Abraxas wird doch nicht verkauft

8. November 2012, 11:45
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Kantone Zürich und St. Gallen finden für Abraxas Informatik keinen Käufer, der die Bedingungen erfüllen kann. Am Schluss waren noch zwei Interessenten im Rennen. Abraxas-Management gibt sich erleichtert.

Kantone Zürich und St. Gallen finden für Abraxas Informatik keinen Käufer, der die Bedingungen erfüllen kann. Am Schluss waren noch zwei Interessenten im Rennen. Abraxas-Management gibt sich erleichtert.
Der IT-Dienstleister Abraxas bleibt in Staatshand. Nachdem vor vier Jahren bekannt geworden war, dass der Besitzerkanton Zürich (der andere ist St. Gallen) mit einem Verkauf liebäugelte, sind die beiden Eigentümer jetzt zum Schluss gekommen, dass sie Abraxas doch nicht verkaufen wollen. Dies teilten die beiden Kantone heute mit.
Am Schluss waren es noch zwei
Wie die beiden Kantone mitteilen, habe der Verkaufsprozess für die beiden 50-Prozent-Aktienpakete zwar "ein grosses Interesse an dem gut im Markt positionierten Unternehmen ausgelöst", doch keiner der Interessenten habe die Bedingungen der Kantone im verlangten Umfang erfüllt. Die Bedingungen betrafen etwa die Datensicherheit und den Verbleib der Unternehmenstätigkeit in der Schweiz. Ausserdem wollten die Verkäufer keine Garantien für die Erneuerung von laufenden Verträgen mit kantonalen Stellen abgegeben. Offensichtlich konnte kein Bewerber gefunden werden, der alle Bedingungen erfüllte.
Oliver Annen, Chef des Amtes für Tresorerie in der Finanzdirektion des Kantons Zürich, wollte sich im Gespräch mit inside-it.ch nicht im Detail zum Verkaufsprozess äussern, denn man habe Stillschweigen vereinbart. Er wies aber darauf hin, dass sich sowohl Schweizer als auch internationale Firmen für Abraxas interessiert hätten. Die Kantone seien einerseits aktiv auf mögliche Interessenten zugegangen, man habe aber auch Anfragen erhalten, die man selbstverständlich berücksichtigt habe. Am Schluss habe es noch zwei Interessenten gegeben, so Annen.
Der Zürcher Regierungsrat betont, dass Abraxas bereits seit mehreren Jahren keine bevorzugte Rolle als Lieferant von Informatik-Dienstleistungen beim Kanton Zürich mehr habe. Die 50-Prozent-Beteiligung des Kantons habe daher keine strategische Bedeutung mehr. Aus diesem Grund suchte man erst nach Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Kantonen und danach aktiv einen Käufer.
Klarer Entscheid bringt Ruhe
Abraxas selbst hat sich in einem Statement zum nun abgebrochenen Verkaufsprozess geäussert. Der klare Entscheid stärke die Position des Unternehmens, heisst es da. Das Management wertet den Entscheid als Beleg dafür, dass es "viel Sinn macht", wenn das Unternehmen in öffentlicher Hand bleibt. "In diesem klaren Entscheid und im uns entgegengebrachten Vertrauen sehe ich eine grosse Chance", lässt sich Abraxas-CEO Thomas Flatt (Foto) zitieren. Man werde dank geklärter Ausgangslage aus einer Position der Stärke agieren können, so Flatt.
Tatsächlich dürfte nun bei Abraxas wieder Ruhe einkehren, nachdem in den letzten Jahren immer wieder über mögliche Interessenten diskutiert und spekuliert worden war. Die beiden Kantone wollen nun dafür sorgen, dass sich Abraxas auch in Zukunft als attraktiver Anbieter von Informatik-Dienstleistungen auf dem Markt positionieren kann. Deshalb soll nun die Eigentümerstrategie überarbeitet und aktualisiert werden. Verwaltungsrat und Management von Abraxas sollen die weitere Entwicklung des Unternehmens in enger Zusammenarbeit mit den beiden Kantonen und den Kunden weiter vorantreiben.
400 Angestellte und 110 Millionen Umsatz
Abraxas entstand um die Jahrtausendwende aus den damals aufgelösten Ämtern für Informatik der beiden Kantone. Das Unternehmen erbringt IT-Dienstleistungen für die beiden Kantone, aber auch für andere Organisationen. Mit 400 Mitarbeitenden hat Abraxas zuletzt über 110 Millionen Franken umgesetzt und einen Gewinn von 6,2 Millionen Franken ausgewiesen. (Maurizio Minetti)

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