Ab April gibt's digitale Identitäten auf der Post

8. März 2007, 16:57
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... in einem kleinen, gelben Schächtelchen

... in einem kleinen, gelben Schächtelchen
An der gestrigen Podiumsdiskussion zum Thema "digitale Lohnverarbeitung - was bringt ELM den KMU?" an der Berner Business-Softwaremesse Topsoft gab es einige interessante Erkenntnisse zu gewinnen. Zum einen stellten wir fest, dass es offenbar grundsätzliche Meinungsunterschiede zwischen den Initianten von "ePower" rund um die beiden Politiker Ruedi Noser und Bruno Frick auf der einen und Teilen der ICT-Industrie auf der anderen Seite gibt.
Während an dem Podium nämlich fast alle Teilnehmer meinten, für den breiten Einsatz von digitalen "Identitäten" für rechtlich gültigen Geschäftsverkehr fehle eigentlich nichts mehr, verlangte Noser ein grundsätzliches Umdenken. "2002 (als das Gesetz zur elektronisch Signatur diskutiert wurde - die Red.) hat man zu schnell privatisiert," sagte Noser. Man solle doch die Stellen für die Schaffung von echten Identitäten (Passbüros, Gemeinden) und "virtuellen" wieder zusammen führen. Und Firmen sollten ihre digitalen Zertifikate von den Handelsregistern erhalten.
Damit nicht einverstanden war natürlich der Vertreter von QuoVadis Trustlink, einer Firma die digitale Zertifikate ausstellt. Widerspruch kam auch von Abacus-Entwicklungschef Daniel Senn, der überzeugt ist, dass KMU digitale Zertifikate einsetzen werden, sobald sie den Nutzen von arbeitssparenden Arbeitsabläufen wie etwa die automatische Meldung von Lohndaten an die verschiedenen Amtsstellen oder die digitale, rechtssichere Archivierung von Buchhaltungsdaten erkennen. Senn: "Wir sind bereit. Für den Einsatz von digitalen Zertifikaten ist alles da."
Post lanciert demnächst digitale Zertifikate für Private und Firmen
Senn zeigte ein interessantes Detail: Eine kleine, gelbe Schachtel. Darin gibt es eine CD mit Software, eine kleine SIM-Karte, die man in eine Smartcard oder einen USB-Stick einfügen kann. Zusammen ergibt der Inhalt ein digitales Zertifikat, mit dem man E-Mails unterschreiben aber auch Rechnungen oder einen ganzen Jahresabschluss signieren kann. Der Clou an der Sache: Ein digital signierter und verschlüsselter Jahresabschluss einer Firma lässt sich samt allen darunter liegenden Daten (Buchungen, Belege) komplett digital ablegen: Theoretisch ersetzt damit eine einzige DVD einige Meter Ordner.
Zu haben gibt es die kleine gelbe Schachtel "in einem Monat", so Senn, "auf jeder grösseren Post."
Damit wäre das Geheimnis, wann endlich die Post mit "digitalen Identitäten für jedermann" auf den Schweizer Markt kommt gelüftet: Im April 2007.
Bis sich durchgehend rechtssichere und papierlose Prozesse bei den helvetischen KMU durchsetzen, dürfte aber noch einiges Wasser den Rhein herab fliessen. Der Zustrom an die interessante Podiumsdiskussion von gestern zum Thema "elektronische Lohnmeldung" war enttäuschend. (Christoph Hugenschmidt)

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