Adobe-Mann zu Day-Kauf: "Eins plus eins macht drei"

28. Juli 2010, 10:17
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Der US-Softwareriese Adobe will die Basler Softwareschmiede Day kaufen und bekennt sich im Gespräch mit inside-it.ch zum Schweizer Standort.

Der US-Softwareriese Adobe will die Basler Softwareschmiede Day kaufen und bekennt sich im Gespräch mit inside-it.ch zum Schweizer Standort.
Heute Morgen überraschten Adobe Systems und Day Software mit der Ankündigung, gehörte letztes Jahr aber zu den grossen Gewinnern an der Schweizer Börse. Zwar beginnt das Übernahmeangebot erst im August, doch schon jetzt gaben die beiden Unternehmen Auskunft über die möglichen zukünftigen Pläne.
Basel bleibt
Man habe nicht aktiv versucht, Day zu verkaufen, sagt David Nüscheler, Chief Technical Officer (CTO) von Day, im Gespräch mit inside-it.ch. Als börsenkotiertes Unternehmen sei man auf dem Markt präsent und theoretisch könne jedes Unternehmen ein Angebot unterbreiten. Bei Day sei man nun sehr begeistert von der Aussicht, zum Adobe-Konzern zu gehören. Das ganze Management-Team rund um CEO Erik Hansen sei entschlossen, zu Adobe zu wechseln.
Erik Larson, "Senior Director of Product Management and Strategy" bei Adobe, betonte, dass es sich um eine strategische Übernahme handle. Man wolle nicht nur ein Produkt kaufen, sondern das ganze Unternehmen dahinter. Deshalb bekenne man sich auch zum Standort Basel. Zurzeit gebe es keine "spezifischen" Pläne, die Softwareentwicklung in die USA zu transferieren, sagte Larson auf unsere entsprechende Frage. Er sprach vielmehr von "Wachstum" in Basel. Über das Schicksal des zweiten Schweizer Standortes in der Schweiz, in Zürich, sowie über die weiteren Niederlassungen in Europa konnte Larson noch nichts sagen. Man müsse zuerst den Abschluss der Übernahme abwarten. Ebenfalls noch nicht entschieden sei, ob die Marke Day erhalten bleibt. Adobe habe in der Vergangenheit starke Marken stets unterstützt, sagte Larson.
Seit dem vergangenen Jahr ist Adobe Kunde von Day. Die Basis der Verbindung der beiden Firmen bilden Flash und PDF: Zwei Technologien, die von sämtlichen Day-Kunden eingesetzt werden. Day-Chef Hansen liess sich dazu in der Mitteilung zitieren: "Wir freuen uns, ab jetzt zu Adobe zu gehören und unser Know-how im Web Content Management mit Technologien zu verbinden, die reiche Online- und Offline-Erfahrungen auf Basis von vielfältigen Flash- und PDF-Anwendungen schaffen. Wir glauben, dass dies eine gewinnbringende Kombination für alle Adobe- und Day-Kunden sein wird."
Alfresco als Verlierer?
Im Hinblick auf die Möglichkeit, den jeweiligen Kunden und Partnern einen Mehrwert bieten zu können, bezeichnete Larson den geplanten Kauf als "Eins plus eins macht drei"-Geschichte. Während Überlappungen beim Kundenstamm durchaus positiv sein können, dürfte die durch den Kauf von Day entstehende Produktüberlappung bei Adobe problematischer sein: Larson nannte als einzige Überlappung das Adobe-Produkt "LiveCycle Content Services", das auf Opensource-ECM-Software von Alfresco basiert. Ob die OEM-Partnerschaft mit Alfresco weitergeführt werde, sei derzeit noch offen. Das Enterprise-Content-Management-System von Alfresco wird etwa auch vom Lausanner Bundesgericht eingesetzt.
Day hat heute auch die Zahlen des ersten Halbjahres bekannt gegeben. Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 47 Prozent auf 25,1 Millionen Franken. Der Lizenzumsatz mit einem Anteil am Gesamtumsatz von 49 Prozent belief sich auf 12,4 Millionen Franken, was einem Anstieg um 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Reingewinn kletterte von 1,1 auf 3,7 Millionen Franken. Day beschäftigt zurzeit weltweit 146 Personen. Über die Hälfte davon arbeitet in der Schweiz. (Maurizio Minetti)

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