Adobe zum mieten: Reaktionen aus dem Schweizer Channel

24. Juni 2013, 13:54
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Der Softwarehersteller wird sein Kernprodukt "Creative Suite" nur noch als Abonnement anbieten. Für den Channel wird sich einiges ändern - viele Kunden sind verunsichert.

Der Softwarehersteller wird sein Kernprodukt "Creative Suite" nur noch als Abonnement anbieten. Für den Channel wird sich einiges ändern - viele Kunden sind verunsichert.
Softwareschachteln sind out. Adobe hat kürzlich angekündigt, dass die "Creative Suite" nur noch als Cloud-Service im Abonnement: Der Softwarehersteller räumte zwar ein, dass viele Kunden glauben, dass die Creative Cloud nichts für sie sei und Desktop-Software lieber wie bisher kaufen würden. Man wolle sich aber trotzdem auf die Umstellung auf die Creative Cloud konzentrieren.
Nun stellt sich die Frage, was für Auswirkungen dieser Schritt für die zahlreichen Channelpartner von Adobe haben wird. Laut dem deutschen 'ChannelObserver' arbeitet Adobe im deutschsprachigen Raum mit rund 3000 Partnern zusammen, wovon 700 zertifiziert oder Gold-Partner sind. "Ich bin zufrieden, wenn 20 Prozent dieser Top-Partner mit uns die Cloud-Strategie umsetzen", so Channel-Chef Hardy Köhler.
Wie reagiert der Schweizer Channel auf die Veränderung? Inside-channels.ch hat zwei Distributoren und zwei Händler nach ihrer Meinung befragt.
Distis: "Wir hätten uns von Adobe mehr Flexibilität erwünscht."
"Der Übergang zu den neuen Modellen ist für uns aus Business-Sicht (..) kurzfristig eher schmerzhaft", erklärt der Marketing-Chef des IT-Distributors Tech Data Martin Hurter. Durch die neue Bezahlform seien die Umsätze der Distribution mit Adobe unter Druck geraten. Tech Data wird aber mit der Entwicklung mitgehen - geht aber ebenfalls davon aus, dass sich die Adobe-Umsätze auf eine kleinere Anzahl von Resellern konzentrieren werden, führt Hurter aus. Bis der Markt soweit sei - sowohl auf Endkunden- wie auf Resellerseite - brauche es noch etwas mehr Zeit.
Alltron seinerseits ging die Thematik anders an. Der IT-Distributor habe zusätzliche Adobe-Boxen eingekauft, "um den Transformationsprozess bei unseren Kunden so sanft wie möglich zu gestalten", erklärt Andreas Kipfer, Alltrons Teamleader Software. Daher seien die Auswirkungen des neuen Adobe-Mietmodells nur marginal spürbar - die physischen Produkte sind ja noch im Lager verfügbar.
Kipfer versteht den Schritt von Adobe, da es nicht mehr zeitgemäss sei, Software in Boxen bereit zu stellen. Dennoch hätten sie sich von dem Softwarehersteller bezüglich der Channelstrategie mehr Flexibilität und eine breitere Ansprache erhofft.
Beide Distributoren bieten den Herstellern und Partnern Unterstützung beim Wechsel. Alltron konnte bereits den europaweit grössten Creative-Cloud-Deal im Mai dieses Jahres verzeichnen.
Fachhändler: Zuwenig Zeit für die Umstellung
Laut René Schneider, Geschäftsleiter Data Quest, ist es noch zu früh, die Auswirkungen des Adobe-Mietmodells zu beurteilen. Er findet die Idee aber gut. Denn mit dem neuen Modell werden gleich mehrere Fliegen auf einen Schlag erledigt: Beispielsweise die Lagerhaltung, schnellere Aktualisierung und Kontrolle über die eingesetzten Lizenzen.
Dennoch geht Schneider davon aus, dass der Umsatz kurzfristig einbrechen wird. Er ist sich nicht sicher, ob der Kunde die Miet-Variante akzeptieren wird, wenn er das Produkt nicht mehr besitzt. "Ich vermute, dass viele Kunden die Creative Cloud in den nächsten Monaten eher zögerlich akzeptieren und versuchen werden, bei dem alten zu bleiben."
Auch laut SoftwareOne-Geschäftsführer Michael Kozlowski sind viele Kunden verärgert über die kurzfristige Einführung. "Es gibt keine Transitionsperiode - wir haben viel Aufklärungsarbeit zu leisten." Zudem warnt er Kunden mit bestimmten Verträgen: Es bestehe noch grosser Informationsbedarf.
Es wird kommen!
Fazit ist, dass die Umstellung auf das Adobe-Mietmodell nicht reibungslos verläuft. Der Schweizer Channel wünscht sich vor allem noch etwas mehr Zeit aber auch Unterstützung des Softwareherstellers. Die Änderung ist sowohl für Distis wie auch für Händler aufwändig und rechnet sich (noch?) nicht.
Nichtsdestotrotz sind sich die Akteure bewusst, dass das Modell kommen wird, und sie sich anpassen müssen und werden. (Linda von Burg)

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