Ältere ICT-Spezialisten werden oft durch Jobverlust zu Freelancern

9. Juli 2020, 11:23
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Eine Studie zeigt, dass Ü50-Informatiker oftmals nicht freiwillig Freelancer werden. Der Druck dürfte in der Corona-Krise noch zunehmen.

Die Stundenansätze für IT- und Engineering-Freelancer in der Schweiz blieben hoch – zumindest vor der Corona-Krise. Dies zeigt eine Umfrage unter IT- und Engineering- Freelancern, die im Auftrag des ICT-Personaldienstleisters Gulp durchgeführt wurde. 
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum blieben die Ansätze stabil auf rund 152 Franken, wobei sie ganz leicht stiegen. Deutlich war die Steigerung zwischen den Projekten. So gaben über 60% der Befragung an, dass sie ihre Stundenansätze von einem Projekt zum nächsten erhöhen konnten – fast ein Viertel sogar um rund 10%.
Fast die Hälfte der Befragten gab allerdings Stundenansätze unter dem Schnitt an, während ein Viertel gar nur zwischen 120 und 139 Franken pro Stunde verdiente. Allerdings zogen jene 16%, die Ansätze von über 200 Franken verlangen können, den Durchschnitt nach oben, wie Gulp festhält.
Besonders gut bezahlt werden Business- und Prozessanalyse, während System-Engineering und –Architektur das Schlusslicht bildet. Ansonsten waren vor allem Ausbildung und Berufserfahrung entscheidend.

Freelancer arbeiteten mehr als Festangestellte

Die Umfrage wurde noch vor der Corona-Krise durchgeführt, die das Marktgefüge stark verändert hat. Die Datensätze seien dennoch wichtig, um die Veränderung des Projektmarktes besser zu verstehen und in Zukunft die richtigen Schritte einleiten zu können, wirbt Gulp.
Vor der Pandemie waren die Freelancer gut ausgelastet: Die Hälfte der Befragten zählten 200 oder mehr Projekttage. Nur etwas unter 30% kamen auf weniger als 150 verrechenbare Tage.
Dazu kommen weitere Arbeiten etwa für Administration und Akquise, sodass ein Grossteil der Freelancer mindestens 240 Tage im Jahr arbeitete. Das ist mehr als die Festangestellten, die bei einem Vollzeitpensum auf rund 225 Arbeitstage kamen.

Mehr Freelancer und weniger Projekte wegen Corona

Diese Zahlen dürften sich nun zumindest kurzfristig erheblich verändern: Einerseits wurden Projekte eingestellt oder verschoben, andererseits wächst die Zahl der Selbständigen aufgrund von Jobverlusten. Längerfristige Prognosen seien angesichts der sich rasch wandelnden Lage aber schwierig, hält Gulp fest.
Jobverlust war schon vor Corona ein wichtiger Grund für den Gang in die Selbständigkeit. Fast ein Drittel der Befragten, nannte dies als Antreiber, Freelancer zu werden. Auffällig ist die Altersklasse: Im Schnitt waren die ICT-Freelancer, die diese Antwort gaben, bereits 50 Jahre alt.
Zudem ist dies offenbar ein relativ neues Phänomen: So sind die durch Jobverlust zur Selbständigkeit getriebenen im Schnitt weniger als acht Jahre als Freelancer tätig – die kürzeste Dauer aller erhobenen Gründe. Deutlich länger sind jene Selbständig, die bessere Entwicklungsmöglichkeiten suchen oder eine abwechslungsreichere Tätigkeit ausführen möchten.
Meist wird der Gang in die Selbständigkeit von mehreren Faktoren beeinflusst. Über ein Drittel nannte als Hauptursache den Wunsch nach Unabhängigkeit und nach eigener Auswahl von Projekten.
Interessenbindung: inside-it.ch ist Medienpartner der Gulp Freelancerstudie 2020.
An der Umfrage nahmen zwischen September 2019 und Februar 2020 insgesamt 440 IT- und Engineering-Freelancer aus der Schweiz teil. Die Studie kann von der Gulp-Website heruntergeladen werden

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