Accenture unterliegt im Steuerstreit mit der Schweiz

25. Februar 2019, 11:21
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Das weltweit zweitgrösste ICT-Beratungs- und Dienstleistungshaus Accenture hat dem Bund und dem Kanton und der Stadt Schaffhausen rund 200 Millioinen Franken an Nachsteuern gezahlt.

Das weltweit zweitgrösste ICT-Beratungs- und Dienstleistungshaus Accenture hat dem Bund und dem Kanton und der Stadt Schaffhausen rund 200 Millioinen Franken an Nachsteuern gezahlt. Dies enthüllen die Zeitungen der Tamediagruppe ('Tagesanzeiger', 'Bund' etc.) heute.
Der Nachsteuerzahlung voraus ging eine Untersuchung durch die Abteilung Strafsachen und Untersuchungen der eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV), die im Dezember 2016 zu Hausdurchsuchungen bei Accenture und seinen Steuerberatern geführt hatte. Zusätzlich leitete die ESTV eine Strafuntersuchung ein.
Der Ausgangspunkt für die Vorwürfe durch die Steuerbehörden waren die so genannten LuxLeaks. Diverse Medien, darunter auch die Zeitungen der Tamedia-Gruppe, hatten 2014 aufgrund von geleakten Daten aus Luxemburg die Steuerumgehungspraktiken von 300 internationalen Konzernen beschrieben.
Darunter war auch Accenture. Der Milliardenkonzern hatte von 2001 bis 2010 den Holding-Sitz in Schaffhausen. 2010 wurde der Sitz nach Irland verlegt. Aufgefallen ist der ESTV aufgrund der Informationen aus Luxleaks, dass Accenture den Wert der konzerneigenen Software-Rechte in Irland mit sieben Milliarden Dollar, in Schaffhausen aber nur mit 1,2 Milliarden Dollar angegeben hatte. Aus dieser Differenz entstand dann der Streit um die geschuldeten Steuern, den die ESTV zum Schluss offenbar für sich entschieden hat. Accenture war zuerst der Meinung gewesen, ein Steuerabkommen mit Schaffhausen habe das Vorgehen gerechtfertigt, zahlte die Nachsteuern dann aber doch.
Alle involvierten Behörden wie auch Accenture wollten sich gegenüber den beiden Journalisten, die die Story recherchiert haben, nicht äussern. In Schaffhausen hat man die einzelnen Steuerabkommen mit Grossfirmen ("Rulings") durch eine generelle Regelung der Steuersätze für die Besteuerung ausländischer Gewinne ersetzt.
Accenture setzte im letzten Geschäftsjahr 2018 (bis August 2018) 41 Milliarden Dollar um und schüttete 4,3 Milliarden Dollar an Dividenden und Aktienrückkäufen aus. (hc)

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