Acer spült den Kanal

1. Juni 2011, 15:56
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Acer wendet 150 Millionen Dollar für Abschreibungen im EMEA-Channel auf und kündet Stellenabbau an.

Acer wendet 150 Millionen Dollar für Abschreibungen im EMEA-Channel auf und kündet Stellenabbau an.
Der Siegeszug von Apple und vor allem Apples iPad hat verheerende Folgen für Notebook-Hersteller, die auf den Consumer-Markt fokussiert sind. Und dies ist in Europa vor allem Acer, dessen Absatz im April regelrecht eingebrochen ist. Doch nicht nur Acer blutet, auch Retailer und Distributoren, deren Gestelle und Läger mit Notebooks und Netbooks von Acer gefüllt sind, die niemand kaufen will.
Nun will Acer offenbar den verstopften Channel in EMEA durchspülen und hat 150 Millionen Dollar für Preissenkungen, also für Gutschriften an Reseller und Distributoren, als Einmal-Abschreibung bereitgestellt, wie aus einer Pressemitteilung von heute hervorgeht.
Ein Rechenspiel
Der Betrag von 150 Millionen Dollar signalisiert aber nur die Spitze des Eisbergs und der Acer-Channel scheint in der Tat arg verstopft, wie uns ein Branchenkenner vorrechnet: Gehe man davon aus, dass Acer mit den 150 Millionen Dollar Preissenkungen von durchschnittlich 20 Prozent finanzieren will, so beträgt der totale Wert der überflüssigen Acer-Produkte im europäischen Channel das Fünffache, also 750 Millionen Dollar. Dies entspricht etwa drei Vierteln des monatlichen Umsatzes des Konzerns - weltweit!
Stellenabbau, Boni rückwirkend gekürzt
Ebenfalls heute hat Acer den Abbau von 300 Stellen im EMEA-Raum angekündigt. Ob und wie viele Acer-Angestellte in der Schweiz betroffen sind, ist noch nicht bekannt. Acer beschäftigt in der Schweizer Organisation rund 70 Mitarbeitende und ungefähr 120 Leute arbeiten am EMEA-Hauptsitz in Lugano. Besonders heftig dürfte es aber in Spanien zugehen, wo gemäss Pressemitteilung Unregelmässigkeiten bei den Debitoren gefunden wurden.
Der Stellenabbau soll Acer etwa 30 Millionen Dollar kosten und jährliche Einsparungen in der gleichen Höhe bringen. Zudem will der taiwanische Hersteller den Bonus der Angestellten für 2010 um 40 Prozent reduzieren und die Einsparungen als Kostensenkung für 2011 verbuchen. Gleichzeitig werden die Entschädigungen für die Verwaltungsräte um die Hälfte reduziert, während Acer-Boss J.T. Wang ganz auf Gehalt und Bonus verzichtet.
Massive Preissenkungen zu erwarten
Wieviel Geld der Acer-Channel selbst in den Kamin schreiben muss, wissen wir nicht. Doch man wird kaum erwarten können, dass der Hersteller den Verlust, der durch Absatzeinbruch und die schlechte Absatzplanung entstanden ist, alleine tragen wird. Der 150-Millionen-Dollar-Abschreiber von Acer, dürfte also von Distributoren und Retailern noch ergänzt werden (müssen).
Es zeichnet sich ab, dass Retailer und Distributoren noch vor der Sommerflaute - also in den nächsten Wochen - Notebooks und Netbooks von Acer "um jeden Preis" verschleudern werden. Des PC-Händlers Leid wird des Konsumenten Freud sein. (Christoph Hugenschmidt)

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