Adobe kassiert Gerichts-Schlappe gegen IT-Brocki

17. Mai 2011, 15:36
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In Zug hat ein Gericht im Sinne des Gebraucht-Software-Händlers Usedsoft entschieden: Der Weiterverkauf von Adobe-Lizenzen sei legal. In Deutschland sind die Richter kürzlich zum gegenteiligen Schluss gekommen.

In Zug hat ein Gericht im Sinne des Gebraucht-Software-Händlers Usedsoft entschieden: Der Weiterverkauf von Adobe-Lizenzen sei legal. In Deutschland sind die Richter kürzlich zum gegenteiligen Schluss gekommen.
Im Fall Adobe gegen Usedsoft hat das Zuger Kantonsgericht den Antrag des Software-Herstellers abgelehnt, Usedsoft den Weiterverkauf von Adobe-Software zu untersagen. Das teilte Usedsoft mit Sitz in Zug heute mit.
Der zuständige Richter habe erklärt, es gehe Adobe bei dem gestellten Antrag "einzig um den Verlust von Marktanteilen". Zudem habe das Gericht entschieden, dass Adobe die Weiterveräusserung eines Programmes nach dessen Erstverkauf nicht urheberrechtlich verbieten könne.
Mehr Rechtssicherheit?
In der Mitteilung freute sich der Geschäftsführer Peter Schneider: "Das Urteil ist umso bedeutender, als Usedsoft sein internationales Geschäft von der Schweiz aus betreibt und damit unsere weltweiten Kunden ein deutliches Plus an Rechtssicherheit geniessen."
Gegenüber inside-channels.ch führte Usedsoft-Sprecher Christoph Möller aus: "Entscheidend ist der Ort des Einkaufs. Die Schweizer Gesellschaft amtet als Einkaufsgesellschaft [für alle Niederlassungen]." Die Schweiz sei ein wichtiger Markt, hierzulande werde Gebraucht-Software im einstelligen Millionenbereich eingekauft. Diese darf, so Usedsoft, auch im Ausland legal verkauft werden.
Adobe Schweiz konnte auf Anfrage von inside-channels.ch keine Stellung nehmen.
David gegen Goliath
Während das Gericht in Zug zugunsten von Usedsoft entschieden hat, ist das Landgericht Frankfurt/Main Ende April zu einem gegenteiligen Entscheid gekommen. Hier hatte Adobe den Weiterverkauf von Lizenzen beanstandet, die Usedsoft von einem kirchlichen Rechenzentrum gekauft hatte. Seit dem Urteil darf Usedsoft keine Adobe-Lizenzen in Deutschland mehr verkaufen.
Hier will Usedsoft Rechtsmittel einlegen und den Fall nötigenfalls vor den Bundesgerichtshof bringen. "Wir werden so lange kämpfen, bis sich auch in Deutschland der freie Handel mit Adobe-Lizenzen durchsetzt", lässt sich Schneider zitieren. (pk)

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