Also übernimmt GNT ganz

26. Mai 2008, 17:05
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Der Schweizer Distributions- und Logistikonzern Also übernimmt zum erstmöglichen Zeitpunkt die restlichen 49,9 Prozent der Anteile an der skandinavisch-osteuropäischen GNT-Gruppe.

Der Schweizer Distributions- und Logistikonzern Also übernimmt zum erstmöglichen Zeitpunkt die restlichen 49,9 Prozent der Anteile an der skandinavisch-osteuropäischen GNT-Gruppe. Also bezahlt 75,5 Millionen Franken. Für die vor knapp zwei Jahren übernommene Mehrheit von 50,1 Prozent hatte Also 57,7 Millionen Franken bezahlt.
Der Preis für die zweite Tranche überrascht, hat Also doch beim ursprünglichen Deal ein "Earn-Out"-Modell vereinbart, bei dem der Preis für die zweite Hälfte der Aktien von GNT von der Gewinnentwicklung abhängig machte. GNT machte aber letztes Jahr wegen Problemen bei den Niederlassungen in Norwegen und Schweden einen Verlust nach Steuern von 4,7 Millionen Franken und produzierte bereits im letzten Quartal 2006 Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Offenbar gab es aber auch noch zusätzliche, nicht veröffentlichte Vertragsbedingungen, die Also dazu bewogen, einen für beide Seiten akzeptablen Preis zu bieten.
Der Gesamtpreis von ungefähr 138 Millionen Franken (inklusive Übernahmekosten) lässt sich in den Augen von Also-Chef Thomas Weissmann rechtfertigen. Er erwartet von der GNT-Gruppe einen künftigen Gewinnbeitrag von 15 bis 20 Millionen Franken, womit man auf ein Preis-Gewinnverhältnis von 7 bis 9 kommt. Dies ist, so Weissmann zu inside-channels.ch, im Branchenvergleich nicht teuer.
Sofortige Machtübernahme, Ende der Interessenkonflikte
Für Thomas Weissmann steht ein weiterer Aspekt im Vordergrund. Die Übernahme der zweiten Tranche der GNT-Anteile erlaubt es dem Innerschweizer Konzern, die Management-Kontrolle in der ganzen GNT-Gruppe sofort zu übernehmen. Damit fällt auch der Interessenkonflikt zwischen dem "alten" GNT-Management und Also weg. Der ehemalige GNT-Hauptaktionär Miko Pakkanen und seine Leute waren natürlich an möglichst hohen, raschen Gewinnen interessiert, um für die restlichen 49,9 Prozent der Anteile einen hohen Preis herauszuholen, während Also eher mittelfristige Ziele im Auge hat. Dieser Interessenkonflikt ist mit der Übernahme von 100 Prozent der GNT-Anteile durch Also nun beseitigt.
Die Formulierung in der heutigen Pressemitteilung, Also sichere sich mit dem Deal die "uneingeschränkte Handlungsfähigkeit ... für die unverzügliche Umsetzung von strategischen Massnahmen", lässt vermuten, dass der Also-Konzern demnächst neu gruppiert wird und es zu Wechseln im Management der ehemaligen GNT kommen wird. (Christoph Hugenschmidt)

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