AdNovums kleiner Schritt auf dem langen Marsch

22. Februar 2011, 13:29
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Der Zürcher Software-Hersteller AdNovum wagt den Schritt nach Asien und eröffnet eine Verkaufs- und Service-Niederlassung in Singapur.

Der Zürcher Software-Hersteller AdNovum wagt den Schritt nach Asien und eröffnet eine Verkaufs- und Service-Niederlassung in Singapur.
Geheim ist es nicht, doch an die grosse Glocke hängen will es AdNovum-Chef Ruedi Wipf (Foto) auch nicht: Der Zürcher Software-Hersteller hat eine Verkaufs- und Service-Niederlassung in Singapur eröffnet. Bei AdNovum Singapur arbeiten unterdessen vier Leute unter der Leitung von Martin Nokes, der bereits führend am Aufbau von AdNovums Entwicklungsniederlassung in Budapest beteiligt war.
Und zwar geht es - anders als man vermuten könnte - nicht darum, Software-Ingenieure zu engagieren, die für den Schweizer Markt entwickeln sollen. Im Gegenteil: AdNovum wird je nach Bedarf neben einem der lokalen Spezialisten auch Ingenieure aus der Schweiz oder aus Ungarn in die Projekte einbeziehen.
Wieso wagt AdNovum als Schweizer Software-Hersteller den Schritt nach Asien? Wipf: "Wir wollen im Ausland wachsen. Aus der Schweiz heraus ist das schwierig. Eine Niederlassung in den USA oder Europa zu gründen, fanden wir wenig attraktiv, weil die dortigen Volkswirtschaften grosse Probleme haben. Die Post geht in Asien ab. Dort gibt es Dynamik, Wachstum und die Gesellschaften sind von jungen Leuten geprägt."
Mehrere Gründe sprachen für das Hochlohnland Singapur, wo ein guter Verkäufer ähnlich viel verdient wie in Zürich. So ist Englisch die Business-Sprache in Singapur und verschiedene AdNovum-Kunden wie Holcim und Julius Bär sind dort präsent.
Zudem seien in Singapur Schweizerisches Engineering, "Swissness" und Werte durchaus gefragt, sagt Wipf. "Man erwartet von einer Schweizer Firma nicht, dass sie das billigste oder innovativste Angebot macht, sondern, dass sie liefert, was sie versprochen hat."
Überraschend schnell Aufträge gewonnen
Klar ist, dass AdNovum im gigantischen asiatischen Markt heute ein winziger Fisch ist und im Vergleich zu den indischen oder amerikanischen Riesen im besten Fall ein kleiner bleiben wird. Doch erste Erfolge sind schneller als erwartet eingetreten, erzählt Wipf. So kann AdNovum eine internationale Bank in Manila in Security-Fragen beraten und für UBS Hong Kong Software beurteilen.
Falls AdNovum dann einmal wirklich grosse Software-Projekte in Singapur an Land ziehen kann und die Entwicklungskapazitäten in der Schweiz und Budapest wieder eng werden, wäre ein aus Singapur betreuter "near shore" Entwicklungsstandort durchaus denkbar. Doch das sind Gedankenspiele, denn konkrete Pläne gibt es nicht.
Schnelles Wachstum in der Schweiz, Vorsicht in Singapur
Die Zürcher gehen beim Expansionsversuch in Asien ausgesprochen vorsichtig vor. Die Firma soll "entlang der Projekte" wachsen, die Investitionen also klar beschränkt bleiben, betont der AdNovum-Chef. Ausserdem ist man bereit, das Experiment abzubrechen, wenn sich die Resultate in Form von Umsatz und Gewinn nicht einstellen. Wipf: "Wenn es nicht klappt, dann haben wir wenigstens Leute in der Firma, die ein sehr hohes kulturelles Know-How entwickelt haben."
In der Schweiz und in Budapest ist AdNovum letztes Jahr massiv, von 190 auf 240 Mitarbeitende, gewachsen. In Zürich beschäftigt AdNovum heute 160 Leute, in Bern 20 und in Budapest 60.
Nach unserer Schätzung könnte AdNovum damit vielleicht auf einen Umsatz von 35 bis 40 Millionen Franken kommen. Die Firma selbst veröffentlicht keine Zahlen. (Christoph Hugenschmidt)

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