Accenture warnt Firmen vor einem "Tech-Clash"

18. Februar 2020, 13:18
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Firmen müssen bei "postdigitalen Menschen" Vertrauen in digitale Technologien schaffen. Und 5 Trends beachten, besagt eine Studie.

Accenture hat den neuen Bericht "Technology Vision 2020" vorgelegt und warnt darin eindringlich vor Ängsten der "postdigitalen Menschen". Man erkenne zwar keine totale Ablehnung der neuen Technologien, aber eine Art Hass-Liebe. Die Anwender hätten weniger Angst vor der Technik, sondern seien eher schockiert darüber, wie Firmen diese nutzten, um sie auszuspionieren und ihnen zu schaden, heisst es im Report.
Menschen würden die technischen Möglichkeiten derweil mehr und mehr nutzen: In einer Consumer-Umfrage von Accenture hatten 52% der Befragten angegeben, dass Technologie eine herausragende Rolle spiele und in fast allen Aspekten ihres täglichen Lebens verankert sei. 19% sagten gar, dass sie die Technologie als eine Art Erweiterung ihrer selbst betrachten würden. Aber in einer Welt, in der digitale Tools allgegenwärtig seien, würden die Menschen auch überprüfen, "ob der Wert, den Unternehmen liefern, vollständig mit den eigenen Grundwerten übereinstimmt", heisst es im Bericht.
"We, the post-digital people" hat das ICT-Beratungs- und Dienstleistungshaus seinen Report in Anlehnung an den ersten Satz der US-Verfassung ("We, the people") betitelt. Und im Namen eben jener Menschen richtet Accenture eine Forderung an die Unternehmen und deren C-Level-Management: Sie müssten mehr auf den Menschen ausgerichtete Erfahrungen liefern, die deren Erwartungen entsprechen würden. Dem stimmen drei Viertel der von Accenture befragten Manager bereits zu.
Doch die Studien-Autoren wollen weiter gehen: "In die Zukunft zu führen, heisst grundsätzliche Annahmen über die Funktionsweise eines Unternehmens zu überdenken und die Schnittstelle zwischen Mensch und Technologie neu zu definieren." Denn die Menschen wollten eine Technologie, die menschlicher sei, erklärt Accenture und meint damit vor allem die Gewährleistung von Sicherheit, Privatsphäre und ethischen Grundsätzen. Unternehmen, die diese Botschaft ignorierten, würden mit einem existenziellen Technologie-Clash konfrontiert. Ihre Versuche würden auf Widerstand stossen und von den Menschen schliesslich abgelehnt.

"Die fünf Pfade der Technologie"

An diesen Grundsätzen sollen sich alle Firmen ausrichten, wollten sie erfolgreich bleiben, so Accenture. Daneben hat das Beratungshaus fünf technologische Trends ausgemacht, die Firmen beobachten sollen, wenn sie den Anschluss nicht verlieren wollen.
Der erste Trend: Die Menschen wollten die Vorteile der kundenbezogenen Anpassungen, also etwa personalisierte Werbung. Aber sie seien skeptisch gegenüber den undurchsichtigen Methoden, die Unternehmen dafür einsetzen würden. Firmen müssten den Usern mehr Kontrollmöglichkeiten und Eigenverantwortung für die Daten aber auch die Personalisierung selbst bereitstellen.
Künstliche Intelligenz sei zweitens zu einem mächtigen Werkzeug geworden für die Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen. Unternehmen müssten nun die Bedeutung dieser Interaktion verstehen, um von den Fortschritten zu profitieren. Fast drei Viertel der von Accenture Befragten gaben an, dass sie in einer oder mehreren Geschäftseinheiten Pilotprojekte mit KI durchführten oder diese bereits adaptierten. Und fast ein Viertel der Unternehmen bereiten ihre Angestellten laut der Umfrage auf die KI-Kollaboration vor.
Der Produktbesitz selbst verändere sich mit smarten Dingen radikal, so ein dritter Trend: Wenn Menschen Produkte kaufen würden, so in vielen Fällen keine physischen, fertigen Gegenstände mehr, sondern Kanäle für "Erfahrungen", wie das Accenture nennt. Unternehmen müssten dieses neue Paradigma des "Miteigentums" erkennen und daran arbeiten, ihre Produkte und Ökosysteme entsprechend anzupassen. In der Umfrage gaben dann auch schon 79% der Manager an, dass sie in ihren Geschäftsbereichen künftig verschiedene Modelle des Eigentums anbieten müssten.
Vierter Trend: Roboter würden aus den Lager- und Fabrikhallen in die weite Welt hinaus ziehen – unterstützt durch sinkende Hardwarekosten und die 5G-Netze. Die Fähigkeiten von Robotern über kontrollierte Umgebungen hinauszugehen, würde Unternehmen vor neue Herausforderungen stellen, glaubt Accenture. Tatsächlich gehen fast zwei Drittel der befragten Führungskräfte davon aus, dass ihre Unternehmen in den nächsten beiden Jahren Roboter in unkontrollierten Umgebungen einsetzen werden.
Fünftens könnten ausgereifte digitale Technologien, wissenschaftliche Fortschritte und aufkommende Technologien Unternehmen ständig neue Fähigkeiten und Ideen bringen. Für Technologien mit besondere Bedeutung hat Accenture das Akronym DARQ geschaffen: Distributed Ledger Technologie, Künstliche Intelligenz (AI), Extended Reality und Quantencomputing. Führungskräfte müssten diese technologischen Bausteine verknüpfen, um die Weichen für die Zukunft ihres Unternehmens zu stellen.
Für den Report "Technology Vision 2020" hat Accenture zwischen November 2019 und Januar 2020 rund 6000 C-Level-Führungskräfte befragt. Diese stammen aus 25 Ländern, darunter auch die Schweiz, und aus allen grösseren Branchen.

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