Also ruft nach Preiserhöhungen

16. Februar 2009, 14:48
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Der paneuropäische Distributor Also verliert weniger Geld als erwartet. Um Preiserhöhungen durchzusetzen, wird Also auch Marktanteile riskieren.

Der paneuropäische Distributor Also verliert weniger Geld als erwartet. Um Preiserhöhungen durchzusetzen, wird Also auch Marktanteile riskieren.
Heute Morgen präsentierte der Distributor Also an der Bilanzmedienkonferenz die Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr. Hauptthema war allerdings nicht der Geschäftsgang der Vergangenheit sondern derjenige der Zukunft. Also-Chef Thomas Weissmann plädierte mehrfach und eindringlich für ein Umdenken in der Branche. Statt von Stückzahlen solle man von Werten reden, so Weissmann. Er untermauerte Gesagtes mit einem interessanten Zahlenbeispiel: Der Markt für Business-Notebooks ist nämlich seit dem Jahr 2000 in der Schweiz in Stückzahlen zwar gewachsen, in Franken aber massiv, von 816 auf 649 Millionen Franken geschrumpft.
Höhere Transportkosten (Schwerverkehrsabgabe!), die teurere Finanzierung und die geringere Marge wegen den tieferen Preisen würden Preiserhöhungen unumgänglich machen, so Weissmann. Die Händler müssten diese Preiserhöhungen (Weissmann sprach von 0,5 Prozent) selbst noch aufstocken und an ihre Kunden weitergeben.
Weissmann ist entschlossen, die angekündigten Preiserhöhungen mitten in der Krise und auch zum Preis des Verlusts von Marktanteilen durchzusetzen. "Wenn es bedeutet, dass das Geschäft schrumpft, nehme ich das in Kauf", so Weissmann.
Also weiterhin stark in Deutschland und der Schweiz
Der paneuropäische (Deutschland, Schweiz, Norwegen, Finnland, Baltikum) Distributor setzte letztes Jahr 4,85 Milliarden Franken um und konnte damit den Umsatz doch noch steigern. Unter dem Strich verlor der Konzern 11 Millionen Franken, statt wie im Dezember angekündigt deren 20. Klammert man die Kosten der Schliessung der Niederlassungen in Polen und Schweden aus, so hätte aber ein Gewinn von 23,4 Millionen Franken herausgeschaut.
Im Kernmarkt Deutschland/Schweiz konnte Also trotz massivem Preiszerfall den Umsatz um 12 Prozent auf 3,1 Milliarden Franken steigern. In der Schweiz ist es dem hierzulande unangefochtenen Marktführer sogar gelungen, den Betriebsgewinn zu steigern und dabei den Umsatz zu halten. In Deutschland fällt das weiterhin rasante Wachstum von Also auf. Offenbar gelingt es Also weiterhin, von den Fehlern der Konkurrenz im grossen Kanton zu profitieren.
Zu den weiterhin sehr guten Zahlen in den Stammlanden von Also kommt hinzu, dass es den Finanzkünstlern gelang, die Schulden und die Lagerbestände massiv zu reduzieren und den Cash-Bestand um 80 Millionen Franken zu erhöhen.
Einbruch im Baltikum: Wieviel wert ist GNT?
Einen brutalen Konjunktureinbruch erleben zur Zeit die baltischen Länder. Die PC-Absätze brachen im vierten Quartal regelrecht ein. Der Umsatz von Also sank entsprechend um 21 Prozent, wobei noch ein "angemessener Gewinn" herausgeschaut habe.
Die Übernahme des finnischen Distributors GNT hat Also bisher kein Glück gebracht. Zusammengezählt hat GNT dem Konzern bisher -Verluste von über 60 Millionen Franken beschert. Rechnet man den Kaufpreis von GNT dazu, so kostete Also die "Paneuropäisierung" gut und gerne 200 Millionen Franken. Trotzdem steht GNT noch mit einem immateriellen Wert (Goodwill + Markenname) von knapp 80 Millionen Franken in der Also-Bilanz. Dies ist, so liessen wir uns von Also-Finanzchef Hans Wyss erklären, gemäss den Buchhaltungsregeln nach IFRS korrekt und enthält sogar noch eine gewisse Reserve.
Düstere Aussichten
Für das laufende Jahr machte Weissmann nur sehr vage Voraussagen. Er rechnet mit einem Umsatz von ungefähr vier Milliarden Franken, was immerhin einen Rückgang des Umsatzes gegenüber 2008 (inkl. Polen und Schweden) um fast ein Viertel entsprechen würde. Zudem soll "ein Konzerngewinn" in völlig unbekannter Höhe herausschauen.
Für die Angestellen des als guten Arbeitgebers bekannten Distributors sind das keine guten Zeichen. Man werde wohl auch in der Schweiz die Zahl der Stellen reduzieren müssen, sagte uns Finanzchef Wyss am Rande der Veranstaltung. Entlassungen wolle man aber womöglich vermeiden, so Wyss. (Christoph Hugenschmidt)

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