Alle wollen "Unified Communications"

24. Juni 2008, 12:39
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Die Zentralisierung der Kommunikation auf PC-Netzwerken und in PC-Software wird zur Goldgrube für IT-Anbieter. Doch aufgepasst: Die Einführung von "Unified Communications" ist heikel.

Die Zentralisierung der Kommunikation auf PC-Netzwerken und in PC-Software wird zur Goldgrube für IT-Anbieter. Doch aufgepasst: Die Einführung von "Unified Communications" ist heikel.
Lange sprach man in technischen Begriffen. Wenn es um die neue Welt der fernmündlichen Kommunikation ging, sprach man von "VoIP" (Voice-over-IP) oder von CTI (Computer Telephony Integration). Heute heisst das Ding "Unified Communications" und ist ein reif werdender, rasch wachsender Markt in der Schweiz. Glatt 640 Millionen Franken geben Schweizer Unternehmen im laufenden Jahr für Lösungen im Umfeld von "Unified Communications" aus. Diese Zahl präsentierte heute morgen Philipp Ziegler vom renommierten Schaffhauser Marktforschungsinstitut MSM Research im Rahmen einer Medienveranstaltung.
Der Markt für Produkte und Dienstleistungen im Umfeld von "Unified Communications" wächst rasant. Von 2007 auf 2008 legte er um 12,9 Prozent zu. Am stärksten, nämlich um 25,2 Prozent, wuchs die Nachfrage nach IP-basierten Telefonvermittlungsanlagen (IP PBX). Auch die Nachfrage nach hybriden Telefonanlagen, die sowohl an das konventionelle Telefonienetzwerk wie auch an IP-basierte Netze angeschlossen werden, wächst mit 23,1 Prozent sehr stark.
Das Wachstum für Produkte und Dienstleistungen für die Integration der Kommunikationskanäle Sprache, Video, Mail und Instant Messaging auf einer Client-Server-Plattform hält weiterhin an. Nächstes Jahr werden die Schweizer Firmen schon wieder 11,4 Prozent mehr Geld für "Unified Communications" ausgeben. Und endlich wird auch Microsoft profitieren: Um 24 Prozent sollen die Ausgaben für UC-Software, wie etwa Microsofts Office Communications Server, wachsen.
Hohe Zeit für Outsourcing-Dienstleister
"40 Prozent der Unternehmen, die Systeme für UC einführen wollen, entscheiden sich für Managed Services oder hosted Telefonie," erläuterte Ziegler. Der Grund dafür, dass viele Firmen ihre Server-basierten Telefonanlagen entweder von externen betreuen lassen oder ganz auslagern, liegt in den hohen Anforderungen an das technische Wissen der Systembetreuer. Die nötigen Fähigkeiten sind schwierig aufzubauen und zu halten.
Totale Kontrolle?
Die Nachfrage nach Lösungen und Dienstleistungen für UC wird noch einige Jahre anhalten. Für 86 Prozent der Schweizer Unternehmen ist UC "ein Thema", so MSM. Und knapp ein Drittel aller Unternehmen will bis spätestens 2010 eine intergrierte Kommunikationslösungen einführen.
Doch die Einführung von UC hat ihre Tücken. Features wie der "Presence Manager" könnten zwar die Produktivität in Büroumgebungen positiv beeinflussen, aber auch Mitarbeitende durch das Gefühl der dauernden Überwachung demotivieren. So teilen denn auch 75 Prozent der Unternehmen in der Schweiz die Einschätzung, dass die Einführung einer UC-Lösung viel Zeit und Investitionen in die Schulung der Mitarbeitenden benötigt.
Die wichtigste Hemmschwelle für Investitionen in die integrierte Kommunikation liegt aber nicht bei den Mitarbeitenden, sondern in der rasanten Veränderung des Kommunikationsverhaltens. 60 Prozent der Unternehmen antworten "Kommunikationsbedürfnisse und -Verhalten sind noch unklar", wenn man sie nach den Hemmschwellen für UC-Einführung fragt. Und UC ist nicht billig: 55 Prozent nennen die Kosten einen Hinderungsgrund, 42 Prozent die Komplexität der Lösungen und/oder der Integration.
Die mangelnde Akzeptanz der Benutzer (gemäss Ziegler geht es da immer um Software, die die Präsenz aller Mitarbeitenden anzeigt) wird gleich gewichtet wie die fehlende Reife der Angebote. Je ein Viertel finden diese beiden Gründe einen Hinderungsgrund für die Einführung einer UC-Plattform.
Gewaltige Investitionen in die Infrastruktur
Über die Hälfte der oben genannten 640 Millionen Franken, die dieses Jahr in der Schweiz für UC ausgegeben werden, entfallen auf Dienstleistungen. 26,4 Prozent entfallen auf Systemintegration und über 31 Prozent auf Hosted Telefonie. Doch der Markt ist eigentlich noch grösser. Denn überall, wo eine integrierte Kommunikationslösungen, egal von welchen Anbietern (Nortel, Cisco, Siemens, Microsoft, Alcatel-Lucent, ...), eingeführt werden, werden zusätzliche Investitionen in die Netzwerkinfrastruktur (Router, Switches, Kabel) fällig. (Christoph Hugenschmidt)

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