Analyse: Das Internet übersteht den Covid-19-Ansturm fast ohne Probleme

22. Juni 2020 um 15:44
  • international
  • it-dienstleister
  • workplace
  • channel
image

Laut einer Studie von DE-CIX gab es deutliche Traffic-Steigerungen, aber das Internet als Ganzes gesehen hielt dem Stand.

Die "beschleunigte Digitalisierung" als Folge der Corona-Pandemie zeigt sich deutlich in veränderten Mustern im Datenverkehr. Laut einer Analyse der Betreiber von DE-CIX ist der Datenverkehr am weltgrössten Internetknoten in Frankfurt am Main zu Spitzenzeiten um 10 Prozent auf 9,1 Terabit pro Sekunde gewachsen, an kleineren Internetknoten (gemessen am Datendurchsatz), wie zum Beispiel DE-CIX Düsseldorf, sogar um mehr als 20 Prozent. Insbesondere der Datenverkehr für Dienste, die im Home-Office benötigt werden, wie Skype oder Zoom, sei teilweise bis zu 100 Prozent gestiegen. Der Online- und Cloud-Gaming-Traffic steigerte sich um 50 Prozent.
Aber das Internet als ganzes, so das Fazit, hielt dem problemlos stand. Die Internetknoten seien im Allgemeinen trotzdem nur zu etwa 50 Prozent ausgelastet.
Probleme gebe es, wenn überhaupt, am ehesten in Teilbereichen wie den Endkundennetzen, also bei den Providern, die den Endanschluss zur Verfügung stellen. Aber nicht unbedingt wegen schwächlicher Providernetze, sondern am ehesten, weil die Endkunden nun für ihre gestiegenen Ansprüche zu wenig breitbandige Abonnemente haben. An ihre Grenzen stiessen teilweise auch die Netze der Anbieter von Online-Services.

Jahrelanger Trafficanstieg hat Netzbetreiber vorbereitet

Aber eben, insgesamt habe das Internet dem Ansturm der letzten Wochen "erstaunlich gut standgehalten". Eine mögliche Erklärung: Schon in den vergangenen Jahren habe man kontinuierlich ein erhebliches globales Wachstum im weltweiten Datenverkehr bewältigen müssen. Die Internetindustrie habe deshalb nun lediglich ein bereits antizipiertes, wenn auch vorzeitig aufgetretenes Wachstum "abfedern" müssen.
DE-CIX hat auch noch einige interessante Details zu veränderten Internetgewohnheiten veröffentlicht. So sei der von Collaboration-Tools verursachte Traffic unter der Woche deutlich angestiegen. Aber es werde offensichtlich nun an Arbeitstagen auch mehr gespielt. Üblicherweise sei der von Online-Spielen verursachte Traffic am Wochenende deutlich höher als an Wochentagen. Seitdem das öffentliche Leben eingeschränkt wurde, könne man aber sehen, dass die Game-Nutzung unter der Woche deutlich näher ans Wochenendniveau gerückt sei. Es scheine gegenwärtig mehr Zeit für Spiele zu bleiben, vor allem zusätzlich unter der Woche. Ähnliche Phänomene habe man auch in anderen Ländern beobachtet.
Die grösste Verschiebung aber habe in den späten Abend-, beziehungsweise sehr frühen Morgenstunden stattgefunden. Es gebe bis zu 20 Prozent mehr Datenverkehr als vor der COVID-19 Krise zwischen 0 und 2 Uhr nachts. Dies lasse vermuten, dass deutlich mehr Nutzer morgens länger schlafen können und deshalb abends und nachts das Internet länger nutzen.

Loading

Mehr erfahren

Mehr zum Thema

image

EU stellt Fragen, Broadcom macht Zugeständnisse

Nach Beschwerden von Usern und Providern hat die EU Fragen an Broadcom geschickt. Der Konzern reagierte mit einem leichten Zurückkrebsen.

publiziert am 16.4.2024
image

Salesforce will angeblich Informatica übernehmen

Derzeit laufen gemäss Berichten Gespräche über einen allfälligen Kauf. Es wäre die grösste Übernahme von Salesforce seit der Akquisition von Slack im Jahr 2020.

publiziert am 15.4.2024
image

Untersuchung findet keine Finanzmanipulationen bei Temenos

Der Bericht zur Untersuchung widerspricht den Vorwürfen, die ein Investmentunternehmen im Februar gemacht hat.

publiziert am 15.4.2024
image

Heisst Klara bald E-Post?

Wie inside-it.ch erfahren hat, könnte der Name Klara bald verschwinden. Die heutige Post-Tochter rückt wohl auch namenstechnisch näher an den Gelben Riesen.

publiziert am 12.4.2024