Alles nur noch Oracle (oder was)?

28. Januar 2010, 16:47
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Die Oracle-Oberen versprechen der Kundschaft nach dem definitiven Kauf von Sun das "IT-Paradies auf Erden": Alles wird schneller, billiger, besser. Doch wollen die Kunden alles von Oracle?

Die Oracle-Oberen versprechen der Kundschaft nach dem definitiven Kauf von Sun das "IT-Paradies auf Erden": Alles wird schneller, billiger, besser. Doch wollen die Kunden alles von Oracle?
Gestern ging der Kauf von Sun Microsystems durch den US-Software-Riesen Oracle definitiv über die Bühne und der Handel mit den Aktien von Sun wurde eingestellt. Da alle rechtlichen Hürden überwunden sind und Sun nun ganz Oracle gehört, konnte die Oracle-Chefetage nun genaue Pläne für die Zukunft des Konzerns bekannt geben. An der Detailliertheit hat es in der Tat nicht gefehlt. Während total vier Stunden (!) erläuterte das Oracle-Management sein Absichten als künftig kombinierte Hardware-Software-Firma.
Klar wurde gestern, dass Oracle keineswegs plant, das Sun-Portfolio auf ein paar wenige "Rosinen" einzudampfen. Auch die befürchteten Massenentlassungen sollen nicht stattfinden. Oracle-Gründer Larry Ellison nannte entsprechende Berichte "Abfall" und "völlig verantwortungslos". Man werde doppelt so viele neue Verkäufer für Sun einstellen, nämlich ungefähr 2000, als es Entlassungen geben werde, so Ellison. Und man werde die Sun-Verkäufer erst noch zu den "am besten bezahlten der Industrie" machen.
Oracle-President Charles Phillips seinerseits sagte, Oracle werde die Investitionen in Forschung und Entwicklung massiv aufstocken. Statt 2,8 Milliarden Dollar (GJ 09) werde Oracle im nächsten Geschäftsjahr, das am 1. Juni beginnen wird, 4,3 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung ausgeben.
Alles schneller, besser, billiger und ...
Sowohl Charles Phillips wie auch Larry Ellison betonten gestern Abend, dass Oracle nun einen kompletten "Technologie-Stapel" besitze und die Kunden davon massiv profitieren würden.
Tatsächlich kann Oracle nun vom Speicher (und zwar Storage, Backup und Archiv - selbst die Tape-Archivsysteme von StorageTek wurden gebührend gelobt) über Server, Betriebssystem, Datenbank und Middleware bis hin zu den Applikationen alles aus einer Hand anbieten. Für die Kunden wird dies, glaubt man Oracle, nur segensreiche Auswirkungen haben. Diese integrierten Maschinen-Software-Pakete sollen x-fach mehr Leistung zu einem tieferen Preis bieten. Die Integration der Lösungen soll schneller, einfacher und mit weniger Risiken möglich sein und zu guter Letzt soll auch der Support schneller und billiger, da aus einer Hand geliefert, werden.
Doch Oracle will nicht nur Gesamtlösungen anbieten, sondern auch weiterhin einzelne Komponenten, wie Larry Ellison betonte. Einmal mehr versprach er, dass die Open-Source-Datenbank MySQL weiterentwickelt und verbessert werde und er betonte, dass auch die Oracle-Datenbank "die beste" auch beim Einsatz auf anderen Maschinen bleiben solle. Selbst der SPARC-Chip, dessen Zukunft fraglich erscheint, solle der "beste Chip der Welt" werden.
Trotzdem wurde aber aus der Präsentation von Suns Engineering-Chef John Fowler klar, dass die "neue Sun" sich auf die Entwicklung von Anwendungs-spezifischer Hardware, so genannte Appliances, konzentrieren wird. So wird die Entwicklung von Servern für Windows und von Servern für KMU eingestellt, wie Fowler sagte. Investiert wird hingegen in das Betriebssystem Solaris, in das Filesystem ZFS sowie eben auch in den SPARC-Chip.
... mehr Profit für Oracle
Trotz der massiv erhöhten Investitionen in Entwicklung soll Sun "vom ersten Monat an" Profite beitragen, sagte Ellison. Errreicht werden soll dies durch vermehrten Direktverkauf (siehe separaten Artikel dazu) durch eine radikale Vereinfachung der Supply Chain und eine Vereinheitlichung des Kundensupports.
Tatsächlich hat Oracle in der Vergangenheit gezeigt, dass der Konzern komplexe und sogar feindlich eingestellte (Peoplesoft) Firmen integrieren kann, ohne allzu viele Kunden zu verlieren und gleichzeitig die Marge steigern kann.
Wollen die Kunden so viel Abhängigkeit?
Die grosse Frage wird sein, ob es den Oracle-Kunden, wozu in der Schweiz wohl alle mittleren und grossen Firmen und Organisationen gehören, gefallen wird, einen so grossen Teil ihrer IT-Investitionen bei Oracle zu tätigen.
Zwar leuchtet ein, dass die künftigen Maschinen-Software-Pakete gerade für mittelgrosse und grosse Systeme enorme Vorteile in Sachen Performance und Kosten bringen können. Doch ist Oracle nicht speziell für übertrieben pfleglichen Umgang mit der Kundschaft bekannt und zeigt beispielsweise wenig Gnade mit unterlizenzierten Kunden. Doch werden Kunden, die einen der künftigen hochintegrierten "Stacks" vom "Blech" bis hin zur Applikation von Oracle erwerben, den Anbieter nicht leicht und nicht ohne massive Zusatzkosten wechseln können.
Entscheidend für das Gelingen der Sun-Übernahme wird also sein, ob Oracle den Kunden so viele Vorteile bieten kann, dass sie über den Nachteil der Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten hinwegsehen. Darüber war man sich selbst am gestrigen Medienanlass von Oracle Schweiz einig. (Christoph Hugenschmidt)

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