Abschied von den Synergieträumen bei COS

28. Oktober 2004, 09:51
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Die COS-Gruppe schreibt zum ersten Mal nach langem wieder schwarze Zahlen. Mit Blick auf den Börsenkurs verkündete Kurt Früh einmal mehr eine neue Strategie.

Heute Morgen hat COS-CEO und VRP Kurt Früh vor Analysten und Presse die Quartalszahlen präsentiert und seine neue Strategie vorgestellt. Nach langen Jahren der Verluste schrieb die COS-Gruppe zum ersten Mal wieder schwarze Zahlen. Im Q3 erreichte der börsenkotierte Konzern einen Umsatz von 221 Millionen Franken und einen Netto-Gewinn von 800'000 Franken. Früh hofft, den im ersten Halbjahr entstandenen Verlust von etwa 3,2 Mio. Franken im vierten Quartal noch aufholen zu können.
Während die deutsche Distribution die "Umsatzvorgaben verfehlte", erreichte die COS-Distribution Schweiz die Budgetvorgaben. Der Assemblierer Topedo (De) und vor allem COS Memory arbeiten gemäss Früh profitabel. Die Distribution in Österreich scheint die Verlustlöcher gestopft zu haben. Der deutsche Internet-Händler Avitos arbeitet hingegen mit Verlust. Früh will deshalb die Logistik von Avitos mit der deutschen Distribution zusammenlegen.
COS Concat ist sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland gewachsen und verdiente in den ersten 9 Monaten dieses Jahres bei einem Umsatz von 67,4 Mio. Franken auf Stufe Ebit 1,5 Mio. Franken.
COS nur noch Beteiligungsgesellschaft
Früh hat den Traum, zwischen den verschiedenen Tochtergesellschaften (Distribution CH, De, AU, Systemintegration CH, AU, Online-Handel) Synergien zu erzielen, aufgegeben. So soll SAP nur noch bei "direkten Nutzniessern" in der Gruppe eingeführt werden.
Neu soll sich die COS Holding deshalb in eine Art Beteiligungsgesellschaft für Firmen verwandeln. Die einzelnen Gesellschaften sollen unabhängig und "unternehmerisch" geführt werden - wer die Gewinnvorgaben nicht erfüllt, soll früher oder später verkauft werden. Früh verspricht seinen Aktionären eine angepeilte Eigenkapitalrendite von mehr als 15% - die einzelnen Tochterfirmen sollten deshalb jährlich eine solche von 20% genieren. So hofft Früh, den seit Jahren weit unter dem inneren Wert dümpelnde Börsenkurs seiner COS Holding wieder in höhere Sphären zu bringen. Freie Mittel, so Früh, könnten durchaus für neue Zukäufe verwendet werden. "Wir scannen wieder Angebote", sagt Früh.
(Zu) hohe Gewinnvorgaben an die Distribution
Ob sich mit relativ kleinen (oder im Fall von Österreich sogar sehr kleinen) Distributoren langfristig die angestrebten Gewinnmargen erzielen lassen, wird sich weisen müssen. Früh liess aber vor Analysten keine Zweifel, dass er mittelfristig auch bereit ist, aus der Distribution auszusteigen, sollten sich die Ziele nicht erreichen lassen. Ebenso ist es gut möglich, dass die bisher recht erfolgreiche Distribution in Deutschland eine Grösse erreicht, in der weiteres Wachstum nur in einem grösseren Verbund zu erreichen ist. Auch die COS Linden steht also potentiell zum Verkauf. (Christoph Hugenschmidt)

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