Andreas Fitze und Ralf Luchsinger sind CIO des Jahres

25. September 2015, 15:20
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Zum ersten Mal wurden dieses Jahr bei der Verleihung der CIO-Awards gleich zwei IT-Manager ausgezeichnet. inside-it.ch hat mit ihnen gesprochen.

Am Confare Swiss CIO & IT Manager Summit in Zürich wurden gestern zum vierten Mal die CIO Awards verliehen. Ralf Luchsinger der Glarner Kantonalbank gewinnt in der Kategorie KMU, während Andreas Fitze der Ruag in der Kategorie Grossunternehmen reüssiert.
Verliehen wurde der Preis von 13 Institutionen, darunter das Beratungsunternehmen EY, Dropbox und die Hochschule St. Gallen.
Ein Bundesbetrieb auf dem Weg zur Konsolidierung
Fitze hat vor zweieinhalb Jahren bei der Ruag den Job des CIOs übernommen. In dieser Zeit hat er einen beachtlichen Transformationsprozess aufgegleist und einen partizipativen Führungsstil eingeführt. Dazu war zu Beginn auch eine strenge Hand nötig: "Ich habe 80 Prozent der Führung und 40 Prozent der Belegschaft ausgetauscht", sagt er. Das Projekt für ein Rechenzentrum, das sich seit über einem Jahr in Planung befand, hat er gestoppt und komplett neu aufgezogen - nur vier Monate später ist es ans Netz gegangen. "Bis heute hatten wir noch keinen nennenswerten Ausfall", bemerkt Fitze.
Den Zoo aufräumen
Gleichzeitig musste sich der frischgebackene Ruag-CIO einen Überblick über seine neue IT-Landschaft verschaffen: "Wir hatten einen Wildwuchs mit hunderten Applikationen und wussten nicht einmal, wo diese im Einsatz sind". Zur Orientierung hat sein Team eine Cloud-basierte Applikation eingesetzt, in die alle Nutzer ihre installierten Applikationen eintragen können. "Dadurch haben wir inzwischen einen ganz guten Überblick. Diejenigen, die durchs Raster gefallen sind, entdecken wir spätestens dann, wenn eine Projekt-Anfrage gestellt wird". Dabei fällt auf, dass ein Bereich mit über hundert Applikationen ausgestattet ist, während ein ähnlicher mit nur zehn zurechtkommt. Dementsprechend lautet die nächste Aufgabe: "Den ERP-Zoo aufräumen". Dazu will Ruag einen hohen zweistelligen Betrag investieren.
Integration ausländischer Unternehmen
Den Wandel in der IT zusätzlich verkompliziert, dass sich gleichzeitig auch der Konzern an sich weiterentwickelt. Seit kurzem expandiert Ruag mit dem Zukauf kleiner Firmen in verschiedene Länder: Schweden, USA, Deutschland, Frankreich. Bei den meisten Zukäufen geht es darum, in den Genuss der Vorteile lokaler Unternehmen zu kommen; Steuervorteile, Gegengeschäfte, die Pluspunkte des Einheimischen. Die Zukäufe haben strategische Gründe, sie sollen dem Unternehmen langfristig erhalten bleiben. Für Fitze bedeutet das, dass er kleine, über die halbe Welt verteilte Unternehmen in die eigenen Strukturen einbinden muss. "Eine brutale Aufgabe", sagt Fitze.
Ruag setzt einen Schwerpunkt auf den Verkauf von Dienstleistungen. Airbus kauft etwa nicht mehr die einzelne Reparatur einer Flugturbine, sondern erwirbt bei Ruag eine garantierte Zahl von Flugstunden. Innerhalb dieses Rahmens kommt Ruag selbst für die Wartung auf. Um solche Pakete kostendeckend anbieten zu können, braucht es ein exzellentes Performance Tracking. Die Interlinks mit dem VBS oder Airbus verursachen dementsprechend enorme Datenmengen, die es tagtäglich in den Rechenzentren zu verarbeiten gilt.
"Ich weiss, wo mein Platz ist"
Dabei dringt Fitze allerdings nicht in alle Bereiche des Unternehmens vor: Die Forschungsabteilungen haben bis jetzt kaum etwas davon bemerkt, was in der IT um sie herum geschieht. "Das sind häufig Labs mit hochspezifischen Anforderungen. "Ihnen muss ich zuerst einen Mehrwert bieten können. Sonst ist die Gefahr gross, dass man mehr kaputt macht, als verbessert. Ich weiss, wo mein Platz ist". Als Beispiel dient die Abteilung Cyber Defense, die etwa mit Viren handelt. "Die sind von unserem Netzwerk komplett abgeschottet", sagt Fitze.
Silicon Valley versus Glarnerland
Ralf Luchsinger nutzt die Vorteile der kleinen Glarner Kantonalbank voll aus: Kein zusammengebasteltes Monstrum aus verschiedensten Schnittstellen bestimmt die IT-Welt der Bank. Durch konsequentes Absagen alter Zöpfe schafft er es, das gesamte Geschäft über eine einzige Schnittstelle laufen zu lassen. "Ich bin seit bald 20 Jahren bei der Bank, da kennt man jede einzelne Schraube im Unternehmen. Das hilft enorm, wenn es darum geht, schnell und agil zu sein", sagt er gegenüber inside-it.ch. Das hat auch dazu geführt, dass die Glarner Kantonalbank mit ihrem kleinen geographischen Einzugsgebiet ihre Wachstumsstrategie umsetzen kann: Nicht weitere Filialen, sondern Online-Angebote locken neue Kunden an. Der Hypomat etwa vergibt vollautomatisch via Internet Hypotheken: Der Kunde braucht keinen einzigen Termin wahrzunehmen, keinen einzigen Berater zu sprechen. Bereits wird rund die Hälfte dieser Kredite über den Hypomat abgeschlossen, ein Volumen von einer halben Milliarde Franken ist so schon zusammengekommen. Ähnliche Angebote gibt es mit dem Risikomat für Lebensversicherungen, dem Investomat für Anlegegeschäfte und dem Kontomat für individuelle Sparkonti: "Luchsinger schafft es, mit der Glarner Kantonalbank das Silicon Valley anzugreifen", resümiert Michael Ghezzo, Organisator der CIO Awards.
Weitere Awards gewonnen haben Walter Steinhauser von Eurotax, Volker Schmidt von CSS und Heinz Hodel von Emmi. (mik)

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