Andreas Danusers 100-Millionen-Franken-Wette

10. September 2009, 16:02
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Translumina-Gruppe will schweizweit EWs mit Triple-Play-Diensten versorgen und hat weltweite Pläne.

Screenshot einer Präsentation: Heute die Schweiz, morgen die Welt.
Noch nicht ganz 100 Millionen Franken hätten Privatinvestoren und er selbst bis heute in die Translumina-Gruppe investiert, sagte Verwaltungsratspräsident Andreas Danuser heute morgen an einer kleinen Presseveranstaltung, an der die Firma und ihre hochfliegenden Pläne der Presse vorgestellt wurden.
Translumina will über die vielen lokalen Anbieter, meistens Elektrizitätswerke, die zur Zeit in der Schweiz Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetze bauen, "Triple Play"-Angebote (IPTV, Telefonie, Internet) in die Schweizer Haushalte bringen. Im Oktober, so Translumina-Chef Peter Helfenstein heute Morgen, werde die Version 1.0 der "Triple Play Plattform and Middleware" lanciert.
Aus einem fixfertigen Prospekt für die BewohnerInnen der Stadt Zürich, deren Wohnungen bereits vom ewz mit Glasfasern versorgt worden sind, kann man die Preise für das Angebot von Translumina ersehen. Für 95 Franken monatlich bekommt man Internet-Zugang (30 MB/s Download / 2 MB/s Upload), einen Telefonieanschluss, TV mit 80 Sendern, wovon 50 aus einem Angebot von 200 ausgewählt werden können und Zugang zu einer Online-Videothek.
Schweizweit ist nur der Anfang
Die Schweiz sei für Translumina ein Testmarkt, sagte Danuser heute Morgen. Damit will man zeigen, dass die Triple-Play-Plattform funktioniert und die firmeneigene Infrastruktur (Glasfasernetzwerk, 3 Rechenzentren, VoIP-Plattform) funktioniert. Sicher kommt Translumina in der Schweiz zum genau richtigen Zeitpunkt. Denn die Elektrizitätswerke, die heute in grosser Eile in kleinen Glasfasernetze aufziehen, brauchen Anbieter, die den Haushalten rasch Triple-Play-Angebote zu konkurrenzfähigen Preisen liefern können. Hält Translumina die heute abgegebenen Versprechungen, so sollen bereits in wenigen Monaten ergänzende Dienste angeboten werden. So wird man dann auf dem TV-Bildschirm sehen, wer gerade anruft und die Grossmutter im Altersheim wird über Video-Telefonie mit ihren Enkeln sprechen können.
... und dann die Welt
Doch in der Schweiz will Translumina nur zeigen, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Denn die Plattform und die Triple-Play-Dienste sollen - vielleicht nicht grad morgen, aber schon in absehbarer Zeit - weltweit an kleinere Netzwerkbetreiber vertrieben werden. Bereits hat Translumina Tochterfirmen für den Vertrieb in Deutschland und Österreich. Danuser: "Es gibt Investoren in Asien, die an unserer Plattform interessiert sind."
Wie lange reicht das Geld?
Wieviel Geld die ungenannten Investoren in Translumina zu stecken bereit sind, wollte Danuser nicht sagen. Doch sie scheinen bereit, ein unternehmerisches Wagnis einzugehen. Danuser: "Für uns ist heute nicht wichtig, ob wir profitabel sind. Wichtig ist, dass die Wachstumskurve stimmt."
Trotzdem lässt sich relativ leicht schätzen, wieviele Kunden Translumina innert nützlicher Frist finden muss, um die Geldverbrennung zu stoppen. Die Firma beschäftigt (ohne Partnerfirmen und Beteiligungen) in der Schweiz ungefähr 70 Mitarbeitende, was vielleicht 10 Millionen pro Jahr kostet. Rechnet man mit jährlich 1500 Franken Brutto-Umsatz pro Triple-Play-Kunden, wovon vielleicht die Hälfte bei Translumina ankommt, so braucht es 20'000 Heimkunden, um die aktuellen Kosten der Firma ungefähr zu decken. Nicht eingerechnet sind in diesem Rechenspielchen die bisher aufgelaufenen Kosten für die Entwicklung der Plattform.
Eine konkrete Zahl liess sich Helfenstein heute denn auch entlocken: Bis Ende Jahr sollen in der Schweiz 2000 Haushalte unter Vertrag genommen werden.
Risiken und Nebenwirkungen
So spannend Danusers Projekt Translumina scheint, so offensichtlich sind auch die Risiken. Translumina ist davon abhängig, dass nicht nur in der Schweiz rasch Glasfasernetze gebaut werden, dass kein Konkurrent im Stile von Cisco oder Microsoft plötzlich mit einer besseren IPTV- und Telefonie-Plattorm auf den Markt kommt und last but not least: Dass die Investoren das Vertrauen nicht verlieren und weiter investieren. (Christoph Hugenschmidt)
(Illustration: Screenshot aus einer Translumina-Präsentation. Detail.)

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