Anatomie der Schweizer "Amts-ICT"

1. Juni 2010, 15:31
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Knapp jeder fünfte der gut 16,24 Milliarden Franken, die dieses Jahr in der Schweiz für geschäftliche Informations- und Kommunikations-Technologie (ICT) ausgegeben wird, stammt aus der öffentlichen Hand. Eine aktuelle Studie analysiert die "ICT in der öffentlichen Verwaltung 2010 bis 2012".

Knapp jeder fünfte der gut 16,24 Milliarden Franken, die dieses Jahr in der Schweiz für geschäftliche Informations- und Kommunikations-Technologie (ICT) ausgegeben wird, stammt aus der öffentlichen Hand. Eine aktuelle Studie analysiert die "ICT in der öffentlichen Verwaltung 2010 bis 2012".
Das auf ICT spezialisierte Schaffhauser Marktforschungsunternehmen hat im Auftrag der Firmen RUF Informatik und VRSG (Verwaltungsrechenzentrum St. Gallen AG) den ICT-Markt für öffentlichen Verwaltungen untersucht. Es analysierte dafür konkrete ICT-Projektpläne, die wichtigsten Beweggründe dafür, im Weg stehende Hürden und die Entwicklung der ICT-Ausgaben für die kommenden Jahre in diesem Sektor. Befragt wurden 18 Kantons- und 103 unterschiedlich grosse Gemeindeverwaltungen.
Ein beunruhigendes Ergebnis der Studie besteht darin, dass mit 44,5 Prozent erst weniger als die Hälfte der insgesamt rund 1'000 befragten Verwaltungseinheiten erklärten, sie hätten eine eigene E-Government-Strategie - dies, nachdem nachdem der Bundesrat bereits 2007 eine nationale E-Government-Strategie verabschiedet hatte. Die Schweiz hat keine internationale Vorreiterolle in dieser ICT-Disziplin, sondern befindet sich in globalen Rankings nur im Mittelfeld und in Europa sogar ganz weit hinten.
Insgesamt gaben die öffentlichen Verwaltungen der Schweiz im Jahr 2009 3'023,7 Millionen Franken für ICT aus, wobei auch Schulen und Universitäten sowie Kliniken und Heime berücksichtigt wurden. Mit 50,2 Prozent entfiel gut die Hälfte der Ausgaben auf Services, 21,5 Prozent auf Hardware, 17,5 Prozent auf Software und 11,5 Prozent floss in die Kommunikation. MSM Research rechnet für 2010/2011 mit einem Gesamtwachstum von 2,2 Prozent in diesem Sektor. Damit entfällt im gleichen Zeitraum knapp ein Fünftel der gesamtschweizerischen Ausgaben für Geschäftsinformatik von 16'240,4 Milliarden Franken auf die öffentlichen Verwaltungen.
Neue Arbeitsplätze, Security, Dokumentenmanagement
Wofür wird dieses Geld ausgegeben? In den laufenden Budgets steht die Optimierung der PC-Arbeitsplätze an erster Stelle, dafür sind 30,6 Prozent der verfügbaren Gelder verplant. An zweiter Stelle folgen die Kosten der Informatiksicherheit (25,4 Prozent) und knapp dahinter jene für Dokumentenmanagement und Archivierung (22,3 Prozent) - der gleiche Budgetanteil, der auf online-Projekte, wie beispielsweise virtuelle Behördenschalter, entfällt. Die ICT-Nachfrage der öffentlichen Verwaltungen wird in erster Linie durch Ausbauwünsche der Einwohnerdienste gespeist, sie machen im laufenden Jahr 51,2 Prozent der Projekte aus. Danach folgt die Administration der Steuern und Finanzen (33,1Prozent).
Kleine Reibereien ums Geld
Als grösstes Hemmnis bei der Umsetzung von ICT-Projekten wurde - wie in der Privatwirtschaft - der Mangel an Fachpersonal (55,4 Prozent) genannt. An zweiter Stelle der ICT-Hürden werden die Auflagen des Bundes, respektive der Kantone gegenüber den Gemeinden angeführt. Und offenbar ist in den häufigen Diskussionen die Frage, wie die Kantone und Gemeinden die Kosten ihrer ICT-Zusammenarbeit verteilen, ein Dauerthema.
In den Referaten der Auftraggeber-Firmen der Studie wurde die wichtige Stellung der Gemeinden in der Verwaltungs-ICT betont, denn "die wichtigen Daten liegen bei den Gemeinden", stellte VRSG-Direktor Peter App fest. Sein Kollege Marcel Reich von RUF Informatik wies unter anderem auf die ICT-Kosten hin, die der eidgenössische Föderalismus verursacht. So habe die im Vorfeld der virtuellen Volkszählung 2010 vom Bund verordnete Register-Harmonisierung in jedem Kanton zu einem eigenen ICT-Projekt geführt. (Gregor Henger)

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