Adobes Griff ins Portemonnaie der Kunden

17. November 2011, 16:48
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Upgrades der Adobe-Software werden künftig nur noch von der jeweils zweitneuesten Version möglich sein. Mitglieder der "Adobe Creative Cloud" erhalten dafür alle Programme für 69.99 Dollar pro Monat.

Upgrades der Adobe-Software werden künftig nur noch von der jeweils zweitneuesten Version möglich sein. Mitglieder der "Adobe Creative Cloud" erhalten dafür alle Programme für 69.99 Dollar pro Monat.
Wer eine ältere Version von Adobe-Software (Creative Suite 2, 3 oder 4) hat, muss sich beeilen. Denn nur noch bis Ende Jahr kann man zu vergünstigten Upgrade-Preisen Adobes Creative Suite auf den neuesten Stand bringen. Ab 2012 gelten diese Upgrade-Preise dann nur noch für den Wechsel der heute aktuellen Verson CS5 oder CS5.5 auf die künftige Version CS6.
Wer also zum Beispiel ab 1. Januar 2012 seine teuer gekaufte Adobe Creative Suite 4 auf die neue Version bringen will, muss den vollen Preis bezahlen. Als kleines Zückerchen bietet Adobe bis Ende Jahr einen Rabatt von 20 Prozent für Upgrades auf CS5.5 an.
Preis verdoppelt
Die Verteuerung der weit verbreiteten Software ist massiv, wie ein einfaches Rechenbeispiel zeigt. Nehmen wir an, eine Werbeagentur hat drei Grafik-Arbeitsplätze, die mit der de-fakto-Standardsoftware von Adobe arbeiten. Diese drei Arbeitsplätze sind mit Creative Suite 3 für Windows ausgerüstet. Die Erneuerung auf die neue Version 5.5 würde als Upgrade 1'694 Franken pro Arbeitsplatz kosten - unsere Werbeagentur müsste also 5082 Franken in die Hand nehmen, um seine Software auf den neuesten Stand zu bringen. Die Vollversion derselben Grafik-Suite kostet heute 3'247 Franken pro Arbeitsplatz. Bleibt der Preis für die Vollversion der künftigen CS6 gleich, so müsste unser Atelier also nächstes Jahr 9741 Franken ausgeben, da der Upgrade von Version 2, 3 oder 4 auf CS6 nicht mehr möglich ist. Adobe verdoppelt den Preis für alle, die nicht brav jede neue Version gekauft haben, also glatt.
Adobe-Software im Abo
Der US-Quasimonopolist im Grafik-Bereich begründet die faktische Preiserhöhung mit der Einführung eines neuen Mietmodells "im ersten Halbjahr 2012". Einzelpersonen werden mit dem neuen, erst vorläufig bekannten, Preismodell als "Mitglieder" der "Creative Cloud" die ganze Palette von Adobe-Produkten für 49,99 Dollar pro Monat nutzen können, für Firmen wird die Lösung auf 69,99 Dollar pro Monat zu stehen kommen. Das hier genannte Preismodell ist noch nicht ganz definitiv, wie ein Adobe-Sprecher auf Anfrage sagte.
Der Umfang der so vermieteten Software ist gewaltig, bekommt man doch Photoshop, InDesign (Lay-Out), Illustrator (Grafik), Dreamweaver (Flash) bis zu Adobe Premiere und After Effects (Filmbearbeitung). Im Paket inbegriffen werden auch neue Adobe-Produkte sein, so etwa die Lösungen für die Produktion von Medien für Touchscreen ("Touch Apps") und Adobe Edge für die Herstellung von bewegten Inhalten für HTML5-Browser. Zum Abo gehören klassische Desktop-Versionen der Software wie auch Cloud-Versionen - etwa von Adobe Touch - sowie Online-Speicher und Funktionen für die Zusammenarbeit in Gruppen.
Teurer oder billiger?
Mitglieder der 'Creative Cloud' werden also sehr viel für relativ wenig Geld bekommen. In den meisten Fällen sehr viel mehr, als sie wirklich brauchen. Denn die allerwenigsten Kreativen arbeiten, um ein Beispiel zu nennen, sowohl an bewegten Inhalten für Android Smartphones wie auch an gedrucken Prospekten oder Katalogen.
Unsere Werbeagentur würde für drei Mitgliedschaften in der Adobe Cloud jährlich 2'520 Dollar ausgeben - in drei Jahren wären dies also 7'559 Dollar. Dies ist weniger als drei neue Versionen von Adobe CS 5.5 (für Windows) heute kosten, aber mehr als ein einfacher Upgrade von einer alten Version auf eine neue.
Adobes neue Lizenzbestimmung, dass man ab Ende Jahr nur noch von der zweitjüngsten Version der Creative Suite auf die neueste zum Spezialpreis upgraden kann, entpuppt sich damit schlicht und einfach als Preiserhöhung. (Christoph Hugenschmidt)

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