Amazon-Cloud von Pech (und offenen Fragen) verfolgt

10. August 2011, 15:56
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Software-Problem im Wiederherstellungsprozess im irischen Rechenzentrum von Amazon aufgetaucht. Und ein Bericht stellt Amazons Darstellung der Ursache des Ausfalls der europäischen Cloud in Frage.

Software-Problem im Wiederherstellungsprozess im irischen Rechenzentrum von Amazon aufgetaucht. Und ein Bericht stellt Amazons Darstellung der Ursache des Ausfalls der europäischen Cloud in Frage.
Für Amazon kommt es immer dicker. Der riesige Online-Buchhändler, der seinen Kunden auch dynamisch zugeteilte Rechen- und Speicherkapazitäten vermietet (Cloud-Computing) wird vom Pech verfolgt. So ist ein Software-Problem aufgetaucht, das die Wiederherstellung der Daten der Kunden, die vom Ausfall des Dubliner Rechenzentrums letzten Sonntag betroffen wurden, verzögert.
Amazon schrieb heute um 10.30 im "Service Health Dashboard" des EC2 Rechenzentrums in Irland, man mache "regelmässigen Fortschritt beim Herstellen von Recovery Snapshots für die Kunden." Ein Fehler in der Software, die unnötige Snapshots im "Elastic Block Store" entfernt, hat dazu geführt, dass einige Snapshots zuviel gelöscht worden sind. Dies könnte dazu führen, dass in einigen Fällen die allerneuesten Datenzustände vor dem Ausfall am Sonntag nicht mehr vorhanden sind oder dass, im allerschlimmsten Fall, sogar Daten verloren gegangen sind.
Gestern morgen fiel zudem auch noch ein US-amerikanisches Rechenzentrum von Amazon für kurze Zeit aus, was zum Ausfall von einigen bekannten Web-2.0-Services geführt hat.
Kein Blitz?
Doch damit nicht genug, denn Amazons Stromlieferant, ESB Networks, widerspricht nun der Darstellung des Cloud-Betreibers, wie die irische Online-Zeitung siliconrepublic berichtet.
Der Ausfall des Rechenzentrums sei nicht auf einen Blitzschlag zurückzuführen, sondern auf ein Problem in einem Unterwerk. Der Ausfall des Unterwerks habe sich am Sonntag-Nachmittag um 6.15 (irische Zeit) erreignet und die Stromzufuhr für das Rechenzentrum sei in weniger als einer Sekunde von einem anderen Unterwerk übernommen worden.
Zudem, so siliconrepublic, seien zu dieser Zeit in Dublin keine Blitze registriert worden. Dies widerspricht der Darstellung Amazons diametral. Der Cloud-Dienstleister hatte gesagt, ein Blitzschlag habe zu einer Explosion und anschliessend zu einem Brand in einem Transformatoren geführt (siehe Screenshot).
Normalerweise darf in einem modernen Rechenzentrum ein kurzer Stromausfall nicht zu Problemen führen, da diese mit riesigen USV-Anlagen (unterbrechungsfreie Stromversorgungen) ausgerüstet sind. (hc)

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