Actebis/Tech Data: Das meinen Also, Ingram und Alltron

14. August 2007, 18:19
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Wie reagieren die grössten Schweizer Distis auf den Tech Data/Actebis Deal? Inside-channels.ch befragte Roland Brack, Joe Feierabend und Marc Schnyder.

Wie reagieren die grössten Schweizer Distis auf den Tech Data/Actebis Deal? Inside-channels.ch befragte Roland Brack, Joe Feierabend und Marc Schnyder.
Nach der gestern offiziell angekündigten Übernahme des Schweizer Geschäfts von Actebis wird der Distributor Tech Data (Schweiz) versuchen, die Marktanteile des übernommenen Konkurrenten so weit wie möglich zu halten und zu seinem eigenen Stück des Kuchens zu addieren. Das dürfte keine einfache Sache werden.
"Eins und Eins ist bei Übernahmen nicht einfach Zwei", meinte Marc Schnyder, der Schweizer Managing Director von Also, dem grössten Konkurrenten von Tech Data hierzulande. "Viel wird von der Umsetzung abhängen." Der gleichen Meinung ist Joe Feierabend, Country Manager von Ingram Micro: "Jeder Merger verursacht Reibungsverluste, auch wenn Tech Data und Actebis das als einfache Sache darstellen. Wir werden nach einem Jahr sehen ob Eins und Eins Zwei ergibt."
Alltron ist als vor allem im Komponenten-Business starker Disti weniger direkt in den Konkurrenzkampf unter den Broadlinern involviert. Alltron Chef Roland Brack erklärt: "Ich sehe für Tech Data gute Chancen, da sie wohl als Broadline Distributor sehr ähnlich organisiert und aufgestellt sind, wie Actebis das war." Aber auch er schränkt er ein: "Allerdings lehrt die Erfahrung, dass bei Übernahmen immer auch die Konkurrenz profitiert." Und dann setzt er noch süffisant hinzu: "Insofern sind wir Tech Data und Actebis sehr dankbar, dass sie sich aktiv an der Marktkonsolidierung beteiligen."
"Hersteller und Reseller sind in solchen Momenten immer sehr wachsam"
Aber natürlich lassen sich die grössten Distis nicht wirklich tief in die Karten blicken, wenn es darum geht, wie sie die neue Marktlage konkret ausnützen wollen.
"Dazu darf ich nun wirklich noch nichts sagen", meinte Marc Schnyder auf unsere Frage, ob Also nun besondere Anstrengungen unternehmen beziehungsweise Aktionen starten würde, um Actebis-Marktanteile zu übernehmen. Aber, so lässt er klar durchblicken, stelle man beim grössten Schweizer IT-Distributor natürlich "Überlegungen" an, wie mit dieser "besonderen" Situation umzugehen sei. Auch Roland Brack hält sich bedeckt: "Wir unternehmen laufend 'besondere' Anstrengungen, um unsere Prozesse zu optimieren und unsere Dienstleistungen zu verbessern."
Am deutlichsten formuliert dagegen Joe Feierabend, Country Manager von Ingram Micro seine schon seit längerem vorbereiteten Pläne: "Wir werden unsere XXL-Strategie den potenziellen Kunden 'näher' bringen. Wir haben bereits vor Monaten begonnen uns intern, auch in der Westschweiz, auf diese neue Situation vorzubereiten - damit wir zusätzliche Kunden bestens betreuen können."
Feierabend ist fest davon überzeugt, dass es für Ingram Micro etwas zu holen gibt: "Hersteller und Reseller sind in solchen Momenten immer sehr wachsam und überlegen sich ihre Strategien für die Zukunft. Ingram Micro ist für Hersteller und Wiederverkäufer ein verlässlicher Partner - ich gehe davon aus, dass wir unsere Marktanteile ausweiten können. Actebis- und Tech Data-Kunden werden die aktuelle Situation zur Evaluation für zukünftige Partnerschaften nutzen und sich entsprechend entscheiden."
"Auf der Zielgeraden zu einer 'ganz normalen Industrie'"
Die Reduktion der Zahl der Broadliner unter den IT-Grossisten, so sind sich unsere Gesprächspartner einige, ist eine logische Entwicklung im Schweizer Markt. Brack: "Die Distributionslandschaft befindet sich nun auf der Zielgeraden zu einer 'ganz normalen Industrie', wo nicht mehr grosse Hypes und jährliche Wachstumsraten von mehr als 100 Prozent an der Tagesordnung sind. Stattdessen geht es um Kontinuität, Vertrauen und Professionalität." Und Marc Schnyder zieht den Vergleich zu anderen Ländern: "In der Schweiz hatten wir bisher vier Broadliner. In Deutschland, wo der Markt zehnmal grösser ist, sind es auch nur vier. In den meisten kleineren Ländern sind jeweils zwei bis drei grosse Distis aktiv, und auf dem Weg dahin befinden wir uns auch."
Wie wird sich die Konsolidierung - nach einem allfälligen ersten Gerangel um Actebis-Marktanteile – längerfristig auswirken? In Zukunft kann niemand blicken. Aber Marc Schnyder glaubt, dass sie sich gerade auch für Reseller positive Folgen haben wird. Ausserdem äussert er die leise Hoffnung, dass sich der Markt dadurch "beruhigen" und sich die Preiskämpfe abschwächen könnten: "Das wäre ja eigentlich für alle von Vorteil."
Roland Brack allerdings glaubt eher an 'Business as usual': "Da der Druck von allen Seiten, insbesondere der Hersteller mit ihren Produktionskapaziäten, hoch bleibt, glaube ich nicht, dass sich etwas ändern wird. Wir lernen, damit zu leben und trotzdem einen guten Job zu machen. Dann sind wir globalisiert!" (Hans Jörg Maron)

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