Also schreibt Verlust und zieht sich aus Polen zurück

28. Oktober 2008, 10:57
image

Der Distributor erwartet nur noch einen Jahresgewinn von 3 bis 4 Millionen Franken. Polnische Niederlassung wird geschlossen, Schweden vielleicht auch. In der Schweiz stieg der Umsatz, doch auch hierzulande ist mit "Preisanpassungen" zu rechnen.

Der Distributor erwartet nur noch einen Jahresgewinn von 3 bis 4 Millionen Franken. Polnische Niederlassung wird geschlossen, Schweden vielleicht auch. In der Schweiz stieg der Umsatz, doch auch hierzulande ist mit "Preisanpassungen" zu rechnen.
Der Also-Konzern hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres zwar Umsatz und Betriebsgewinn gesteigert, doch unter dem Strich blieb ein Minus von 300'000 Franken (verglichen mit einem Verlust von 100'000 Franken im Vorjahr). Den Verlust führt Also auf die um rund 4 Millionen Franken gestiegenen Finanzierungskosten (+17%) und höhere Steuern zurück.
Jahresprognose gesenkt
Von Januar bis September stieg der Umsatz in den neun Ländern, in denen Also aktiv ist, um 7,8 Prozent von 3,5 auf 3,8 Milliarden Franken. Der Betriebsgewinn (EBIT) wuchs um 15,6 Prozent von 25 auf 28,9 Millionen Franken. Allein im dritten Quartal stieg der Umsatz zwar um 4 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken, doch resultierte ein Verlust von 2,4 Millionen Franken nach einem Plus von 7,6 Millionen im Q3 des Vorjahres.
Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage rechnet der Distributor mit einem schwachen vierten Quartal und erwartet nun für 2008 einen Konzerngewinn von 3 bis 4 Millionen Franken. Noch vor drei Monaten hatte Also die Gewinnprognose halbiert und ein Konzernergebnis von 15 bis 17 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Für das Gesamtjahr rechnet Also mit einem Umsatz von "leicht über 5 Milliarden Franken".
Polen dicht, Schweden vielleicht auch
Also hat nun einen neuen "Massnahmenplan" angekündigt, der unter anderem die Schliessung der polnischen Tochtergesellschaft beinhaltet. Die Niederlassung in Polen habe "keine Aussicht, mittelfristig zu den führenden Distributoren aufzuschliessen und sich so eine nachhaltige Profitabilität zu sichern", heisst es in der Mitteilung zu den Quartalszahlen. Der Disti wird sich deshalb noch vor Jahresende aus Polen zurückziehen. Von der Schliessung sind rund siebzig Mitarbeitende betroffen. Die Kosten für Also dürften 3 bis 4 Millionen Franken betragen und werden der Jahresrechnung 2008 belastet. Gesamthaft ging der Umsatz in Osteuropa (Estland, Lettland, Litauen und Polen) in den ersten neun Monaten um 13 Prozent zurück und auch der Betriebsgewinn war tiefer als im Vorjahr.
Ebenfalls düster sieht es in Schweden aus, wo der Betriebsverlust gegenüber dem Vorjahr zwar stark zurückging, die "kritische Grösse" aber nicht erreicht werden konnte. Für die schwedische Niederlassung, die rund hundert Personen beschäftigt, werden zurzeit verschiedene Optionen einschliesslich einer Stilllegung evaluiert. In Norwegen, wo in den vergangenen Monaten ebenfalls Probleme aufgetaucht waren, hat sich die Situation hingegen verbessert. In Finnland ist Also die klare Nummer eins. Insgesamt stieg der Umsatz in den drei nordischen Ländern um 3 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken. Nach einem deutlichen Betriebsverlust im Vorjahr resultierte in dieser Region in den ersten neun Monaten ein kleiner Betriebsgewinn.
"Preisanpassungen" auch in der Schweiz
In der Schweiz und in Deutschland steigerte Also den Umsatz um 15 Prozent auf 2,2 Milliarden Franken. Der leicht gesunkene Betriebsgewinn ist vor allem auf die schwierige Marktsituation in Deutschland zurückzuführen, obwohl auch in der Schweiz das Unternehmen mit dem Preisverfall zu kämpfen hat. Wie Also-Chef Marc Schnyder gegenüber inside-channels.ch sagt, konnte Also Schweiz im dritten Quartal den Umsatz steigern, zur Gewinnsituation machte er keine Angaben.
In der Mitteilung heisst es weiter, dass alle Konzerngesellschaften angewiesen wurden, "aufgrund der stark gestiegenen Transportkosten in Zukunft die Frachtkosten konsequent und verursachungsgerecht an den Handel zu belasten." In der Schweiz ist diese Anpassung vor wenigen Monaten bereits geschehen. Also will zudem in allen Ländern prüfen, welche Preisanpassungen notwendig sind, um den stark gefallenen Durchschnittspreisen sowie den deutlich gestiegenen Finanzierungskosten entgegenzuwirken.
Wie Schnyder sagt, wird unter anderem geprüft, welche Produktlinien unrentabel sind. Produkte etwa, mit denen Also einen Durchschnittspreis von 20 bis 30 Franken generiert, dürften auf der Kippe stehen. Eine solche Anpassung wird zwangsläufig dazu führen, dass Also sich noch mehr auf "high-endige" Produkte konzentrieren wird, die nicht nur einen höheren Umsatz, sondern auch bessere Margen garantieren. Zudem will Also den Dienstleistungsbereich weiter forcieren. (Maurizio Minetti)
(Interessenbindung: Also ist als "Gold Sponsor" ein wichtiger Kunde unseres Verlags.)

Loading

Mehr zum Thema

image

Autonomer Päckli-Roboter kommt 2023 in die Schweiz

Der Loxo Alpha soll künftig Pakete auf Abruf liefern. Ein Testversuch in der Schweiz soll im Frühling 2023 starten. In welcher Region ist allerdings noch unklar.

publiziert am 7.12.2022
image

Deutschland testet Warnsystem Cell Broadcast

Die Schweiz spricht seit einem Jahr davon – passiert ist allerdings noch nichts. Andere EU-Staaten haben das System schon produktiv im Einsatz.

publiziert am 7.12.2022
image

Ostschweiz sucht das Digitalprojekt des Jahres

Noch bis Mitte Februar können Ostschweizer Unternehmen ihre Projekte einreichen. Die Gewinner werden an der Leader Digital Award Night am 4. Mai bekannt gegeben.

publiziert am 6.12.2022
image

Neuer Name und viel Geld für VRM Switzerland

Der Schweizer Anbieter von Flugsimulationen auf Basis von Virtual Reality erhält in einer Finanzierungsrunde 20 Millionen Dollar. Künftig tritt VRM unter neuem Namen auf.

publiziert am 5.12.2022