Abacus erfindet sich neu

15. Juni 2012, 10:10
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Der grösste Schweizer Standard-Software-Hersteller lanciert neuartige Client-Software für iPads.

Der grösste Schweizer Standard-Software-Hersteller lanciert neuartige Client-Software für den iPads. Und weil Uhrfunktion im iOS nicht wirklich praktisch ist, hat man eine eigene entwickelt.
Über den St. Galler Software-Hersteller Abacus spricht man in der Schweizer Software-Szene meistens mit gemischten Gefühlen. Man bewundert zwar den Erfolg der Firma mit Sitz am Abacus Platz 1 in Wittenbach, unterstellt ihr aber gerne, den äusserst hohen Marktanteil in der Schweiz nicht wegen einer besseren Software oder einer gescheiteren Strategie, sondern aus irgendwelchen anderen Gründen errungen zu haben. "Controller haben halt Abacus gerne", ist eine der Bemerkungen, die man hört. Dabei ist das Geheimnis des Erfolgs von Abacus gar keines: Die St. Galler investieren enorm viel Geld und Hirnschmalz in ihre Software und scheuen Risiken nicht.
So präsentierte Abacus gestern Donnerstag an einer gemeinsamen Veranstaltung mit Swisscom und der Post in Zürich erste Versionen eines völlig neu entwickelten Clients für Apples iPad. Dabei hat man nicht einfach die bestehenden PC-Clients oder die Interfaces, die im Browser laufen, ein bisschen für Touchscreens aufgehübscht, sondern völlig neue Funktionen und Arbeitsprozesse entwickelt.
Das wiederum hat auch die Prozesse bei der Software-Entwicklung selbst verändert, wie Abacus-Chef Claudio Hintermann gestern an der Veranstaltung im Zürcher "Nuggipalast", wie das Palais X-Tra im Volksmund heisst, sagte. Denn für eine Software, die man normalerweise innert zwei, drei Tagen entwickelt hat, brauchte man nun sechs Monate, weil man eben das User-Interface völlig neu entwickeln musste. Dafür musste man aber zuerst herausfinden, wie Menschen ein Gerät mit Touchscreen bedienen, wofür Hintermann unter anderem das Verhalten seines vierjährigen Sohnes beim gamen studierte. Geräte wie das iPad verändere Softwareentwicklung völlig, so Hintermann im Gespräch mit inside-it.ch, weil man sehr viel mehr in Usability und Gestaltung investieren müsse. "Wir hatten etwa gleich viel Aufwand für die Gestaltung wie für die Programmierung," so der Abacus-Mitgründer.
Reports, Vertragsmanagement, Leistungserfassung
Verfügbar wird die iPad App von Abacus per Ende August. Sie enthält Funktionalitäten, die man unterwegs braucht, also Leistungserfassung, das Abrufen (und grafisch darstellen) von Reports, CRM (mit der Leistungserfassung verknüpft), Vertragsmanagement und "Aktivitäten", also zum Beispiel das Visieren von Rechnungen.
Spannend an der App ist nicht etwa, dass man nun ab dem "coolen" Gerät auf seine Business-Lösung zugreifen kann, sondern dass sie Fähigkeiten von Tablet-PCs wirklich nutzt. So kann man Fotos, Film- und Tonaufnahmen integrieren. Hintermann demonstrierte, wofür man das brauchen kann. So können Wohnungsabnahmen gleich live protokolliert werden und man kann das Protokoll samt Fotos und gesprochenen Bemerkungen auch rechtsgültig unterschreiben lassen. Das Rationalisierungspotential von solchen und ähnlichen Funktionen ist gewaltig.
Wie weit Abacus bei der Entwicklung der App gegangen ist, zeigt das Beispiel der Uhr. Die Uhrfunktion des iOS ist nicht wirklich praktisch bedienbar. Weil sie aber für die Zeiterfassung wichtig ist, hat man bei Abacus halt eine eigene (Foto oben) entwickelt. Man scheut sich in St. Gallen nicht, das Rad neu zu erfinden, wenn man das für nötig haltet.
Sicherheit: Post lanciert SuisseID mobile Service
Für die Gewährleistung der Sicherheit und der Rechtsgültigkeit von digitalen Unterschriften setzt Abacus seit Jahren auf die Post SuisseID. Doch die Identifizierungslösung der Post wird auf einem USB-Stick angeboten, der iPad hat aber keine USB-Schnittstelle.
Die Post hat nun einen Service für mobile Geräte entwickelt. Bedingung ist, dass man bereits eine Post SuisseID besitzt. Man kann sich dann mit E-Mail-Adresse und Passwort einloggen und wird mit einem zusätzlichen Code per SMS versorgt.
Die App wird mit allen neuen Abacus-Installationen funktionieren, wird aber - natürlich - besonders auch von Swisscom promoted, auf deren Cloud-Infrastruktur manche Abacus-Partner die Lösung betreiben. (Christoph Hugenschmidt)
(Interessenbindung: Abacus ist Sponsor unseres Verlags.)

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