Alle gegen Blackberry

5. August 2010, 12:58
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Research in Motion will den Emiraten und Saudiarabien keinen Zugriff auf SMS- und E-Mail-Nachrichten ihrer Kunden geben. Derweil verbietet die deutsche Bundesregierung die Nutzung der Smartphones.

Research in Motion will den Emiraten und Saudiarabien keinen Zugriff auf SMS- und E-Mail-Nachrichten ihrer Kunden geben. Derweil verbietet die deutsche Bundesregierung die Nutzung der Smartphones.
Der kanadische Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) will dem Druck der Regierungen der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudiarabien nicht nachgeben und diesen keinen Zugang zu den via Blackberry verschickten SMS- und E-Mail-Nachrichten ihrer Kunden geben. Wie Mike Lazaradis, Gründer und Co-Chef von RIM, in einem Interview sagte, würden die Kundenbeziehungen des Herstellers massiv beeinträchtigt, wenn man den Regierungen Zugriff auf die Daten geben würde. "Wir werden das nicht aufs Spiel setzen", zitiert ihn die 'New York Times'. Wer starke Verschlüsselung verbieten wolle, müsse auch Firmen, Banken und das Internet schliessen. Schliesslich, so Lazaradis weiter, würde dieselbe Verschlüsselung auch für Teleconferencing, E-Commerce-Transaktionen und den elektronischen Geld-Transfer genutzt.
Zu sicher…
Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch Saudiarabien wollen die Kommunikation über das Business-Smartphone Blackberry verbieten, weil sie auch bei begründetem Verdacht auf eine Straftat keinen Einblick in verschlüsselt versandten Daten des Handys haben. Dies teilten die beiden Regierungen übers Wochenende mit. Die Emirate wollen die Kommunikationsfunktionen von Blackberry ab 11. Oktober verbieten. Saudiarabien will dies bereits ab morgen Freitag tun. Auch die Regierungen von Ägypten, Bahrain, Kuwait, Indien und Indonesien haben bereits Bedenken über die verschlüsselte Kommunikation via Blackberry angemeldet.
...oder doch zu unsicher?
Während in arabischen Ländern Blackberrys also als zu sicher wahrgenommen werden, betrachtet die deutsche Regierung die Smartphones offenbar als unsicher und verbietet ihren Angestellten den Gebrauch der Geräte. Davon betroffen sind aber nicht nur die Handys von RIM, sondern auch das iPhone von Apple. Auf der Liste der erlaubten Smartphones, mit denen weiterhin Daten verschickt werden können, befindet sich allerdings nur ein einziges Gerät - das auch "Merkel-Phone" genannte Simko2 von T-Systems.
Einer der Gründe für das Blackberry-Verbot der deutschen Regierung dürfte in den Standorten der Rechenzentren von RIM liegen. Diese stehen in Kanada, den USA und Grossbritannien. Nicht nur in Deutschland werden deshalb immer wieder Bedenken geäussert, wonach die dortigen Regierungen damit Zugriff auf die Datenströme der Blackberrys haben könnten. (Thomas Bruehwiler)

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