhaben annehmen wird, ist nicht vorgesehen", erklärt Strub. Dies müsse zu gegebener Zeit allerdings neu beurteilt werden.

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