Also und Actebis wollen fusionieren

13. August 2010, 09:14
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Also und Actebis sollen fusionieren. Schindler wird nur noch Minderheitsbeteiligung haben. Der neue paneuropäische Mega-Distributor will Tech Data und Ingram in Europa angreifen.

Also und Actebis sollen fusionieren. Schindler wird nur noch Minderheitsbeteiligung haben. Der neue paneuropäische Mega-Distributor will Tech Data und Ingram in Europa angreifen.
Also und der etwa ähnlich grosse, paneuropäische Distributor Actebis wollen fusionieren. Zusammen hätten die beiden Distributoren europaweit einen Umsatz von 6,4 Milliarden Euro und wären damit "auf Augenhöhe" (Also-Chef Thomas Weissmann) mit den beiden US-Distributionsriesen Tech Data (9 Milliarden Euro) und Ingram Micro (6,8 Milliarden Euro). Zusammen hätten die beiden Distributoren mehr als 3'400 Mitarbeitende. Beide Distributoren zusammen haben im ersten Halbjahr 2010 20 Millionen Franken Reingewinn erzielt.
Actebis befindet sich in Besitz der deutschen Beteiligungsgesellschaft Droege Capital während Also börsenkotiert ist, aber mit Schindler einen klaren Mehrheitsaktionär hat. Schindler hätte am Fusionsprodukt noch eine Minderheitsbeteiligung von 20 bis 40 Prozent, wie Bankanalysten schreiben.
Synergien in Deutschland?
Die Fusion von Also und Actebis würde relativ wenige Überschneidungen (mit einer grossen Ausnahme, siehe unten) mit sich bringen und den neuen Koloss in die Nummer 1-Position in vielen Ländern bringen. So wäre Also-Actebis der grösste Disti in Dänemark, Deutschland (!), Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Norwegen und der Schweiz und wäre auch in Frankreich als Nummer 3 ein valabler Player.
Die Frage ist allerdings, wie sich das Fusionsprodukt im wichtigen Markt Deutschland entwickelt, denn beide Player sind dort stark. Actebis-Chef Klaus Hellmich betonte an einer Pressekonferenz heute in Luzern, dass Also und Actebis in Deutschland nicht die gleiche Kundenstruktur haben. Actebis habe ungefähr 25'000 Fachhandelskunden, während Also schwerpunktmässig Warenhäuser und Fachmärkte beliefere.
Ruf nach mehr
Die Fusion steht noch vor einer ganzen Reihe von Hürden. So müssen die Wettbewerbsbehörden den Deal genehmigen, die Buchprüfung (due diligence) muss beide Besitzer-Firmen befriedigen und ein unabhängiger Berater muss feststellen, dass Also-Minderheitsaktionäre nicht benachteiligt werden.
Doch mit dem Fusionsprodukt und der Position als drittgrösster Distributor in Europa scheint man noch nicht zufrieden zu sein. Man sei mit 6,4 Milliarden Euro Umsatz sehr nahe an der Nummer 2 (Ingram). Das Ziel eines Tages die Nummer 2 zu werden und allenfalls sogar einmal die Nummer 1 (Tech Data) anzugreifen, sei "realistisch" so Weissmann. Mit der Fusion komme Also und Actebis in die "Champions League", so Weissmann weiter.
Zudem, so Weissmann, biete das Fusionsprodukt ein Umfeld, in dem sich auch andere Distributoren anschliessen könnten. Einige davon kennt Weissmann gut. Actebis-Also fehlt die Präsenz in Südeuropa, wo Esprinet, ehemaliger Partner in der Disti-Allianz EWG, stark ist.
Es sei wichtig, dass es für den europäischen Handel auch einen grossen europäischen und nicht nur US-amerikanische Firmen gebe, argumentierte Weissmann.
Viele Fragezeichen
Die Fusion wirft einige Fragezeichen auf. Ingram und Tech Data brauchten Jahre und verbrannten viele Millionen Dollar, bis sie ihre paneuropäische Struktur aufgebaut hatten. Auch Actebis hat eine lange und für die ehemaligen Besitzer (Otto Versand) teure Geschichte. Und selbst Also musste das Abenteuer der Expansion nach Osteuropa und Skandinavien teuer bezahlen.
Die Schweizer Börse reagierte heute positiv auf auf die geplante Fusion. Doch man muss sich fragen, warum die Fusion von Also und Actebis besser ablaufen soll, als all die bisherigen Übernahmen und Fusionen in der europäischen Distribution. (Christoph Hugenschmidt)

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