Afrika ans Internet

26. November 2014, 10:32
  • politik & wirtschaft
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Das Jungunternehmen YooMee will Länder auf dem schwarzen Kontinent vernetzen. Bisher in Kamerun und Côte d'Ivoire - Ghana folgt in Kürze.

Das Jungunternehmen YooMee will Länder auf dem schwarzen Kontinent vernetzen. Bisher in Kamerun und Côte d'Ivoire - Ghana folgt in Kürze.
"Nur meine Frau nennt mich Herr Bar-Gera", stellt sich der gebürtige Israeli vor. Dov Bar-Gera (Bild) lebt seit zwanzig Jahren mit seiner Frau Anat Bar-Gera an der Zürcher Goldküste. Die beiden wissen, was es heisst, ein Business aufzuziehen. Sie haben bereits fünf oder sechs Unternehmen im Bereich Telekommunikation gegründet. "Ich liebe es, neue Unternehmen zu starten", sagt der kräftige Mann in einem nicht akzentfreien, aber sehr wortgewandten Deutsch. 2007 hatte er sich eigentlich zur Ruhe gesetzt. Freunde schenkten ihm deshalb eine Golftasche. Sein Ziel: Single Handicap (für die, die den Golfslang nicht kennen). Einstellig blieben aber nur die Stunden, die er auf dem Platz verbracht hat. Es war also noch nicht Zeit, sich zur Ruhe zu setzen. Stattdessen startete Dov zusammen mit seiner Frau 2009 ein weiteres Unternehmen. YooMee Africa.
In Afrika gibt es die gleichen Bedürfnisse wie überall auf der Welt: Sicherheit, Gesundheit und Kommunikation. Um Letzteres will sich YooMee kümmern. Die Grundidee? "Viel Geld für Investoren - wir sind ja keine NGO", sagt der Firmen-CEO mit einem Augenzwinkern. Sein jüngstes Unternehmen bietet High-Speed-Internet an, also 4G/LTE, für Unternehmen und Privatpersonen südlich der Sahara.
Andere Länder, andere Sitten
2011 wurde das Mobilfunknetz in Kamerun aufgebaut, der Internet-Provider YooMee beschäftigt bereits rund 120 Personen vor Ort. Zurzeit gibt es 30'000 bezahlende Kunden, die im Durchschnitt 12 Euro pro Monat ausgeben, erzählt der YooMee-CEO. Dabei beträgt die Bandbreite nur 640 Kilobit pro Sekunde, und das Volumen liegt bei rund 6 Gigabyte pro Monat pro Person. Ein Problem in Kamerun sei, dass die Regierung ein Monopol bei der Vergabe von Bandbreite halte - deshalb seien die Kosten horrend. Zum Vergleich: In Kamerun wird für die internationale Internet Bandbreite pro Megabit/s 400 Euro pro Monat bezahlt, in der EU sind es lediglich 3 bis 7 Euro. Die Infrastruktur hat vor drei Jahren das Unternehmen Alvarion aufgebaut, die nun aber bereits veraltet ist. Deshalb lanciert YooMee im nächsten Jahr eine Ausschreibung, um einen Hersteller für die nächste Technologie-Generation zu finden. Dov tippt auf Alcatel-Lucent. Noch verdient YooMee in Kamerun nichts. "Wir hatten in diesem Jahr aber die ersten profitablen Monate. Ab Ende Jahr rechne ich damit, schwarze Zahlen zu schreiben."
Im 1'500 Kilometer entfernten Côte d'Ivoire sieht die Begebenheit wieder anders aus. "Die Elfenbeinküste ist für uns viel interessanter", sagt Dov Bar-Gera. Seine Hände liegen übereinander auf dem Tisch. Seine Stimme ist stark und bestimmt, die Antworten kommen schnell. Eine gewisse Routine erkennt man schnell.
Côte d'Ivoire ist aus zwei Gründen spannender: Zum einen ist die Bandbreite viel günstiger als in Kamerun, da die Regierung kein Monopol hat. Zum anderen ist das Interesse der Bevölkerung am Internet viel grösser. YooMee hat in diesem Jahr die 4G-Infrastruktur mit Alcatel-Lucent aufgebaut, und zählt bereits 35 Mitarbeitende vor Ort. Die Geschwindigkeit an der Elfenbeinküste ist mit der hierzulande zu vergleichen: Die Übertragungsgeschwindigkeit liegt bei 5 Megabit pro Sekunde und im Durchschnitt werden bis zu 25 Gigabyte genutzt.
Zurzeit baut YooMee weiter aus. "Die Regierung von Ghana hat uns bereits die Lizenz erteilt, um ein Netz aufzubauen", freut sich Dov. Seit er dieses Unternehmen gegründet hat, verbringt er viel Zeit auf dem Kontinent. Er mag das Essen dort - vor allem das Thailändische.
Nun laufen die Vorbereitungen im Nachbarland von Côte d'Ivoire: Management rekrutieren, Ausschreibung für die Infrastruktur, Räumlichkeiten... das dauert alles. Die Niederlassung soll aber im ersten Quartal 2015 eröffnet werden.
Nun noch das Internet füllen
"Wir betreiben keine Entwicklungshilfe", stellt Dov schnell einmal klar. "Wir investieren in die Region und schaffen Arbeitsplätze." In welchen Ländern das Ehepaar Bar-Gera mit YooMee investiert, entscheiden sie an Hand von makroökonomischen Faktoren. So muss das Land über 20 Millionen EinwohnerInnen vorweisen, das Wachstum höher sein als 4 Prozent und ein Meereszugang haben. Letzteres für die Nähe zu den Unterseekabeln.
Dov Bar-Gera hofft auf einen Internet-Boom in Afrika. Dafür braucht es aber nicht nur das Netz, sondern auch den Inhalt. "In Afrika gibt es fast keinen lokalen Inhalt im Internet," sagt Dov weiter. Um dagegen zu halten, unterstützt YooMee auch Online-Projekte, die Internet-Nutzer in Afrika dazu bringen sollen, lokale Inhalte herzustellen. Wie beispielsweise www.ici.cm - ein interaktiver Stadtführer für die zwei grössten Städte Kameruns Douala und Yaoundé. Auf dieser Plattform können sich Unternehmen vor Ort registrieren und Profile hinterlegen. Oftmals ist das für die Geschäfte der erste Schritt ins Internet. (Linda von Burg)

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