Acer rutscht in die Verlustzone

24. August 2011, 11:30
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Lagerwertausgleich, Umstrukturierungskosten und Abfindungen belasten die Quartalszahlen des taiwanischen Computerherstellers.

Lagerwertausgleich, Umstrukturierungskosten und Abfindungen belasten die Quartalszahlen des taiwanischen Computerherstellers.
Heute musste Acer-Chairman J.T. Wang den Gang nach Canossa antreten, denn der PC-Hersteller hat erstmals seit einer Dekade einen Quartalsverlust präsentiert. Dass Taiwans einstiger PC-Stern im Gesamtjahr 2011 noch profitabel sein wird, ist damit sehr unwahrscheinlich.
Analysten haben Acer im zweiten Quartal 2011 laut der chinesischsprachigen 'Economic Daily News' (EDN) noch mehr zugetraut, als es tatsächlich gekommen ist. Für manche Börsianer war aber vorher schon klar, dass ein profitabler Jahresabschluss möglicherweise gefährdet ist. Waren die Analysten am Vortag noch von einem Verlust in Höhe von nahezu 6 Milliarden Yuan (205 Millionen US-Dollar) ausgegangen, steht im heute vorgelegten vorläufigen Quartalsbericht ein operativer Verlust von 7,1 Milliarden New Taiwan Dollar und ein Vorsteuerverlust von 6,8 Milliarden NT Dollar (-236 Mio. US-Dollar).
In den Quartalsverlust eingeflossen sind 150 Millionen US-Dollar an Lagerwertausgleich in EMEA (Europa, Nahost und Afrika) sowie 30 Millionen US-Dollar für Umstrukturierungskosten in der Region, die Acer nach Übernahme der Notebook-Sparte von Texas Instruments 1997 erst so richtig stark gemacht hatte. Zum Verlust beigetragen haben laut Acer auch erhebliche Abfindungen für betriebsbedingte Entlassungen in Europa.
Die vorläufigen Zahlen fürs erste Halbjahr 2011 sind auch nicht rühmlich. So ist der konsolidierte Umsatz in den ersten sechs Monaten um 26 Prozent auf 229,9 Milliarden Yuan (8 Mrd. US-Dollar) geschrumpft. Der operative Verlust lag wegen der Negativzahlen im zweiten Quartal bei umgerechnet 179 Millionen US-Dollar, der Vorsteuerverlust bei 5,6 Milliarden Yuan (195 Millionen US-Dollar).
Angesichts der hohen Lagerbestände in Europa der vergangenen Monate hat Acer sich eine neue Strategie zugelegt, wonach nicht mehr der Sell-in, sondern der Sell-out (Rausverkauf statt Reinverkauf im Handel) erfasst werden soll. Solche Zahlen werden nur von wenigen Marktforschungsinstituten erhoben, entsprechend teuer lassen sich die deutsche Gesellschaft für Konsumforschung (Gfk) und Co. sie bezahlen.
Im zweiten Quartal hat Acer laut dem eigenen Geschäftsbericht bereits Anstrengungen unternommen, angesichts der anhaltend schwachen Nachfrage in Europa und Nordamerika das Inventar zu reduzieren. Für das dritte und vierte Quartal geht Acer jeweils wieder von einer verbesserten Umsatz- und Margensituation aus.
Chairman J.T. Wang (Wang Zhentang) hat am Vortag schon geäussert, dass das zweite Quartal "sicherlich etwas härter" gewesen sei. Mit Aufbau des Forschungs- und Entwicklungszentrums in Chongqing (Provinz Sichuan im chinesischen Hinterland) und des kürzlich erworbenen Cloud-Computing-Anbieters iGware sehe er Acer aber gut gerüstet für "die Zeit nach der PC-Ära" mit Cloud Computing als möglicher Ausgang. Für relativ unwahrscheinlich hält Wang die in Taiwan befürchtete Möglichkeit, dass HP die eigene PC-Sparte an Samsung verkaufen könnte. Dabei soll der koreanische Riese schon bei mehreren Auftragsfertigern der Insel angeklopft haben, um sich bei ihnen mehr Produktionskapazitäten zu sichern. (Klaus Hauptfleisch)

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