Amazon kauft Linux-"Benützungsrecht" - von Microsoft

23. Februar 2010, 10:42
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Microsoft bezahlen, auch wenn man nicht Microsoft benützt.

Microsoft bezahlen, auch wenn man nicht Microsoft benützt.
Amazon und Microsoft haben eine Vereinbarung getroffen, die sich um die Nutzung von Linux und anderer Open-Source-Software durch Amazon dreht. Der Handel, so Microsoft, decke einerseits Amazons E-Book-Reader "Kindle" ab, auf dem Open-Source-Software zusammen mit proprietärer Software von Amazon läuft, sowie Linux-Server, die Amazon betreibt. Im Rahmen des Deals bezahlt Amazon Microsoft eine gewisse Geldsumme, deren Höhe von den beiden Unternehmen allerdings nicht genannt wurde. Zusätzlich erhält Microsoft Lizenzen für einige Amazon-Technologien. Um welche Amazon-Patente es sich dabei genau handelt, wurde ebenfalls nicht bekannt gegeben.
Amazon bezahlt Microsoft nicht etwa Geld für Microsoft-Produkte, sondern für die Benützung von Open-Source-Software, und anerkennt damit, dass diese Microsoft-Patente verletzen könnte. Da Amazon die Kosten wiederum auf seine Kunden abwälzen dürfte, könnte man überspitzt sagen: Als Kindle-Käufer oder Betreiber eines Linux-Servers auf Amazons "EC"-Cloud-Plattform bezahlt man einen Obolus an Redmond, auch wenn man dabei kein Fitzelchen Software von Microsoft verwendet.
Amazon schützt sich durch das Abkommen vor allfälligen zukünftigen Patentklagen seitens Microsoft. Der Online-Shopriese Amazon hat sich in den letzten Jahren auch zu einem grossen IT-Anbieter gemausert, für den es wichtig ist, Linux- und andere Open-Source-Software ungestört verwenden zu dürfen. Neben Kindle ist beispielsweise auch der von Amazon betriebene Cloud-Computing-Service "EC2" eine Erfolgsgeschichte – und rund 90 Prozent der darauf laufenden virtuellen Server basieren auf Linux.
Klagen durch Microsoft hängen schon seit Jahren als drohender Knüppel über der Open-Source-Szene, deren prominente Vertreter weiter verneinen, dass Linux Patente des Softwareriesen verletze. Microsoft hat vor einigen Jahren aggresiv mit Patentklagen gedroht, hält sich mittlerweise aber verbal wieder viel stärker zurück.
Hinter den Kulissen scheinen aber die Anwälte weiterhin eifrig zu weibeln. Gemäss Microsoft wurden in den letzten Jahren schon mehr als 600 Lizenzabkommen im Stile des aktuellen Deals mit Amazon abgeschlossen. Zu den Open-Source-"Kunden" von Microsoft gehören beispielsweise bekannte Namen wie Apple, HP, LG Electronics, Nikon, Novell, Pentax, Pioneer, Samsung und Fuji Xerox.
Den Linux-Verfechtern stossen diese Patentabkommen natürlich sauer auf. "Ich weiss nicht, worum es bei diesem Handel gehen könnte, aussser darum, Unsicherheit rund um Linux zu schüren", kommentierte beispielsweise Jim Zemlin, Direktor der Linux Foundation, das aktuelle Abkommen von Microsoft und Amazon. (Hans Jörg Maron)

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