Abacus rationalisiert die Buchhaltung weg

28. Mai 2015, 13:45
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ERP-Smartphone-Apps und die Folgen

Abacus lanciert neue Version der App Abaclik. Hintermann: "Buchhaltung hat immer mehr nur noch eine Kontrollfunktion".
Zugegeben: Der Titel ist übertrieben. Auch mit der neuen Version der App aus der St. Galler ERP-Schmiede Abacus wird keine Buchhalterin und kein Buchhalter wegrationalisiert. Aber der Trend ist unverkennbar: Die Anbindung von mobilen Geräten an ERP-Systemen wird viele Routine-Büroarbeiten unnötig machen.
Abacus stellte heute in Zürich die zweite Version der App Abaclik vor. Die App für Leistungsabrechnung und Zeiterfassung zeigt deutlich, welches Rationalisierungspotential immer noch in Geschäftssoftware steckt.
Abaclik gibt es einerseits als kostenlose iOS- oder Android-App für Einzelanwender. Man kann damit Spesenbelege und Arbeitszeiten erfassen und diese einzelnen Projekten oder auch Kunden zuordnen. Ausserdem kann man die so erfassten Daten auch per E-Mail versenden. Neu hat Abacus den Barcode-Scanner des Zürcher App-Herstellers Scandit in die App integriert. Die App funktioniert auch ohne Internet-Verbindung des Handys und sie arbeitet mit dem GPS des Geräts zusammen.
App als Drehscheibe zwischen Mitarbeiter und Firma
Interessanter wird die Sache, wenn man Abaclik in eine bestehende Abacus-Lösung integriert. Das Handy übernimmt dann nämlich ganz viele Funktionen, die bisher ohne Papier, Mitarbeiter-Badges und teure Umsysteme und viel Handarbeit nicht zu erledigen waren.
So kann man Spesen, Aktivitäten, Arbeitswege und -zeiten direkt einzelnen Projekten in AbaProject zuordnen und mit dem Abacus-internen Messaging-System mit Kollegen kommunizieren. Das Abtippen oder Kopieren von Spesenbelegen, Rapporten, Kilometerabrechnungen und Ähnliches entfällt.
Ausserdem können Firmen Abaclik als Arbeitszeit-Erfassungssystem verwenden und damit Badge-Systeme ersetzen. Seine Arbeitszeit kann man manuell mit Uhr und Kalender oder dann automatisiert erfassen. Die App kann Signale von iBeacons und von NFC-Tags (RFID) erfassen oder man kann Barcodes scannen. Noch raffinierter: Abacus-Anwender können auch Geofences definieren und die Zeiterfassung damit steuern. Was wie eine Spielerei aussieht, ist keine. Denn damit kann man beispielsweise die Präsenzzeiten von Arbeitern auf Baustellen erfassen.
In Abaclik integriert ist ein Self-Service-Portal für Mitarbeitende. Man hat Zugang zu Lohnabrechnungen und Lohnausweisen, kann Daten wie Zivilstand oder Adresse ändern, Ferien beantragen und Absenzen melden.
Als weitere Funktion kann man Spesenabrechnungen und Kreditorenrechnungen visieren.
All diese Funktionen beseitigen Medienbrüche und Handarbeit wie etwa das Erfassen von Spesenbelegen und Arbeitsrapporten, mutieren von Mitarbeitenden-Daten und Ähnlichem. Die Integration von mobilen Geräten in Business-Lösungen wird damit die Rationalisierung von Büroarbeit vorantreiben. Das sieht auch Abacus-Stratege Claudio Hintermann so: "Die Buchhaltungsabteilung wird immer mehr nur noch eine Kontrollfunktion haben."
5 Franken pro Monat und Anwender: Mobile erfordert neue Geschäftsmodelle
Software-Hersteller müssen sich nicht nur vermehrt mit der Entwicklung von Software für Smartphones, Uhren und ähnlichen Geräten beschäftigen, sondern auch neue Geschäftsmodelle entwickeln.
Bei Abacus rechnet man damit, dass es in Zukunft weniger Anwender für die Kernlösungen, dafür mehr Anwender von Apps geben wird. ERP-Software wird normalerweise pro Anwender bezahlt, für die Anbieter werden die Erträge bei zunehmender Rationalisierung also abnehmen. Also wird man mit Apps Geld verdienen müssen.
Abaclik selbst ist gratis. Die Schnittstelle samt Identifizierung durch die Abacus Mobile ID (es wird wohl die Mobile ID von Swisscom sein) kostet fünf Franken pro User und Monat.
Bis heute wurde die erste Version von Abaclik gerade mal 2200 mal (kostenlos) heruntergeladen. Das Ertragspotential für Abacus ist damit vorerst winzig. Und trotzdem sind die St. Galler überzeugt, dass dies der "einzig gangbare Weg" ist, um weiterhin an der Spitze des KMU-Marktes in der Schweiz zu bleiben.
Die Strategie: Mobile, "schönere" Business-Sofware und mehr Software für Deutschland
An der heutigen Medienveranstaltung zeigte Abacus nicht nur die neue App, sondern nannte auch drei strategische Ziele, die sich die Abacus-Leitung im dreissigsten Jahr der Firma gegeben hat.
An erster Stelle steht "mobile". Man kann also erwarten, dass Abacus weitere Funktionen in Smartphone-Apps packen wird. Weiter will Abacus die Usability seiner ERP-Lösung verbessern und bestimmte Funktionalitäten (Debitoren-, Kreditoren- und Finanzbuchhaltung) verschmelzen. Zudem will Abacus mehr Lösungen für den deutschen Markt entwickeln. Da sind die St. Galler zur Zeit "nur" mit der Dienstleisterlösung Allprojects präsent.
Kein HTML5, keine App für Windows Phone, (noch?) keine App für Apple Watch
Während man in St. Gallen also stark auf Apps für Smartphones von Apple setzt, ist keine App für die Apple Watch zu erwarten. Der Grund ist, dass man heute noch keine Apps für die Uhr bauen kann, die mit NFC-Tags kommunizieren können. Das wäre aber nötig, damit man die Uhr beispielsweise für Zeiterfassung nutzen könnte. Abacus-Chef Hintermann, der heute (natürlich) eine Apple Watch am Handgelenk trug: "Dann wüsste ich wenigstens EINE Anwendung für die Uhr."
Auch will man weiterhin spezifische Apps für iOS und für Android entwickeln. Auf den Webstandard HTML5, der das Programmieren von Apps für einzelne Betriebssysteme unnötig macht, setzt Abacus (noch?) nicht. Es gebe noch zu viele Probleme bei der Gestaltung von guten Interfaces und mit Zusatzfunktionen wie etwa für Scanning, so Hintermann.
Und an eine App für Windows Phones denkt der Abacus-Stratege schon gar nicht. Es wäre billiger, jedem Windows-Phone-User ein Android-Telefon zu schenken, als eine extra App dafür zu programmieren, flachste der Abacus-Mitgründer. (Christoph Hugenschmidt)
(Interessenbindung: Abacus ist als Gold-Sponsor ein wichtiger Werbekunde unseres Verlags.)

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